PUBLIC VIEWING: Zum Haareraufen – aber mit Happy End

Fussballfans machen aus dem Restaurant Eleven eine kleine Arena. Ihre Geduld wird beim Spiel der Schweizer strapaziert. Das hält sie nicht von weiteren Besuchen ab.

Oliver Mattmann
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Langweilige Phasen des Spiels überbrücken junge Besucher mit «Bildli»-Tauschen und Schminken der Schweizer Flagge. (Bild: Oliver Mattmann / Neue OZ)

Langweilige Phasen des Spiels überbrücken junge Besucher mit «Bildli»-Tauschen und Schminken der Schweizer Flagge. (Bild: Oliver Mattmann / Neue OZ)

Oliver Mattmann

Das Aufatmen der rund 150 Fans in der Public-Viewing-Zone im Restaurant Eleven ist unüberhörbar. 1:0 gewinnt die Schweiz ihren EM-Auftakt gegen Albanien, am Ende mit Ach und Krach, obschon die Nati eine knappe Stunde in Überzahl spielen kann. «Sommer ist unser Held», lobt Steve von Ah den Torhüter für seine wichtigen Paraden. Sein Bruder Pascal und Andreas Durrer, die ihn begleiten, nicken zustimmend – und lassen kein gutes Haar an den Feldspielern: «Das nächste Mal sollten sie nicht nach zehn Minuten aufhören, Fussball zu spielen.» Sonst komme es gegen Rumänien und Frankreich nicht gut. Die Chancenauswertung habe doch sehr zu wünschen übrig gelassen. Doch das Wichtigste seien letztlich die drei Punkte. «Keine Frage: Wir nehmen diesen Sieg und sind zufrieden, auch wenns einige Nerven gekostet hat», sagt Andreas Durrer.

Anspannung grösser als Euphorie

Knapp zwei Stunden vorher: Draussen giesst es aus Kübeln. Der Sarnersee scheint nächstens zu überlaufen. Ein Steinwurf entfernt füllt sich nach und nach die kleine Fanarena im «Eleven». Gross und Klein, da und dort mit Dress und Schal ausgestattet, und auch ein paar albanische Fans fiebern der Partie entgegen. «Die Besucher haben uns nicht im Stich gelassen», freut sich Yesilova Sükrü von den Organisatoren. Von Euphorie zu sprechen, wäre aber vermessen. Vielmehr liegt eine gewisse Anspannung in der Luft. Sind die Schweizer rechtzeitig parat? «Die Vorbereitungsspiele waren wenig überzeugend. Ich hoffe, sie können an der Euro einen Gang zulegen», sagt Steve von Ah. Seinem Kollegen sei das Bier ausgegangen, lacht er. Deshalb hätten sie sich auf den Weg hierher gemacht. Später wird das Trio sagen: «Die Veranstalter haben das Ganze gut aufgezogen. Wir werden wiederkommen.»

Beamer mit Ladehemmung

Nur fünf Minuten dauert es, bis Jubel im «Eleven» aufbrandet. Schär bringt die Schweiz in Führung. Für einen Moment wird es laut an den Tischen und in den hinteren Rängen, doch alle wissen: Die Partie dauert noch 85 Minuten. Nervosität kommt erstmals nach zehn Minuten auf. Das Bild auf der Grossleinwand steigt kurzzeitig aus. Als die Übertragung wieder funktioniert, wird die Wiederholung des Führungstreffers gezeigt – und die Gemüter der Schweizer beruhigen sich rasch wieder. So laut wie beim Torjubel wird es anschliessend nur noch einmal: als der Schiedsrichter die Begegnung abpfeift und der Startsieg im Trockenen ist.

Dazwischen gibt es zwar Szenen, bei denen sich die Fans die Hände vors Gesicht schlagen – bei verpassten Chancen der Schweizer oder als dieselben nur mit Glück und dank Goalie Yann Sommer um einen Gegentreffer kommen. Fangesänge oder Zwischenrufe aus dem Publikum bleiben im «Eleven» aber weitgehend aus. Zu fest scheint die Angst, dass die Schweizer das 1:0 nicht über die Runden bringen, überhandzunehmen. Oder das Spiel plätschert phasenweise so dahin, dass schlicht keine Emotionen aufkommen können. Ein paar Buben nutzen die Gunst der Stunde, um sich Schweizer Flaggen ins Gesicht zu schminken oder die letzten «Tschutti-Bildli» zu tauschen, während der Kick auf der Leinwand weiterläuft.

Die zwei Gesichter des «Sommers»

Auch sie verlassen am Ende das «Eleven» mit einem positiven Eindruck – das Ergebnis und die Atmosphäre in der Public-Viewing-Arena haben gepasst. Und auch sie sind einer Meinung: Wenn der Sommer sie schon draussen (gemeint ist das Wetter) im Stich lasse, so könne man immerhin auf den Sommer drinnen (Goalie Yann Sommer) zählen. Yesilova Sükrü vom OK hat ebenfalls nichts gegen weitere Heldentaten des Torhüters. «Je länger die Schweiz im Turnier bleibt, desto besser für uns.»

Die Fans im «Eleven» greifen sich an den Kopf: Soeben hat die Schweiz das 2:0 verpasst. (Bild: Oliver Mattmann / Neue OZ)

Die Fans im «Eleven» greifen sich an den Kopf: Soeben hat die Schweiz das 2:0 verpasst. (Bild: Oliver Mattmann / Neue OZ)