Polares Feuerwerk aus dem Pfarrhaus

Die Sarner Lälli-Zunft kann sich seit Jahren darauf verlassen: Einen Umzugswagen gestaltet der Pfarrer Bernhard Willi mit seinen Ministranten.

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Pfarrer Bernhard Willi bastelt zusammen mit der Ministrantin Nicole Christen und der Religionspädagogin Judith Wallimann am Wagen. (Bild: Romano Cuonz/Neue OZ)

Pfarrer Bernhard Willi bastelt zusammen mit der Ministrantin Nicole Christen und der Religionspädagogin Judith Wallimann am Wagen. (Bild: Romano Cuonz/Neue OZ)

Mittwoch vor dem Schmutzigen Donnerstag: Vor dem Sarner Pfarrhaus steht ein Schilter mit einem Iglu und einer Polarlandschaft drauf. Davor Pfarrer Bernhard Willi, die Religionspädagogin Judith Wallimann und die Ministrantin Nicole Christen. Die drei hämmern, bohren und kleben. «An der Fasnacht bin ich auch mal ein Ritter oder ein Tintenfisch», lacht der Sarner Pfarrer und neue Obwaldner Dekan Bernhard Willi. Als was er in der Polarlandschaft auftreten wird, will er noch nicht verraten. Er sei ein begeisterter Fasnächtler, seit seiner Kindheit in Zürich.

«Alle hell begeistert»

Als er später in der fasnachtsverrückten Innerschweiz Seelsorger geworden sei, habe ihn der «Fasnachts-Virus» erst recht erwischt. «Seither habe ich keine Fasnacht mehr unmaskiert verbracht», sagt Bernhard Willi. «Als ich mich beim Sarner Seelsorgeteam einmal vorsichtig erkundigte, ob mir jemand beim Bau eines Umzug-Wagens helfen würde, waren alle hell begeistert», erinnert sich Bernhard Willi. Damit sei die Initialzündung zu jährlichen «pfarrherrlichen Fasnachts- Sujets» gegeben gewesen.

Das Feuer der Sehnsucht

Vorerst gingen Pfarrer und Seelsorge-team noch mit einer Art Leiterwagen an den Umzug. Als dann Ministrantinnen und Ministranten am Fasnachtsspass auch teilnehmen wollten, kaufte Pfarrer Willi kurzerhand einen eigenen «Schilter». «Den kann unser Sakristan Jakob Christen auch für Umgebungsarbeiten benutzen», sagt Willi, «aber seine Hauptaufgabe erfüllt das Gefährt an der Fasnacht!»

Verraten oder nicht verraten?

In der Tat, der Pfarrhaus-Schilter hat schon einiges hinter sich: Einmal war er voll von Stecknadeln und Models, ein anderes Mal reisten Robin Hood und Musikstar Pink mit ihm durchs Dorf. Auch einer internationalen Touristenschar war er genehm. Und dieses Jahr? Der Pfarrer druckst herum. Will mit der Sprache nicht so herausrücken, es sei ja noch nicht Fasnachtsdienstag!

Dafür verrät uns die Ministrantin Nicole Christen, was sie sein wird: «Ich habe mir ein Pinguinkleid genäht, und über 25 Kolleginnen und Kollegen sind jetzt zu Hause auch daran, sich in polare Tiere zu verwandeln.» Wie lautet schon wieder das Motto der Lälli-Zunft? «Fyyr und Yys». – «Wir entzünden mitten in einer Polarlandschaft das Feuer der Sehnsucht», ergänzt Religionspädagogin Judith Wallimann. Und Nicole sagt: «Wir schenken den Leuten Holdrio aus, damit sie an unserem Nordpol nicht frieren.»

Für die Ministrantinnen und Ministranten, welche ihr anvertraut sind, sei der Auftritt am Fasnachtsumzug und das anschliessende Znüni jedesmal ein Riesengaudi. «Die reden das ganze Jahr davon!», weiss Judith Wallimann. Auf den heurigen Wagen dürfe man jedenfalls riesig gespannt sein, versichern der Pfarrer und seine Helfer.

Fasnacht muss kreativ lustig sein

«Was mir an der Fasnacht so sehr gefällt, ist die unendliche Kreativität, zu der sie die Menschen einlädt», sagt Pfarrer Bernhard Willi.

Gar nichts halte er davon, wenn Fasnächtler allzu viel Alkohol trinken und dann überborden würden. «Das passt nicht zusammen!» Auf die Frage, ob er sich, wie an vielen Orten im Aufkommen, auch in Sarnen eine Fasnacht in der Kirche vorstellen könne, schüttelt Willi den Kopf. «Für mich gehört die Fasnacht auf die Plätze vor der Kirche.»

Da nehme er die traditionsreichste Fasnachtsstadt Venedig als Vorbild, verrät der Pfarrer. «Dort ziehen Kirchenleute an der Fasnacht oft weltliche Kostüme an, die Stadtbewohner aber werden gerne zu Kardinälen, Nonnen oder Mönchen.»

Romano Cuonz / Neue OZ