Parlament will nicht über Italienisch diskutieren

Die Streichung des Schwerpunktfaches Italienisch an der Kantonsschule Obwalden hat über die Kantonsgrenzen hinaus für Aufregung gesorgt. Das Kantonsparlament aber wollte am Freitagmorgen, trotz Anwesenheit von Tessiner Medien, nicht mehr darüber diskutieren.

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Donato Sperduto, Lehrer an der Kanti Obwalden, Dito Schumacher, Vertreter der Plattform Italianoascuola.ch, Marco Sonego, Lehrer an der Kanti Obwalden und Kantonsrätin Nicole Wildisen übergaben dem Bildungsdirektor Franz Enderli (links) am 24. November 4418 Unterschriften für den Erhalt des Italienisch-Unterrichts an der Kantonsschule. (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

Donato Sperduto, Lehrer an der Kanti Obwalden, Dito Schumacher, Vertreter der Plattform Italianoascuola.ch, Marco Sonego, Lehrer an der Kanti Obwalden und Kantonsrätin Nicole Wildisen übergaben dem Bildungsdirektor Franz Enderli (links) am 24. November 4418 Unterschriften für den Erhalt des Italienisch-Unterrichts an der Kantonsschule. (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

Mit einer Interpellation hatte die SP-Fraktion gehofft, die Regierung zu einem Überdenken ihres Entscheides zu veranlassen. Die Erstunterzeichnerin Nicole Wildisen versuchte im Kantonsrat noch einmal die Bedeutung der Mehrsprachigkeit für die Schweiz zu beschwören.

Worte wie Spaghetti und Pizza genügten vielleicht für den Urlaub, so Wildisen, nicht aber zum Verständnis der italienischen Kultur. Auch verwies die Rednerin auf die 4000 Unterschriften, die in der Schweiz für eine Petition an die Obwaldner Regierung gesammelt wurden.

Regierung beharrt auf Streichung

Doch die Regierung liess sich nicht erweichen. Es bleibt bei der Streichung des Schwerpunktfaches Italienisch. Bildungsdirektor Franz Enderli wies noch einmal darauf hin, dass Obwalden ein kleiner Kanton sei, dass die Kantonsschule Obwalden mit total 450 Schülern (75 bis 80 pro Jahrgang) eine kleine Schule sei.

Das Schwerpunktfach Italienisch ist laut Regierung jeweils von rund zehn Schülern gewählt worden. Nach der Streichung wird Italienisch an der Kantonsschule in Sarnen weiterhin als Freifach angeboten. Wer es als Schwerpunktfach wählt, kann es ohne Mehrkosten an einer der benachbarten Kantonsschulen in Nidwalden und Luzern nehmen.

Das sei in der kleinräumigen Zentralschweiz zumutbar, so Enderli. Diese Schulen seien mit dem öffentlichen Verkehr in rund 25 Minuten erreichbar. Die Regierung hatte zudem darauf verwiesen, dass das auch im Kanton Luzern Schülern aus dem Entlebuch zugemutet werde; auch dort werde Italienisch nicht als Schwerpunktfach angeboten.

SP kommt mit Postulat

Für die Reaktionen auf den Entscheid zeigte die Regierung Verständnis. Dennoch bestehe kein Anlass, darauf zurückzukommen. Der Entscheid sei gut begründet. Es gehe nicht um die Brüskierung der italienischen Schweiz. Auch werde der Bildungsstandort Obwalden deshalb nicht weniger attraktiv.

Das Kantonsparlament sah keinen Grund, den Entscheid noch weiter zu erörtern. Es verzichtete auf einen Antrag auf Diskussion. Die SP- Fraktion will nun mit einem Postulat darauf hinwirken, dass Italienisch nicht nur als Frei-, sondern als Grundlagenfach eingestuft wird.

Die Behandlung der Interpellation nahm am Freitag nur kurze Zeit in Anspruch - und stand damit in umgekehrt proportionalem Verhältnis zur medialen Aufmerksamkeit. Denn eigens für dieses Geschäft waren unter anderem Radio und Fernsehen aus dem Tessin angereist. Und SP- Kantonsrätin Nicole Wildisen hielt, ein Novum, einen Abschnitt ihres Votums in italienischer Sprache.

sda