Zusammenarbeit
Obwaldner Polizisten messen bald Geschwindigkeit auf Nidwaldner Boden – und umgekehrt

Nid- und Obwalden verstärken ihre polizeiliche Zusammenarbeit. So sollen Kosten gespart werden.

Lucien Rahm
Drucken

Obwaldner Polizistinnen und Polizisten werden bald in Nidwalden Geschwindigkeitskontrollen durchführen – und umgekehrt. Die Regierungsräte der beiden Kantone haben dazu eine sogenannte Verwaltungsvereinbarung abgeschlossen, wie es am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung heisst.

Denn: «Das wachsende Aufgabenspektrum der Polizei und der dadurch steigende Aufwand erfordern zunehmend eine Zusammenarbeit unter den Polizeikorps.» Dies zeige sich heute unter anderem bei Schwerverkehrskontrollen oder beim aktuellen Vorhaben für gemeinsame Einsatzleitzentralen in der Zentralschweiz. «Ziel solcher Projekte ist es stets, kostenintensive, für die polizeiliche Arbeit aber unabdingbare Infrastrukturen und Einsatzmittel gemeinsam zu nutzen, um die Effizienz zu steigern und Aufwände zu reduzieren», heisst es in der Mitteilung.

Kooperation auch bei Ausbildung

Die Zusammenarbeit unter den Polizeikorps nehme jedoch schon seit längerem stetig zu, sagt die Nidwaldner Sicherheitsdirektorin Karin Kayser-Frutschi auf Anfrage. «Die Polizeikorps von Nidwalden, Obwalden und Luzern arbeiten schon heute in einigen Bereichen eng zusammen, so zum Beispiel gerade auch in der Ausbildung.» So werden etwa Schulungen für Hundeführerinnen und -führer unter der Führung von Luzern abgehalten, weil sich ein solches Angebot in kleineren Kantonen nicht lohnen würde. Auch auf dem Wasser gibt es bereits Unterstützung aus Nidwalden für Obwalden. Auf dem Alpnachersee sind Seepolizisten aus dem Nachbarkanton unterwegs. Und für sogenannte Interventionseinsätze unterstützen sich Ob- und Nidwalden gegenseitig oder erhalten Verstärkung aus anderen Korps der Zentralschweizer.

Indem nun auch vermehrt im Bereich der mobilen Geschwindigkeitskontrollen zusammengearbeitet wird, ist die Kooperation zwischen Nid- und Obwalden für die Bürgerinnen und Bürger künftig aber direkt auf den Strassen sichtbar. Konkret teilen sich die beiden Kantone dabei die Arbeit so auf, dass sich jedes Korps auf ein bestimmtes Messgerät spezialisiert. So wird sich die Obwaldner Polizei auf Messungen mit dem Lasergerät konzentrieren, die Nidwaldner Kolleginnen und Kollegen auf solche mit dem mobilen Radargerät.

Denn ersteres ist insbesondere für Kontrollen geeignet, die in unwegsamem Gelände stattfinden oder bei denen hohe Geschwindigkeiten gemessen werden sollen. Solche seien eher auf den Passstrassen Obwaldens zu beobachten. In Nidwalden mit der Autobahn A2 mache vor allem das mobile Radarmessgerät Sinn, das für eine konstante Kontrolle aller Verkehrsteilnehmenden auf einer Strecke geeignet ist. Soll künftig eine der beiden Messmethoden auch mal im anderen Kanton zum Einsatz kommen, gibt’s Besuch von den Polizisten des Nachbarkantons. Daneben sind nach wie vor (semi-)stationäre Geräte im Einsatz.

Ersatzbeschaffungen «praktisch halbiert»

Weil das Lasermessgerät in Nidwalden sowie das mobile Radargerät in Obwalden nun eh bald ersetzt werden müssen, habe man gemeinsam die Zusammenarbeit gesucht und diese nun umsetzen können, so Kayser. Bisher haben die beiden Kantone alle fünf bis sieben Jahre rund 150’000 bis 200’000 Franken in die Ersatzbeschaffung solcher Geräte investiert. «Mit der Reduktion auf eine Messtechnologie pro Polizeikorps können Ersatzbeschaffungen auf lange Sicht praktisch halbiert werden», so Kayser-Frutschi. Zudem würden auch die Aufwendungen bei Reparaturen und der regelmässigen Eichung der Geräte tiefer ausfallen. Spezialisten für den Umgang mit den entsprechenden Messgeräten müssen jeweils nur noch in einem der beiden Kantone ausgebildet werden.

Geld fliesse für die Gasteinsätze im anderen Kanton übrigens keines. In der Vereinbarung ist festgehalten, dass sich die gegenseitig erbrachten Einsatzstunden über drei Jahre hinweg ausgleichen müssen. Das muss aber nicht zwingend in Form von Radarkontrollen geschehen. In Nidwalden erhält die Polizei künftig zum Beispiel auch Obwaldner Unterstützung im Rahmen der Schwerverkehrskontrollen.

«Es geht bei dieser Zusammenarbeit hauptsächlich darum, unsere Mittel und Geräte effizienter zu Gunsten der Sicherheit im Strassenverkehr einzusetzen», so der Obwaldner Sicherheitsdirektor Christoph Amstad. «Es ist eine Win-win-Situation für beide Kantone und ein weiterer Schritt bei der Stärkung der Zusammenarbeit unserer Polizeikorps.» Mehr Kontrollen hat diese Stärkung jedoch nicht zur Folge: «Es wird keine einzige Stunde zusätzlich kontrolliert», sagt Kayser-Frutschi.

Aktuelle Nachrichten