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Oh mys liäbs Obwaldnerländli!

Romano Cuonz schreibt in seinem «Ich meinti» über den lohnenden Kampf um unsere Landschaft.
Romano Cuonz
Romano Cuonz.

Romano Cuonz.

Wer kennt ihn nicht, den rührselig hilflosen Ritter Don Quijote? Im tragikomischen Buch des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes kämpft dieser Held gegen Windmühlen, die er für feindliche Riesen hält. Heute braucht man die Redewendung «Gegen Windmühlen kämpfen», um ein Engagement zu beschreiben, das wohl nie zum Erfolg führen wird. Nun: Auch ich bin so ein Ritter der traurigen Gestalt. Erneut bewusst geworden ist mir dies an der aktuellen Ausstellung «Wege» im Museum Bruder Klaus. Dort wurde ich, unter andern, auf die Aktion «O mys liäbs Obwaldnerländli» vor 38 Jahren angesprochen. Damals sind wir Künstler gemeinsam ins Feld gezogen. Gegen die – so stand es im Untertitel zu unserem schweizweit beachteten Buch «Schleichende Zerstörung eines Bergkantons».

Künstler und Pro Obwalden errangen dabei einen klassischen Pyrrhussieg. Auf der Erfolgsseite steht: Es gelang uns, die geplante offene Linienführung der N8 mit vielen Viadukten zu verhindern. Indessen: Siegreich blieben wir nur, weil auch das Baugewerbe sich von der Tunnellösung zusätzliche, neue Einnahmen versprach. Ja, wir erkauften uns den Erfolg teuer. Das zeigte sich bald einmal. Dank der heutigen A8 als schnellem Zubringer unter dem Boden, sind viele Wohnlagen im «Obwaldnerländli» für Reiche nur noch attraktiver geworden. Überall wurde und wird «Grünes Land» – für dessen Erhalt wir so sehr gekämpft hatten – eingezont. Und leider ohne jede einheitliche Stilvorgabe oft hässlich verbaut. Zubetoniert gar. Sarnen, Wilen, Oberwilen und Ramersberg beinahe zusammengewachsen! Sachseln, vom Seeufer bis an die Berghänge hinauf zersiedelt! Kerns bald schon überbevölkert! Am schlimmsten aber ist: nachdem die «Zersiedelungsinitiative» kürzlich auch in Obwalden mit 76 Prozent Neinstimmen abgelehnt wurde, gibt es weiterhin kein griffiges Gesetz, das der Zersiedelung unseres Kantons wirksam und langfristig Einhalt gebieten ––könnte.

Angesichts solcher Gefahren sind Leute, die Bauriesen den Kampf ansagen, gefragter denn je. Glücklicherweise gibt es sie! Seit 1996 versucht die IG Baukultur die Bevölkerung für Probleme der Siedlungs- und Bauentwicklung zu sensibilisieren. Einer ihrer Sprecher war der ehemalige Kantonsarchitekt Walter Trutmann. Als Obwalden die Nutzungsziffern definitiv verabschieden wollte, prophezeite er wörtlich: «Nun heisst es ja: Halali, die Jagd nach unternutzten Grundstücken ist frei gegeben, die Liegenschaftsjäger können auf die Pirsch gehen!» In der Tat, seit auch diese Bremse definitiv weg ist, müssen Gärten mit Bäumen und Blumen – mal da, mal dort – weichen. Schlimmer noch: bei einer Verdichtung von über 40 Prozent verschwinden ein Vogel und ein Insekt nach dem andern. Für immer! Auch der Sarner Architekt Eugen Imhof warnte damals mit klaren Worten: «Die Architektur verkommt so zu einer Abstandsoptimierung und vernachlässigt die für den Siedlungscharakter wichtigen Aussen- und Zwischenräume.»

Ein neuer Kämpfer, hoffentlich diesmal nicht gegen Windmühlen, ist der Verein «Kulturlandschaft – Landschaft und Kultur in Obwalden». In seiner Präambel verspricht er: «Ziel ist es, das Werden, die Entwicklung und die Qualitäten unserer Landschaft ins Bewusstsein zu rücken und die Kulturlandschaft von Obwalden in all ihren Facetten erlebbar zu machen. Das Wissen darum, dass diese Werte nur erhalten werden können, wenn wir sie kennen und schätzen, ist der zentrale Gedanke des Projektes.»

Würde dies doch nur gelingen! Und zwar möglichst schon, bevor die Baulobby damit beginnt, ihre Messer gegen die demnächst anstehenden neuen Initiativen zum Erhalt der Schweizer Landschaften zu wetzen. Einige Zahlen können wir uns nicht genug vor Augen führen: Pro Sekunde wird in der Schweiz ein Quadratmeter freies Land verbaut. Alle zwei Stunden eine Fläche so gross wie ein Fussballfeld. Und die verrückte Formel dabei, die auf die Länge nicht aufgehen kann: «I äister wältsigere Hyser oni Griän drum umä woonid äister weniger Lyyt!»

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