POLIZEIBILANZ: Keine Sofortbussen an der Obwaldner Fasnacht

Die Obwaldner Polizei hat ein Herz für Fasnächtler. Keiner wurde wegen Pinkelns und Johlens gebüsst.

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Während der Fasnacht wurden in Obwalden keine Gassenpinkler registriert. Im Bild Szene vom Sarner Umzug. (Bild Robert Hess/Neue OZ)

Während der Fasnacht wurden in Obwalden keine Gassenpinkler registriert. Im Bild Szene vom Sarner Umzug. (Bild Robert Hess/Neue OZ)

Seit Mitte Dezember gilt in Obwalden der neue Bussenkatalog. Demnach kann die Polizei für gewisse Straftaten wie Pinkeln auf öffentlichen Strassen und Plätzen, Nachtruhestörung, grober Unfug oder Vandalenakte Sofortbussen aussprechen.

Bisher 26 Fälle
25-mal seien Leute bisher wegen Nachtruhestörung und Verrichtens der Notdurft auf diese Art zur Rechenschaft gezogen worden, erklärt Alfred Blättler, Leiter Verkehrs- und Sicherheitspolizei Obwalden auf Anfrage. Einen einzigen Fall habe die Polizei wegen groben Unfugs registriert. Während der Fasnacht scheint die Polizei jedoch nachsichtiger gewesen zu sein, stellte sie doch in dieser Zeit keinen einzigen Bussenzettel aus. «Während der Fasnacht waren wir schon toleranter mit der Nachtruhe», sagt Blättler. Auch die Leute nähmen dann sicher mehr Lärm in Kauf. «Man muss vor- und nachgeben können.» Das Pinkeln im Freien habe man vielleicht etwas weniger wahrgenommen, antwortet Blättler auf die Frage, warum die Polizei keinen Einzigen erwischt habe. Während der Fasnacht sei es in etwa so zu und her gegangen wie sonst an Wochenenden. «Es ist erstaunlich, wie bewusst sich die Leute bereits sind, dass sie für gewisse Unsitten vor Ort gebüsst werden können.» Die neue Bussenverordnung sei ja auch als Fasnachtssujet aufgetaucht.

Alfred Blättler ergänzt, dass jemand auch gebüsst werden kann, ohne dass ihn die Polizei in flagranti erwischt. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Polizei wegen johlender Leute gerufen wird, beim Eintreffen aber nur noch einen normalen Lärmpegel wahrnimmt. Sollten die Beschuldigten die Busse dann nicht akzeptieren, geht eine Anzeige ans Verhöramt.

In Engelberg ists ruhiger
Laut Frau Talammann Martha Bächler wirkt die neue Bussenverordnung in Engelberg bereits. «Rückmeldungen aus Hotelkreisen bestätigen, dass es ruhiger geworden ist.» Bächler betont, dass in Engelberg alle Platz hätten. Das Ziel sei, dass es zwischen feierfreudigen und ruhesuchenden Gästen und Einheimischen zu einer gegenseitigen Akzeptanz komme. «Wir sind noch nicht am Ziel.» Dazu beitragen sollen nebst der Präsenz des Sicherheitsdienstes auch die allgegenwärtigen Flyer und Plakate, die darauf hinweisen, dass «drinnen Party und draussen Ruhe» herrschen soll.

Geri Wyss