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Pause für Bartgeier-Auswilderungen auf Melchsee-Frutt

Nach vier Auswilderungen in Folge verzichtet die Stiftung Pro Bartgeier dieses Jahr darauf, junge Bartgeier auf der Melchsee-Frutt freizulassen. Grund dafür sind Befürchtungen von Inzuchtschäden.
Philipp Unterschütz
Ein Bartgeier auf der Frutt. (Bild: Archivbild: PD/Hansruedi Weyrich)

Ein Bartgeier auf der Frutt. (Bild: Archivbild: PD/Hansruedi Weyrich)

Mit Finja und Fredueli entliess die Stiftung Pro Bartgeier vergangenen Juni den achten und neunten Bartgeier auf der Frutt, seit dort das Auswilderungsprogramm zur Erhaltung der Bartgeier 2015 gestartet worden ist. Dieses Jahr kommen keine neuen Jungtiere dazu. Die Stiftung Pro Bartgeier meldet, dass keine geeigneten Jungtiere zur Verfügung stehen (siehe auch Ausgabe vom Sonntag). Sie schreibt, die Auswilderungen geschähen mit dem Ziel, neue Blutlinien in den Bartgeierbestand der Alpen zu bringen. «Dieser wächst zwar aus eigener Kraft langsam an, dessen genetische Diversität ist aber noch deutlich zu klein.» Ohne Auswilderung weiterer Jungtiere aus der Zucht bestehe deshalb mittelfristig ein beträchtliches Risiko für Inzucht-Probleme.

Inzuchtschäden zeigen sich ganz unterschiedlich

Am Erhaltungszuchtprogramm der stark gefährdeten Vogelart beteiligen sich über 40 Zoos und Zuchtstationen. Auch dieses Jahr hätten viele Brutpaare Nachwuchs gezeugt, schreibt die Stiftung weiter. Allerdings stammen sämtliche Jungvögel aus genetischen Linien, die in der Alpenpopulation schon gut vertreten sind, und kämen deshalb für eine Auswilderung in der Schweiz nicht in Frage. «Wir arbeiten nach dem Vorsichtsprinzip», sagt Daniel Hegglin, Geschäftsführer der Stiftung Pro Bartgeier und erklärt auf Nachfrage, dass man zwar noch keine gesicherten Fälle habe, dass aber schon bei Jungtieren von mehreren Wildbruten Gefiederschäden beobachtet wurden, die möglicherweise inzuchtbedingt seien.

«Es könnte bei diesen Jungtieren aber auch andere Gründe dafür geben.» Man werde den Fällen genau nachgehen. Die Stiftung überwacht zurzeit verschiedene Wildbruten und konnte dieses Jahr bei mindestens elf Paaren eine Brut nachweisen. Inzuchtfolgen könnten sich ganz verschieden äussern, neben Gefiederschäden seien beispielsweise auch Kreislaufschäden oder Fruchtbarkeitsprobleme möglich, sagt Hegglin. Ganz sicher nichts damit zu tun hat aber der Tod des Bartgeiers Alois im vergangenen Sommer auf der Frutt. Dieser sei mit einem Transportseil kollidiert.

Geschäftsführer Daniel Hegglin (links ) von der Stiftung Pro Bartgeier präsentierte im Mai 2016 die gewaltige Flügelspannweite, die das junge Männchen Alois damals hatte. (Bild: Romano Cuonz, Melchsee-Frutt, 29. Mai 2016)

Geschäftsführer Daniel Hegglin (links ) von der Stiftung Pro Bartgeier präsentierte im Mai 2016 die gewaltige Flügelspannweite, die das junge Männchen Alois damals hatte. (Bild: Romano Cuonz, Melchsee-Frutt, 29. Mai 2016)

Aufgrund der Zuchterfolge sehe es für nächstes Jahr gut aus. Man habe besonders auch Tiere mit Vorfahren aus den Pyrenäen oder Griechenland im Auge, entscheiden werde man im Frühling. «Wir sind daran, die Bewilligung vom Bund für Auswilderungen für die nächsten fünf Jahre einzuholen», so Hegglin. Der Infostand am Henglirain auf der Melchsee-Frutt wird erst wieder betreut, wenn die nächste Auswilderung stattfindet.

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