Projekt Hochwasserschutz Kleine Melchaa gehört nun Sachseln

Mit der Vertragsunterzeichnung ist das Projekt formell übergeben worden. Die Gemeinde Giswil ist nach wie vor für den Unterhalt verantwortlich.

Robert Hess
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Vertragsunterzeichnung bei der formellen Übergabe des Hochwasserschutzprojekts. Von link: Beat von Wyl, Gemeindepräsident Giswil; Sepp Enz, Präsident Wasserbaukommission Giswil; Röbi Ettlin, Notar und Rechtsanwalt; Peter Rohrer, Gemeindepräsident Sachseln; Toni Meyer, Gemeindeschreiber Sachseln.

Vertragsunterzeichnung bei der formellen Übergabe des Hochwasserschutzprojekts. Von link: Beat von Wyl, Gemeindepräsident Giswil; Sepp Enz, Präsident Wasserbaukommission Giswil; Röbi Ettlin, Notar und Rechtsanwalt; Peter Rohrer, Gemeindepräsident Sachseln; Toni Meyer, Gemeindeschreiber Sachseln.

Bild: Robert Hess (Sachseln, 12. März 2020)

Fünf Jahre nach der Fertigstellung des Hochwasserschutzprojektes «Umlegung Kleine Melchaa» ist am Donnerstag die formelle Übergabe an die Gemeinde Sachseln erfolgt. Damit ist ein Schritt vollzogen worden, der in einem verwaltungsrechtlichen Vertrag zwischen den Einwohnergemeinden Sachseln und Giswil vom November 2008 statuiert worden war. Danach sind die Bauwerke (Geschiebesammler, Brücken, Gerinne), die auf dem Gemeindegebiet von Sachseln liegen, «samt dem dazu gehörenden Land ohne Kostenfolge in das Eigentum der Gemeinde Sachseln zu übertragen».

Die entsprechenden Dokumente sind am Donnerstag im Sachsler Restaurant Zollhaus, begleitet von Notar und Rechtsanwalt Röbi Ettlin, von Vertretern der Gemeinden Giswil und Sachseln unterzeichnet worden. Dabei hob der Giswiler Gemeindepräsident Beat von Wyl die sehr gute Zusammenarbeit der beiden Gemeinden im Rahmen einer jahrelangen schwierigen Projektarbeit hervor. «Alles ist in den Verträgen geregelt, wir wissen, wer künftig wofür zuständig ist.» Der Sachsler Gemeindepräsident Peter Rohrer ergänzte, «die jederzeit möglichen direkten Gespräche zwischen den Gemeinden sowie dem Kanton haben vieles erleichtert».

Projektierung hat 2004 begonnen

Die Kleine Melchaa ist bei starken Unwettern immer wieder zum reissenden Wildbach geworden und hatte beispielsweise im August 2005 zwischen 50'000 und 70'000 Kubikmeter Geschiebe ins Tal gebracht und in Giswil hohe Schäden angerichtet. Die Absicht, die Kleine Melchaa nicht mehr durch den Dorfkern in den Sarnersee zu leiten, sondern beim Schluchtausgang Gorgen mit einem Geschiebesammler zu zähmen und direkt durch ein neues Gerinne in den Sarnersee zu führen, wurde konkret.

Schwierig war die Projektierung ab 2004 deshalb, weil der Grossteil der neuen Anlagen über Sachsler Gemeindegebiet führen sollte. Nach «harten, aber fairen Verhandlungen», wie am Donnerstag mehrmals betont wurde, schlossen die beiden Gemeinden im November 2008 eine Administrativ-Vereinbarung sowie einen verwaltungsrechtlichen Vertrag zum Vorgehen bei der Umlegung der Kleinen Melchaa vom Gemeindegebiet Giswil auf das Gebiet Sachseln ab.

Giswil ist 80 Jahre lang unterhaltspflichtig

Vertraglich hatte Giswil nicht nur die Bauherrschaft und alle damit zusammenhängenden Aufgaben, wie beispielsweise die Finanzierung und den Landerwerb, übernommen. Die Gemeinde erklärte sich auch für die Übernahme der Restkosten sowie den gesamten Unterhalt des Geschiebesammlers und des Gerinnes auf 80 Jahre bereit.

«Das Projekt wurde zwar grösstenteils auf Sachsler Boden realisiert», erklärt Sepp Enz, Präsident der zuständigen Wasserbaukommission Giswil. «Profitieren von der Umlegung werden aber vor allem Giswil und hier insbesondere die Wohn- und Gewerbegebiete Gorgen, Bahnhof und Diechtersmatt, die nach der Umlegung aus der Gefahrenzone entlassen werden konnten.»

Baukosten von 22 Millionen Franken

Kernstück des Wasserbauprojektes Kleine Melchaa ist der neue Geschiebesammler Gorgen am nordöstlichen Eingang zum Dorf Giswil. Er weist eine rund 12 Meter hohe und 100 Meter lange Mauer sowie ein Holzrückhaltesystem auf. Der Geschiebesammler verfügt über ein Fassungsvermögen von rund 70000 Kubikmetern. Das Gerinne ist mit 100 Kubikmeter pro Sekunde dimensioniert.

Vom Geschiebesammler führt ein 1,2 Kilometer langes neues Gerinne direkt zum Sarnersee. Insgesamt mussten vier Brücken für Strasse und Zentralbahn erstellt werden.

Die Baukosten betrugen rund 22 Millionen Franken. Daran zahlte der Bund 13 Millionen, der Kanton rund 4,3 Millionen Franken. Die Zentralbahn beteiligte sich mit rund 1,8 Millionen Franken. Die Restkosten der Gemeinde Giswil betrugen rund 3 Millionen Franken. Die Schweizerische Mobiliar leistete einen Beitrag von 1 Million Franken.