Obwaldner Wanderwege sind vermehrt asphaltiert

Hartbelag statt Kies: Nicht überall werden Wanderwege dem Namen gerecht – auch nicht in Obwalden. Die Lösung ist nicht ganz einfach.

Matthias Piazza
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Ein Asphalt-Wanderweg beim Tannalpsee auf Melchsee-Frutt. (Bild: Markus von Rotz, Kerns, 29. Juni 2019)

Ein Asphalt-Wanderweg beim Tannalpsee auf Melchsee-Frutt. (Bild: Markus von Rotz, Kerns, 29. Juni 2019)

«Von der Tannalp aus ist es sehr schwierig, ungeteert nach Melchsee-Frutt zu gelangen. Überall stösst man auf diese schwarzen Alperschliessungsstrassen», beklagte sich ein enttäuschter Berner Wanderer in einem E-Mail gegenüber unserer Zeitung. Auch auf seinen weiteren Wanderungen im Kanton Obwalden sei er über weite Strecken auf Betonpisten gelandet. Er fühle sich um das erwartete Wander- und Bergerlebnis betrogen.

In die Pflicht nimmt er die Wanderwegorganisationen, die seiner Ansicht zu wenig vehement das Bundesgesetz über die Fuss- und Wanderwege durchsetzten, das unter anderem vorschreibt, dass die Wege ersetzt werden müssen, wenn sie mit ungeeigneten Belägen versehen werden.

Otti Küng, Präsident des Vereins Obwaldner Wanderwege, spricht auf Anfrage unserer Zeitung von teilweise unkorrekten und unfairen Anschuldigungen. «Gerade in der Region gibt es interessante Varianten zum Hartbelag.» Trotzdem will er die generelle Feststellung des besagten Wanderers nicht gänzlich in Abrede stellen. «Rund ein Viertel der über 1000 Kilometer Obwaldner Wanderwege sind betoniert oder asphaltiert. Dies entspricht in etwa dem Schweizer Durchschnitt. Es ist auch nicht ein obwaldnerisches, sondern ein schweizerisches Phänomen.» Natürlich habe der Wanderer am liebsten Naturwege, auch weil sie gesünder zum Gehen seien.

Er führt vor allem zwei Gründe für das Verschwinden natürlicher Wanderwege in allen Obwaldner Gemeinden auf. «Einerseits dehnen sich die Siedlungsgebiete aus, Wege werden zu asphaltierten Strassen ausgebaut. Auch Land- und Forststrassen im landwirtschaftlichen Umfeld asphaltieren die Korporationen, weil sie dann weniger Unterhalt haben», führt Otti Küng aus.

Auf gute Zusammenarbeit angewiesen

Der Verein Obwaldner Wanderwege fordere in solchen Situationen das Recht auf Ersatz ein, hält Otti Küng fest. Dies sei aber nicht immer so einfach möglich, auch wenn der Verein grundsätzlich gut mit den Korporationen und Gemeinden zusammenarbeiten würde.

Auch Umweltschutzorganisationen leisteten Widerstand, wenn der Ersatzweg beispielsweise durch ein Hochmoorgebiet führen würde.

Trotzdem bleibe man am Thema dran. «Als Milizorganisation sind wir umso mehr auf die gute Zusammenarbeit mit Korporationen, Gemeinden und ökologischen Organisationen angewiesen», hält Otti Küng fest.