Ohne Lärm und Abgas: Obwaldner Kehrichtsammlung ist elektrisch

Seit Anfang Jahr stehen in Obwalden für die Kehrichtsammlung zwei Elektro-LKW im Einsatz – ein Novum in der Zentralschweiz.

Beat Christen
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Ein Elektro-Kehrichtwagen auf Tour in Engelberg.

Ein Elektro-Kehrichtwagen auf Tour in Engelberg.

Bild: Beat Christen (20. März 2020)

Von aussen betrachtet sieht der Lastwagen mit Kehrichtentsorgungsvorrichtung als «Huckepack» aus wie ein normaler LKW. Doch etwas fehlt. Fährt der Lastwagen an, ist kein brummendes Motorengeräusch zu hören. Und auch den Rauch aus dem Auspuff sucht man vergebens. Kein Wunder: Der Kehrichtentsorgungslastwagen ist ein Elektrofahrzeug. Seit Anfang Jahr sind gleich zwei dieser Fahrzeuge in Obwalden unterwegs und sammeln den Kehricht ein. Reto Zimmermann, Inhaber der Unternehmung Zimmermann Umweltlogistik AG in Alpnach, spricht denn auch von einem Quantensprung. «Die Bewohner werden nicht mehr durch die Motorengeräusche der vielen Stop-and-go’s entlang einer Sammelroute gestört. Auch die Abgase entfallen.» Bei diesen Fahrzeugen der Zimmermann Umweltlogistik AG handelt es sich um die beiden ersten Elektro-LKW in der Zentralschweiz, welche für die Kehrichtsammlung eingesetzt werden.

«Die Bewohner werden nicht mehr durch die Motorengeräusche der vielen Stop-and-go’s entlang einer Sammelroute gestört.»

Auch in Europa gibt es bislang nur ganz wenige Kehrichtentsorgungsfahrzeuge dieser Art. Billig ist der Umstieg nicht. Rund eine Million Franken kostet so ein Fahrzeug inklusive Umbau. Doch nach gut zwei Monaten in Betrieb kann Reto Zimmermann bereits ein erstes positives Fazit ziehen. «Das Risiko hat sich gelohnt.» Als Risiko bezeichnet der Unternehmer unter anderem, dass sie bei der Ausschreibung zur Vergabe des Transportauftrages inklusive Bereitstellung der Transportmittel des Kehrichtentsorgungszweckverbandes Obwalden voll auf die Karte Elektro-Lastwagen gesetzt haben. «Natürlich haben wir die Einsammlung des Kehrichts mit herkömmlichen Dieselfahrzeugen geprüft», sagt Reto Zimmermann. «Nach Abwägen von allen Vor- und Nachteilen haben wir das Schwergewicht unserer Offerte auf den Bereich Ökologie gelegt.»

Damit lag das Unternehmen ganz auf der Linie des Entsorgungszweckverbandes. Gemäss dessen Geschäftsführer Sepp Amgarten gehörte die Ökologie bei der Ausschreibung des Auftrages zu den wichtigsten Bewertungskriterien. «Der Verband hat in den letzten Jahren viele verschiedene Varianten einer möglichst ökologischen Kehrichtsammlung erarbeitet und berechnet. Viel Zeit und Energie wurde in das Projekt Kehrichtsammelfahrzeuge gesteckt.» Berechnungen hätten ergeben, so Sepp Amgarten, dass die neu im Einsatz stehenden Fahrzeuge über die Betriebsjahre betrachtet ökologisch sowie ökonomisch gut abschneiden. «Hinzu kommt, dass die Belader keinen Abgasen mehr ausgesetzt sind.»

60'000 Liter Diesel werden so gespart

Direkt «ab der Stange» gibt es die Elektro-LKW allerdings nicht. Bei beiden Fahrzeugen handelt es sich um herkömmliche Lastwagen, bei denen die Dieselaggregate durch Elektromotoren ersetzt worden sind. Dadurch spart die Zimmermann Umweltlogistik AG jährlich rund 60'000 Liter Diesel. Aufgeladen werden die Batterien der beiden Elektro-LKW mit Strom aus erneuerbarer Quelle, die vom EWO gespiesen wird. Aber auch von der firmeneigenen Solaranlage wird Strom bezogen. «Die Kehrichtabfuhr ist in Obwalden somit seit Jahresbeginn praktisch CO2-frei, effizienter und wir sparen erst noch Energie», freut sich Reto Zimmermann.

Die langen Sammeltouren zum Beispiel nach Engelberg und wieder zurück zur KVA Renergia in Perlen schaffen die Fahrzeuge problemlos. Und wenn dann im Frühling der Schnee geschmolzen ist, werden die Elektro-LKW auch zum Einsammeln des Kehrichts auf Melchsee-Frutt eingesetzt. «Eine solche Bergtour ist für Elektro-LKW weltweit einzigartig», so Reto Zimmermann. «Wir überlegen uns, mit dieser Tour einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde zu schaffen.»

Ganz auf Dieselfahrzeuge kann das Unternehmen mit 175 Mitarbeitern jedoch nicht verzichten. «Gerade für schwere Transporte gibt es zu den Dieselfahrzeugen leider noch keine Alternativen. Aus diesem Grund werden unsere Mitarbeiter immer wieder zu Schulungen für ökologisches Fahrverhalten aufgeboten, mit dem Ziel, den Dieselverbrauch und den Abgasausstoss zu senken.» Ziele, die man auch mit dem Einsatz von modernen und gut gewarteten Fahrzeugen erreicht. «Elektro-LKW mit ihren zukunftsweisenden Technologien werden jedoch für unsere Branche immer interessanter», ist der 44-jährige Unternehmer überzeugt.

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