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Projekt für neue Käserei Obere Erlen in Engelberg gestoppt

Das Kloster Engelberg hat dem Inhaber der Klosterkäserei gekündigt. Dieser beschreitet den Rechtsweg und baut eine eigene Käserei.

Philipp Unterschütz
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Walter Grob, Inhaber der Schaukäserei Kloster Engelberg AG, hat vom Kloster Engelberg die Kündigung per Ende März 2020 erhalten.

Walter Grob, Inhaber der Schaukäserei Kloster Engelberg AG, hat vom Kloster Engelberg die Kündigung per Ende März 2020 erhalten.

PD, 12. Oktober 2018

Zwischen dem Benediktinerkloster Engelberg und Walter Grob, dem Inhaber der Schaukäserei Kloster Engelberg AG, hängt der Haussegen schief. Überraschend verschickte das Kloster am Donnerstag gemeinsam mit dem Zentralschweizer Käsermeisterverband (ZSKM) eine Medienmitteilung. Darin heisst es, dass das Projekt einer neuen Käserei auf der Liegenschaft Obere Erlen eingestellt werde.

Angesichts der langen Vorgeschichte des Projekts ist das eine veritable Überraschung. Seit 2015 bestand von Seiten der Käserei der Wunsch nach einer grösseren Produktionsstätte. Diese sollte auf der Liegenschaft Obere Erlen, die dem Kloster gehört, entstehen. Die eigentliche Schaukäserei mit dem Verkaufsladen sollte am bisherigen Standort im Klosterhof verbleiben. Bis zur Fertigstellung des Neubaus wäre weiterhin im Kloster produziert worden. Eine vom Kloster finanzierte Quartierplanung für den Neubau haben die Einwohnergemeinde Engelberg vor eineinhalb Jahren und auch der Regierungsrat des Kantons Obwalden bereits genehmigt. Der ZSKM organisierte und finanzierte in der Folge einen Architekturwettbewerb. Anfang 2019 wurde das Siegerprojekt ermittelt. «Ein mehrjähriger zeit- und kostenintensiver Prozess stand kurz vor dem Ziel und einem möglichen Baustart», heisst es in der Medienmitteilung.

Kloster möchte Planungssicherheit

Doch dann begannen die Unstimmigkeiten, die jetzt zum Abbruch des Projekts geführt haben. Laut Darstellung des Klosters und des ZSKM habe Walter Grob dem Kloster mitgeteilt, dass er Bedenken habe, weiterhin Teil des Projekts zu sein. Dann habe das Kloster über Dritte erfahren, dass er mit einem anderen Grundeigentümer über den Erwerb von Bauland für einen eigenen Produktionsbetrieb verhandle. Deshalb habe man das Projekt Obere Erlen eingestellt und zugleich habe das Kloster Engelberg Walter Grob und seiner Schaukäserei Engelberg AG auch die Räumlichkeiten im Kloster per Ende März 2020 gekündigt.

«Wir haben die Verträge nicht aus Verärgerung beendet, auch wenn wir über die Vorgänge enttäuscht sind», sagt Daniel Amstutz, Geschäftsführer des Benediktinerklosters Engelberg. Man habe sich das nicht leicht gemacht und lange gezögert.

«Aber wir brauchen Planungssicherheit. Die Räume des Ökonomiegebäudes im Kloster, wo die Schaukäserei und die Produktionsstätte sind, haben grossen Sanierungsbedarf.» Man habe 2020 bauen wollen und müsse vorwärtsmachen können, um weiteren Schaden an den historischen Gebäuden verhindern zu können. Nun stehe man aber wieder auf Feld 1.

Käsermeisterverband will nur eine Käserei im Dorf

Käser Walter Grob sagt dagegen, dass er den ZSKM und das Kloster bereits im Sommer informiert habe, dass er als Unternehmer neben dem Projekt Obere Erlen noch weitere Alternativen prüfen wolle. Dies bestätigt Sepp Werder, Präsident des ZSKM. Das stehe einem Unternehmer auch zu.

Vorerst liegt der Fall nun bei der Schlichtungsbehörde Obwalden. «Gegen die Kündigung der Betriebsräumlichkeiten habe ich den Rechtsweg beschritten und Beschwerde eingelegt», erklärt Walter Grob auf Anfrage. Wie Daniel Amstutz und Sepp Werder betont aber auch er, dass man nun hoffe, in möglichen Gesprächen eine aussergerichtliche Lösung zu finden. Grob sagt aber auch: «Als Mieter stehe ich für das Projekt Obere Erlen nicht mehr zur Verfügung, da mir die betrieblichen und betriebswirtschaftlichen Risiken zu gross sind.»

Er habe tatsächlich im Dezember einen Vorkaufsvertrag für eine Liegenschaft am Engelberger Dorfeingang abgeschlossen. Dort könnten Produktionsstätte und Verkaufsladen am gleichen Betriebsstandort realisiert werden. Wie es mit dem Projekt nun weitergeht, ist vorerst offen. Im Januar könnte es zu einem runden Tisch aller drei beteiligten Parteien kommen.

Walter Grob betont, dass er sein eigenes Projekt weiterverfolgen wolle. Damit dürfte eine Käserei in der Oberen Erlen gestorben sein. ZSKM-Präsident Sepp Werder sagt nämlich, wenn Walter Grob die eigene Käserei verwirkliche, wolle der Verband keine zweite Käserei in Engelberg. «Für uns könnte dann auch ein Verkauf des Projekts in Frage kommen. Wir sind Käser und keine Immobilienfirma.» Das Projekt könne auch für anderes Gewerbe genutzt werden. Daniel Amstutz vom Kloster Engelberg kann ebenfalls noch keine Antwort zum weiteren Vorgehen geben, auch wenn Pläne vorhanden sind. Man wolle zuerst die möglichen Gespräche im Januar abwarten.

Beitrag von Tele1 vom 20. Dezember 2019: