Radwege in Obwalden sollen endlich besser werden

Die Obwaldner Regierung steht zwar hinter einer entsprechenden Interpellation, der Urheberin geht es aber viel zu langsam voran.

Philipp Unterschütz
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Velos sollen endlich zur gleichberechtigten Verkehrsart werden, wie das auch im Obwaldner Richtplan 2019 festgehalten ist, der noch im Frühjahr vom Bund abgesegnet werden soll. Diese Vision Radwege in Obwalden sind Thema einer Interpellation von Annemarie Schnider (SP, Sachseln), welche die Regierung nun beantwortet hat. Dabei erwähnt sie denn auch explizit, dass sie gemäss diesem Richtplan wolle, dass ein «sicheres und attraktives Velonetz zur Verfügung steht und im unteren Sarneraatal gleichwertige Veloverbindungen zwischen den Ortschaften entstehen».

Dabei könnte auch im ganzen Sarneraatal eine Verkehrslösung mit Kernfahrbahnen (siehe Kasten), wie sie seit einiger Zeit an der Hergiswiler Seestrasse erfolgreich umgesetzt ist, für Obwalden eine Option zu Gunsten des Langsamverkehrs sein. So schreibt die Regierung, dass sie gewillt sei, die Hergiswiler Lösung vertieft anzuschauen, der Regierungsrat habe die einjährige Versuchsphase mit grossem Interesse verfolgt.

Noch weit entfernt von Gleichberechtigung

Das Anliegen Velowege stosse bei der Bevölkerung schon seit langem auf offenen Ohren und erhalte breite Unterstützung – auch von Obwaldner Firmen, sagt Annemarie Schnider auf Anfrage. «Passiert ist nichts – meist mit der Begründung der knappen Finanzen des Kantons. Wir sind noch weit von einer Gleichberechtigung der Verkehrsarten entfernt.» Grundsätzlich sei sie mit der Antwort der Regierung zwar zufrieden, nur müsse nun auch etwas passieren.

Überhaupt nicht einverstanden ist Annemarie Schnider mit der Feststellung der Regierung, es bestehe kein unmittelbarer Handlungsbedarf, weil keine Unfallschwerpunkte im Veloverkehr ausgewiesen werden könnten. Es gebe viele heikle Stellen, wo Radstreifen fehlten oder auf einmal unter- oder abgebrochen seien. Beispielsweise würden in Sachseln viele Velofahrer illegalerweise auf dem Trottoir fahren, weil es ihnen sonst zu gefährlich sei. Es gebe auch viele, die vermehrt das Velo benützen möchten, wegen der teils bedrohlichen Situation aber darauf verzichten würden.

Kanton soll den idealen Moment nutzen

Die Regierung beabsichtigt, die Strassenraumgestaltung in Ortsdurchfahrten gemäss Richtplan in den nächsten 15 bis 20 Jahren siedlungsverträglicher zu gestalten. Dafür erarbeite der Kanton zusammen mit der jeweiligen Gemeinde gemeinsam ein Betriebs- und Gestaltungskonzept, heisst es weiter in der Antwort auf die Interpellation. Kernfahrbahnen könnten mögliche Lösungen von Ortsdurchfahrten sein.

Annemarie Schnider geht das zu lange. «Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, endlich etwas zu machen. Noch nie waren so viele Leute bereit, klimafreundlicher unterwegs zu sein und umzusteigen. Diesen Moment sollte der Kanton nützen.» Welche Lösungen ideal seien, müssten die Fachleute entscheiden. Auch Tempo 30 sei in einigen Dörfern in jüngster Zeit sehr erfolgreich umgesetzt worden. Kernfahrbahnen wären sicher eine kostengünstige Lösung.

Dass es aus finanziellen Gründen erneut bei Lippenbekenntnissen der Regierung bleiben könnte, ist Annemarie Schnider bewusst. Die Regierung habe im Jahr 2017 die Umsetzung des Radwegkonzepts bis auf Weiteres sistiert und beispielsweise im Jahr 2018 keinen Franken in Radwege investiert. Hingegen habe sich das Vermögen der Obwaldner Bevölkerung zwischen 2005 und 2017 von 4,5 auf 12,5 Milliarden Franken erhöht. «Wenn für Radwege und andere wichtige Projekte das Geld fehlt, ist unsere Steuerstrategie dann wirklich so erfolgreich?»