Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

POLITIK: Obwaldner sorgen sich um ihre geschätzte Landschaft

Die Landschaft ist mehr als jedem Zweiten der 417 Teilnehmer an einer Online-­Umfrage der CVP wichtig. Sie äussern viele Anliegen von weniger Bautätigkeit bis besserer Pflege des Dialekts und orten bei sich selber viel Engstirnigkeit und Gärtlidenken.
Markus von Rotz
Wie hier im Chilenmattli am Dorfrand wird an vielen Orten im Kanton Grünfläche verbaut. (Bild: Corinne Glanzmann (Alpnach, 17. Januar 2018))

Wie hier im Chilenmattli am Dorfrand wird an vielen Orten im Kanton Grünfläche verbaut. (Bild: Corinne Glanzmann (Alpnach, 17. Januar 2018))

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

Die CVP lancierte gemäss eigenen Worten als erste und bisher einzige Partei im Kanton eine grosse Online-Umfrage zur Befindlichkeit der Bevölkerung. Erst mal gab es elf vorgegebene Themen nach persönlicher Priorität zu bewerten (siehe Tabelle). Dabei schwingen das Gesundheitswesen und die sichere Altersvorsorge obenauf. Ferner wurden offen formulierte Fragen gestellt («An Obwalden gefällt mir/nicht» usw.), auf welche die Antworten naturgemäss sehr vielfältig ausfielen. Sie lassen sich nicht so einfach gewichten. Spannend ist der Spiegel, den sich die 417 antwortenden Obwaldner selber vorhalten, trotzdem, tauchen doch viele Antworten in verschiedenen Formen mehrmals auf.

Die Frage, was ihnen am Kanton gefalle, beantworteten 274 Personen. Davon nannten 176 in irgendeiner Form die Landschaft (Seen, Berge, Ruhe) mit Sätzen wie «wohnen, wo andere Ferien machen», «ich möchte an keinem anderen Ort wohnen» oder «wunderbares Gefühl von Heimat». Unter den übrigen Vorteilen stechen Stadtnähe, gute Lebensqualität oder das aktive Vereinsleben hervor. Auch liest man solche Sätze: «Klein und ländlich, man kennt einander», «Überblickbarkeit vereinfacht lösungsorientierte Entscheidungen», «als Zuzüger wird man sehr gut aufgenommen» oder «nicht so viele Ausländer wie in der Stadt».

Sorge um die geliebte Landschaft

Die hohe Wertschätzung der Landschaft spiegelt sich auch in der Antwort auf die Frage, was denn an Obwalden nicht gefalle. Hier drückt die Sorge um den Erhalt genau dieser Landschaft mehrfach durch. Stichworte dazu sind keine Bauplätze zu kaufen, mit zweifelhafter Architektur überbaut, konzeptlose Bauweise, hohe Wohnungspreise nicht zuletzt wegen vieler Neuzuzüger, überhöhte Mietzinsen oder Neubauten, welche das Historische verdrängen. Moniert werden anderseits vereinzelt die zu langen Verfahren bei Baugesuchen. Teilweise gehen die Obwaldner aber auch mit sich selber hart ins Gericht: Oft herrsche Gärtlidenken, man begegne Fremden mit Scheuklappen und sei intolerant gegenüber anderen Meinungen. Zahlreich ist von «gewisser Engstirnigkeit» und konservativer Angst vor Neuerungen die Rede sowie von kleinräumigem Denken oder fehlender Weltoffenheit und kurzfristigem, kleinkariertem oder neidischem Denken.

Bemängelt wird ferner oft ein Zuviel an Bürokratie: Beamte hätten zu viel Einfluss, oft mehr als gewählte Regierungsräte, die Bürokratie werde ausgebaut, die Gemeinden würden entmündigt. Staus am Lopper, ein schlechtes Angebot an Radwegen oder teils schlechte Verbindungen im öffentlichen Verkehr werden unter dem Stichwort Verkehr mehrfach erwähnt. Der Umfahrungstunnel Kaiserstuhl wird negativ erwähnt, ebenso der stark zunehmende Verkehr. Gerade dieser wirke sich vermehrt negativ auf die Lebensqualität aus.

