Sarnen will totem Dorfzentrum zuvorkommen

Viele Dorfzentren werden immer leerer. In Sarnen will man Gegensteuer geben.

Franziska Herger
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Für die Poststrasse ist eine Begegnungszone geplant.Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 13. November 2019)

Für die Poststrasse ist eine Begegnungszone geplant.Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 13. November 2019)

Ein menschenloser Dorfkern, leerstehende Ladenflächen, umgezogene Geschäfte: Ein Schicksal, welches das Dorf Sarnen nicht ereilen soll. «Der Einkaufsradius hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch Mobilität vergrössert, veränderte Lebensweisen wirken sich auf das Einkaufsverhalten aus. Viele Ortszentren leiden unter dem Strukturwandel», schreibt die Gemeinde in einer Medienmitteilung. «Abends und an den Wochenenden wirken die Zentren leer - so auch in Sarnen.»

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, will der Gemeinderat in den nächsten zwölf Monaten eine Nutzungsstrategie mit einer Übersicht über die Nutzungspotenziale im Dorfzentrum ausarbeiten. «Momentan haben wir noch keine grossen Schwierigkeiten mit Abwanderung aus dem Dorfkern, obwohl ich ab und zu höre, es sei sehr schade, dass es zum Beispiel keine Metzgerei mehr gibt», sagt Gemeindepräsident Jürg Berlinger. «Wir wollen frühzeitig bereit sein, sollte sich der Abwanderungstrend auch in Sarnen einstellen.»

Wie bleibt man attraktiv in Zeiten des Online­­-Handels?

Ziel des Nutzungskonzepts sei der Erhalt und die Weiterentwicklung eines attraktiven Zentrums als Einkaufs-, Aufenthalts-, Veranstaltungs- und Wohnort, schreibt die Gemeinde. Es solle etwa die Frage beantworten, wie Sarnen in Zeiten des Online-Shoppings und des Strukturwandels im Detailhandel ein attraktives Geschäftszentrum bleiben kann.

Konkrete Beispiele für künftige Massnahmen könne er noch nicht nennen, sagt Jürg Berlinger. «Diese sollen aus dem Erarbeitungsprozess entstehen, wir stehen noch an dessen Anfang.» Nächste Woche informiert der Gemeinderat an einer öffentlichen Informationsveranstaltung über den aktuellen Stand des Projekts Nutzungsstrategie, das 50000 Franken kosten soll (siehe Hinweis).

Verkehr und Parkplätze sind Teil der Strategie

Ein zentrales Thema im Dorf Sarnen sind der Verkehr und die Parkplätze. 1983 und 2004 sagte das Stimmvolk Nein zu einem Einbahnkonzept, 2017 zu einer Tempo-30-Zone im Zentrum. «Diese Entscheide und die Gründe dafür sollen in den Prozess einfliessen», schreibt der Gemeinderat. Gleiches gelte für das Parkplatzangebot. Das Beratungs- und Kompetenzzentrum Netzwerk Altstadt (siehe Kasten) wird den Prozess bis zum Nutzungskonzept unterstützen, zusammen mit einer Begleitgruppe aus Eigentümern, Anwohnern, Geschäftsinhabern, Dienstleistern und Tourismusvertretern. Deren Mitglieder sollen an der Informationsveranstaltung vorgestellt werden.

Die Informationsveranstaltung findet am Dienstag, 19. November, von 19.30 bis 21 Uhr in der Aula Cher in Sarnen statt.