Papst Paul VI. liebte die Berge von Engelberg und Melchtal

Mit Papst Paul VI. hat die katholische Kirche seit wenigen Tagen einen neuen Heiligen. Vor seiner Wahl zum Papst verbrachte der neue Heilige während mehrerer Jahre seine Sommerferien in Engelberg und Melchtal. In der Bergwelt suchte und fand er Ruhe.

Beat Christen
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Gruppenbild im Klostergarten während den Sommerferien im Kloster Engelberg 1961: Pater Bruno Bossi, Pater Anselm Fellmann, Kardinal Giovanni Battista Montini, Giulio Bevilacqua, Pater Fidelis Beerli, Pater Georg Dufner und Pater Wolfgang Hafner (von links). Bild: PD

Gruppenbild im Klostergarten während den Sommerferien im Kloster Engelberg 1961: Pater Bruno Bossi, Pater Anselm Fellmann, Kardinal Giovanni Battista Montini, Giulio Bevilacqua, Pater Fidelis Beerli, Pater Georg Dufner und Pater Wolfgang Hafner (von links). Bild: PD

Gleich beim Eingang der Schwandkapelle in Engelberg ist eine kleine Tafel mit folgendem handschriftlichen Inhalt angebracht: «Christi gütige Mutter, schütze das schmucke Heiligtum, das den Namen unserer Lieben Frau zu den Bächen trägt als Sinnbild der hervorquellenden Gnaden. Sie verleihe hier allen dürstenden Seelen den Trost, der nie enttäuscht.» Unterzeichnet ist das Schriftstück mit Giovanni Battista Kardinal Montini, Erzbischof von Mailand. Zwei Jahre und einen Monat später wurde der Besucher der Schwandkapelle am 21. Juni 1963 vom Kardinalskollegium zum Papst gewählt. «Noch am Abend des Wahltages liess der neu gewählte Papst Paul VI. ein Telegramm an Pater Anselm Fellmann ausrichten, mit welchem er seinen apostolischen Segen für das Kloster Engelberg und die Pfarrei Melchtal übermittelte», weiss Stiftsarchivar Rolf De Kegel.

Tiefe Freundschaft

Als Kardinal Montini an jenem 15. Mai 1961 die Zeilen für die Schwandkapelle schrieb, war er aus touristischer Sicht bereits ein Stammgast in Engelberg. 1950 war er zum ersten Mal Gast im Hochtal, wo er im Kloster die Gastfreundschaft der Benediktiner genoss. Pater Anselm Fellmann zeigte dem bergsportverbundenen Kardinal die Berge in der Umgebung. Höhepunkt war dabei die Bergwanderung von Engelberg nach Melchsee-Frutt am 28. Juli 1950 inklusive Besuch bei dem erst kurz zuvor heiliggesprochenen Bruder Klaus im Ranft. In der Folge entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen dem Engelberger Mönch und dem Kardinal aus Mailand. Und als Pater Anselm Fellmann die seelsorgerische Tätigkeit in Melchtal übertragen wurde, fand Kardinal Montini auch Gefallen an der Melchtaler Bergwelt.

Ein unkomplizierter Gast

Wie sehr der spätere Papst Paul VI. mit Engelberg und Melchtal verbunden war, zeigt die Tatsache, dass er zu diesen Ferienaufenthalten auch seinen Bruder mit Frau und den beiden Nichten begeistern konnte. Die Nichte des Kardinals, Chiara Montini Matricardi, erinnerte sich Jahre später an die wunderbare Ferienstimmung in Engelberg. «Da war nicht der Erzbischof, da war der Onkel, er spielte mit uns, wir frühstückten gemeinsam; öfters veranstaltete man auch ein Picknick. An diese Ferien erinnere ich mich ausserordentlich gerne.» Der damalige Kardinal Montini schien ein unkomplizierter Gast zu sein. Er erhoffe sich lediglich ein paar Tage der Ruhe und Erholung in der Nähe der Melchtaler Madonna, kündigte er 1960 seinen Aufenthalt in Melchtal an. Jeweils ein fester Bestandteil bei seinen Engelberger Aufenthalten war die Teilnahme an der Benediktiner-Vesper.

Den gleichen Wappenspruch

Dass sich die Beziehungen zwischen Montini und dem benediktinischen Bergkloster Engelberg und Marienort Melchtal derart entwickelte, ist für Stiftsarchivar Rolf De Kegel nicht zufällig. «Es waren sicherlich die Berge und die alpine Abgeschiedenheit, die es Montini angetan hatten. Er liebte die Berge, auch in Italien.»

Wie sehr der spätere Papst Paul VI. mit der Region verbunden war, zeigt die Tatsache, dass er Ende September 1962 nur gerade zwei Wochen vor der Eröffnung des Konzils am 11. Oktober im Petersdom für die Feier der Pontifikalämter in Melchtal und Sachseln anreiste. Nach seiner Wahl zum Papst gehörten die Ferienaufenthalte in Engelberg und Melchtal der Vergangenheit an.

Geblieben ist aber die Verbindung des Pontifex zum Kloster Engelberg. Und so ist es kein Zufall, dass Abt Christian Meyer den gleichen Wappenspruch «In nomine Domini» wie Papst Paul VI. gewählt hat. «Papst Paul VI. hat das fortgeführt, was sein Vorgänger Johannes XXIII. mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil angestossen hat. Das war damals eine Zeit der Neuorientierung. Auch wir sind in einer Zeit des Umbruchs. Deshalb war es für mich nach meiner Wahl zum Abt des Klosters Engelberg klar, das von meinem Vorgänger Abt Berchtold begonnene Werk fortzusetzen», so Abt Christian Meyer. Der gleiche Wappenspruch ist aber auch eine ganz persönliche Wertschätzung des Engelberger Abts an den zweiten Konzilpapst und dessen Wirken, aber auch ein Zeichen der Verbindung des Klosters mit dem jetzt zum Kreis der Heiligen gehörenden Papst Paul VI.