(Grüezi-)Kultur geht teilweise verloren

«Dass der Dialekt leider zu wenig gepflegt wird», vorab in den Familien, wird auch mehrfach kritisiert. «Wird etwas anonym», lautet eine andere Aussage über den Kanton, die sich in diversen Varianten wiederholt, etwa in der Bemerkung, «dass auf den Strassen nicht mehr gegrüsst wird». Oder der Rückzug «aus der gesellschaftlichen Verantwortung» wird bedauernd zur Kenntnis genommen. Schliesslich würden Kantonsräte zu viel Eigeninteressen vertreten, die Regierung stelle gute Steuerzahler besser als andere, derweil die Familien zu hoch besteuert würden. Der Hochwasserschutz sei viel zu lange auf der Schiene, lautet ein Vorwurf. Oder der Spardruck sei zu gross beziehungsweise die Sparwut der Politiker, die teilweise mit dem Zweihänder vorgingen. Ganz viele haben allerdings auch «nichts» auszusetzen, jemand schrieb gar: «Da gibt es nichts zu meckern.»

Wie man Diebe am besten dingfest macht

Die CVP fragte die Teilnehmer auch, was sie als Politiker anders machen würden. «Köder (nicht abgeschlossene Velos) auslegen für Diebe, diese anschliessend verhaften» ist eine ganz pragmatische Antwort. Bürgernähere Politik, bessere Kommunikation, mehr Taten statt Worte, tiefere Steuern für Familien sind weitere Rezepte oder «politische Vorlagen besser erklären und nicht den Polemikern (SVP) überlassen». Wiederholt wird eine vermehrte Zusammenarbeit mit Nachbarkantonen gefordert. Jemand möchte «den Kanton öffnen, die Selbstverliebtheit der Obwaldner herausfordern», ein anderer bringt es auf besondere Art auf den Punkt: «Man ist nie allein Politiker, darum ist es schwierig.»

Hinweis

Die Umfrage-Ergebnisse finden Sie hier.

Nicht nur Stichworte

Sehr viele Antworten in der Umfrage bestehen nur aus einem Wort oder einem kurzen Teilsatz, daneben fallen ein paar detaillierte, ausführliche Sätze auf. Ein Auszug.

«Parteigeplänkel, Grabenkämpfe unter den Parteien. Eigeninteressen werden stark gewichtet, alles wird teurer, nur die Ausreden unserer Volksvertreter werden billiger.»

«Möglichst dafür schauen, dass die unteren Einkommen verbessert werden, und bei den Vermögenden werben, dass sie gemäss ihrem Einkommen und Vermögen Steuern bezahlen und nicht versuchen, ihre Werte zu verstecken oder gar abzuwandern.»

«Nach über zehn Jahren Planung darf das Projekt Hochwasserschutz beerdigt werden, zumal ein Seehochwasser niemanden an Leib und Leben bedroht und es nach meinem Wissensstand niemandem nach dem Hochwasser schlechter ging.»

«Wir Bürger sind nicht dumm, wir sehen die Situationen im Alltag manchmal konkreter als ein Politiker. Uns dann nicht ernst zu nehmen oder noch dümmlich darzustellen, ist ein grosser Fehler, der sich rächen wird.»

«Querdenker und Leute mit neuen Ideen sind eher weniger gefragt. Pflegeleicht und in der richtigen Partei sollten sie sein. Qualifikation hat nicht Priorität.»

«Es ist heute schwierig, als junge Stimmbürgerin den Politikern alles zu glauben, was sie sagen, dass sie es ändern wollen. Aber es passiert dann trotzdem nicht oder so, dass man als Stimmbürger nicht mehr hinter den Politikern stehen kann.»

«Eigeninitiativen der Bürger werden oft nicht gefordert, sondern als unangenehm bis ‹Störaktion› bezeichnet. Das zerstört die politische Kultur.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.