Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Pfarrer Thomas Meli: «Es braucht nur eine Krippe: das Herz»

«Ob heute wirklich Weihnachten ist, entscheidet sich nicht zuletzt in uns», sagte der Alpnacher Pfarrer in seiner Predigt im Weihnachtsgottesdienst. Er schlug einen Bogen von Christi Geburt in die heutige Zeit.
Robert Hess
Pfarrer Thomas Meli bei seiner Weihnachtspredigt. (Bild: Robert Hess (Alpnach, 25. Dezember 2018))

Pfarrer Thomas Meli bei seiner Weihnachtspredigt. (Bild: Robert Hess (Alpnach, 25. Dezember 2018))

Die besinnlichen Gedanken und Worte der christlichen Hoffnungsträger über die Bedeutung der Geburt Christi sind auch in unserer Region unerschöpflich. So schreibt der in der Pfarrei Sachseln arbeitende Theologe Cristinel Rosu im «Pfarreiblatt Obwalden»: «Eine erste und wesentliche Botschaft von Weihnachten ist diese: Gott liebt dich, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Damit wir diese Liebe erfahren können, wurde Jesus geboren. Es gibt keine wichtigere Botschaft, die Jesus uns von seinem Vater gebracht hat.» Der 1977 in Rumänien geborene Theologe schreibt weiter: «Du musst nicht dies oder jenes tun, du brauchst nicht gross oder stark zu sein, du musst dich nicht anstrengen, damit du geliebt wirst. So wie du bist, wirst du von Gott geliebt, vom ersten Augenblick deines Lebens bis in die Ewigkeit. Jesus hat diese Gottesliebe vorgelebt. Deswegen können wir daran glauben.»

Stellvertretend für die Seelsorger und Seelsorgerinnen, die sich an den Weihnachtsgottesdiensten der Region mit einer Botschaft an die Gläubigen wenden, seien hier Auszüge aus der Predigt des Alpnacher Pfarrers Thomas Meli am Festgottesdienst vom Weihnachtsmorgen zitiert.

Immer Zunge mit Dörrbohnen

Er erinnerte eingangs der Predigt an seine Kinderzeit, als er jeweils am 25. Dezember bei seinen Grosseltern Weihnachten feierte. Er sei glücklich gewesen, weitere Geschenke zu erhalten, sagte Pfarrer Meli, «doch weshalb mussten wir ausgerechnet immer am Weihnachtsabend ungeliebte Zunge mit Dörrbohnen essen?»

Für ihn sei das jeweils eine schwierige Situation gewesen, doch Weihnachten könne trotzdem gelingen, tröstete er. «Dieses Fest bringt Menschen zusammen, die sich mit Geschenken sagen: Du bedeutest mir etwas.» Die Zunge auf dem Teller habe ihm später aber auch aufgezeigt, «wie verschieden wir sind und dass auf der Welt nicht immer alles so läuft, wie wir es gerne hätten». Dies sei auch bei der Geburt Christi so gewesen. «Musste nicht vor allem Josef das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden? Er hatte eine Zukunft mit einer Frau und einem Kind geplant und was wurde daraus?», stellte Pfarrer Meli die Frage in den Raum. «Die Geburt Christi wurde für Josef zum Anfang eines Lebens in Unsicherheit und sogar der Flucht nach Ägypten.» Ob Gott wirklich da sei oder ob Gott gerecht sei, müsse sich Josef gefragt haben. «Auch wer an Gott glaubt, wird von solchen Fragen nicht verschont und sieht längst nicht alles im Leben als gerecht an.»

«Auch heute, 2000 Jahre später, versammelt uns dieses kleine Jesuskind hier zum Weihnachtsfest», so Pfarrer Meli weiter. «Dies ist möglich, weil Weihnachten heute stattfindet und nur eine Krippe braucht: das Herz.» – «In unseren Herzen entscheidet sich, ob das Licht hier vom göttlichen Kind ausgeht und auch wirklich einen Widerschein findet.» Und in unseren Herzen entscheide sich, ob Ungerechtigkeiten mit weiteren Ungerechtigkeiten beantwortet werden oder nicht. «An Weihnachten bildet sich eine Gemeinschaft, wenn viele Menschen sich vom göttlichen Licht berühren lassen und es weitergeben hinein in die Welt der Zu-kurz-Gekommenen, in die Herzen der Abhängigen und Traurigen, in die Welt des Versagens und des Unfriedens, der Flüchtigen, der Ausgegrenzten, Kranken und Sterbenden», sagte Pfarrer Thomas Meli.

Eine ganz andere Weihnachtsbotschaft

Erinnert sich der Alpnacher Pfarrer Thomas Meli an die Zunge mit Dörrbohnen zum Znacht bei seinen Grosseltern, erinnert sich der Berichterstatter an das geliebte Zabig an Weihnachten mit Bratkäse vom offenen Herdfeuer, begleitet von einem Cheli, bei seinen Grosseltern Wilhelm und Katharina Vogler-Gasser (Ohrenringler) im Obsee in Lungern.

Nur einmal, Mitte der 1950er-Jahre, wirkte der weihnächtliche Friede gestört. Die Grossmutter schien betrübt und bald erfuhren die Erwachsenen – der Älteste unter den Kindern hörte aber aufmerksam zu – den Grund. «Dr Pfarrer Chäsli hed yys in dr Metti ai wiescht gseid», verriet die Grossmutter. Zu viele Lungerer Haushaltungen hätten nicht die katholische Tageszeitung «Vaterland», sondern die «Luzerner Neuesten Nachrichten» abonniert. Und bei den Heftli sei zu oft das «Blatt für Alle» und nicht der katholische «Sonntag» im Haus. Das müsse sich zugunsten der katholischen Presse ändern, sonst versündige man sich, habe der Pfarrer Chäsli mit seiner Donnerstimme gedroht. (rh)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.