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Paul von Wyls Vermächtnis an seine Heimat Kägiswil

Der frühere Obwaldner Bankdirektor Paul von Wyl ist in Kägiswil aufgewachsen. Nun hat er im hohen Alter von 93 Jahren die Geschichte des «Dörflis» erforscht und in einer Broschüre herausgegeben.
Romano Cuonz
Paul von Wyl vor dem früheren Bezirksgemeindehaus in seiner Heimat. (Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 30. November 2018))

Paul von Wyl vor dem früheren Bezirksgemeindehaus in seiner Heimat. (Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 30. November 2018))

«Kägiswil ist weder eine Stadt noch ein Dorf, sondern nur ein Flecken Land mit einem etwas dichter besiedelten Kern, der im Volksmund bescheiden ‹Dörfli› genannt wird», schreibt der frühere Obwaldner Bankdirektor Paul von Wyl-Egli im Vorwort zu einem neuen Büchlein, das dieser Tage erschienen ist. Eigentlich ist «Kägiswil – Das Dörfli im 19. & 20. Jahrhundert» mehr als einfach nur eine Publikation: Eine wahre Liebeserklärung des heute 93 Jahre alten Mannes an seine Heimat ist es.

Der nach wie vor überaus rüstige und an allem und jedem interessierte Paul von Wyl wurde auf dem kleinen Heimwesen «Oberloh» an der Schwarzenbergstrasse als jüngstes von sechs Kindern geboren. Sein Vater war Schindelfabrikant, Dachdecker und Kleinbauer mit nur wenigen Kühen auf dem Hof. Von Wyl erinnert sich an seine Jugend: «Nach sechs Jahren Primarschule im Dörfli folgten fünf Jahre Handel im Kollegium und eine fünfjährige Ausbildung bei der Obwaldner Kantonalbank.»

Der Reiz, Rückschau auf den Geburtsort zu halten

In all diesen Jahren sei er täglich mit dem Velo nach Sarnen gefahren. «Alle Fahrten zusammengerechnet, hätte ich wohl die ganze Welt umrundet», schmunzelt der betagte Mann. Obwohl er weder Historiker noch Schriftsteller sei, so von Wyl, habe es ihn gereizt, Rückschau auf seinen Geburts- und Heimatort zu halten.

In der Tat: Seine teils fast schon akribischen Recherchen haben sich gelohnt. Die 160-seitige Broschüre mit über 100 teils schwarz-weissen, teils farbigen Abbildungen, rufen die gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen des Weilers in den letzten zwei Jahrhunderten ebenso exakt datiert wie beredt und farbig in Erinnerung. Fragt man Paul von Wyl, welche Jugenderlebnisse denn für ihn prägend gewesen seien, muss er nicht lange überlegen. «Noch Jahre geplagt hat mich die Erinnerung ans furchtbare Unwetter vom 5. August 1931, als nussgrosse Hagelkörner die Ernte vernichteten und die Grosse Schliere mit Schutt und tonnenschweren Steinen und ganzen Baumstämmen zu Tale donnerte», erzählt er. Damals war die Zugstrecke Sarnen-Alpnach für mehrere Tage unterbrochen.

Von Wyl beschreibt im Büchlein diese Katastrophe genauso eindrücklich wie den Morgen des 7. August 1922, als Böllerschüsse den Baubeginn für die so wichtige Schwarzenbergstrasse ankündigten. Autos waren damals auf dieser Strasse noch kaum zu sehen. Das freute die Schulkinder. «Wir benutzten die Strasse gerne als Schlittelbahn und flitzten mit von bis zu vier Jugendlichen besetzten Reitschlitten zu Tal.»

Eindrücklich sind auch von Wyls Schilderungen vom reichen Brauchtum des «Dörflis». Geschildert wird da etwa das jährliche Knabenschiessen, der Auftritt von Wildmaa und Wildwyyb an der Älplerchilbi und natürlich den farbenprächtigen Samichlaus-Einzug, der Kägiswil in jüngster Zeit weitherum berühmt gemacht hat. «Lange zuvor gab es schon das Trinkeln, bei dem wir von fünf bis sechs ‹Wägelibuebä›, einem Hauptmann und dem ‹Harligingg› begleitet worden sind», erinnert sich von Wyl.

Die stolzeste Bezirksgemeinde

In seiner Dorfgeschichte erfährt man aber noch viel mehr – ja fast alles – über den einst so stolzen Sarner Bezirk mit eigenem Wappen, Dorfplatz und Gemeindehaus, in dem es ja seinerzeit gar separatistische Bestrebungen gab. Als Sarnen eine Einheitsgemeinde werden wollte, war die Zustimmung in Kägiswil am knappsten: nur gerade 63 Prozent Ja gab’s damals. Auch die wichtigen Aufgaben der Korporation, die Landwirtschaft und den Weinbau, Industrie und Gewerbe – von Josef Durrers Parketterie bis zu Leisters neuster Technologie – beleuchtet der Autor.

Wer in der Broschüre liest, erfährt so manches, was er nicht gewusst oder vergessen hatte: Von Kaplänen und Pfarrherren ist die Rede, von den Landammännern Walter Amstalden und Leo von Wyl. Und – nur ein paar Seiten danach – lernt man eigenwillige Dorforiginale wie «s Ploderi Christini», den oft laut polternden Bauer «Hüsli Vogel» oder das «Ebnet Resi» kennen, das, stets mit einer Brissago im Munde, mit den Schützen um die Wette kegelte und gewann.

«Kägiswil – Das Dörfli im 19. & 20. Jahrhundert», Autor: Paul von Wyl. ISBN 978-3-033-07001-1

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