Raiffeisen Obwalden behauptet sich in turbulentem Jahr

Die Verstärkung der Eigenkapitalbasis und die Verzinsung der Anteilscheine zu drei Prozent sind Glanzpunkte des vergangenen Geschäftsjahrs der Raiffeisenbank Obwalden. Indes: Negatives blieb an der DV nicht unerwähnt.

Robert Hess
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Small Talk am Rande der Versammlung (von links): Branko Balaban, Präsident des Verwaltungsrates, Gastreferent Peter Gysling und Oliver Britschgi, Vorsitzender der Bankleitung. (Bild: Robert Hess (Kerns, 25. März 2019))

Small Talk am Rande der Versammlung (von links): Branko Balaban, Präsident des Verwaltungsrates, Gastreferent Peter Gysling und Oliver Britschgi, Vorsitzender der Bankleitung. (Bild: Robert Hess (Kerns, 25. März 2019))

Insgesamt 130 auf vier Jahre gewählte Delegierte vertreten die rund 13500 Genossenschafter der Raiffeisenbank Obwalden mit Geschäftsstellen in Sarnen, Kerns, Giswil, Sachseln, Lungern und Alpnach. «Glücklicherweise sind wir zu erfolgreich und damit zu gross für die Durchführung einer Mitgliederversammlung geworden», sagte Verwaltungsratspräsident Branko Balaban am Montagabend zu Beginn der Delegiertenversammlung. Gastrecht genossen die 108 anwesenden Delegierten und rund 50 Gäste in den Lokalitäten der Firma Edelpilz in Kerns.

Branko Balaban, Verwaltungsratspräsident, und Oliver Britschgi, der Vorsitzende der Bankleitung, streiften in ihren Vorträgen kurz die wenig erfreulichen Vorgänge bei Raiffeisen Schweiz. «Für den negativsten Höhepunkt 2018 sorgte dieser Mann links», sagte Balaban zu den Anwesenden und verwies auf das Porträtbild von Pierin Vincenz, dem ehemaligen Chef von Raiffeisen Schweiz, auf der gezeigten Folie. «Aber nicht das System Raiffeisen hat zur noch nie da gewesenen Reputationskrise geführt, sondern einzig fehlbare Verantwortliche von Raiffeisen Schweiz in St. Gallen», ergänzte Oliver Britschgi.

Er freue sich aber darüber, «dass die Marke Raiffeisen und das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in ihre örtliche Raiffeisenbank kaum gelitten hat», erklärte Britschgi. So wiesen die Einlagen auf Spar-, Privat- oder Geschäftskonti eine Nettozunahme von 28 Millionen Franken (plus drei Prozent) auf. Viele neue Kundengelder seien zudem ins Anlagegeschäft geflossen.

Um rund 34 Millionen Franken (3,9 Prozent) auf rund 916,5 Millionen Franken seien die Kunden-Ausleihungen – Kredite für Wohneigentum- oder Geschäftsfinanzierung - gewachsen.

Verstärkte Eigenkapitalbasis ist das solide Fundament

Das Fazit von Bankleiter Britschgi in seinem umfassenden Bericht über das Geschäftsjahr 2018 lautet folgendermassen: «Die Raiffeisenbank Obwalden steht auf soliden Füssen und kann auch in einem turbulenten Raiffeisenjahr gute Erfolgszahlen vermelden. Das gute Ergebnis ermöglichte es, die Eigenkapitalbasis der Raiffeisenbank Obwalden weiter zu stärken und eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Verzinsung der Anteilscheine mit einem marktmässig guten Zins von drei Prozent zu beantragen.» Mit 107 Stimmen bei einer Enthaltung stimmten die Delegierten zu.

Das Eigenkapital ist 2018 von 26,3 auf 27,4 Millionen Franken gestiegen. «Je mehr Eigenmittel vorhanden sind, desto robuster ist eine Bank», lautete der Kurz-Kommentar von VR-Präsident Branko Balaban dazu. Alle traktandierten Geschäfte wurden von den Delegierten ohne Gegenstimme genehmigt.

Für das laufende Jahr erwartet Bankleiter Oliver Britschgi «keine grossen Zinserhöhungen, nachdem die Schweizerische Nationalbank aufgrund der tiefen Inflation die Zinsen weiterhin im Negativbereich halten will. Trotzdem – oder gerade deshalb – rechnen wir mit einem weiteren Wachstum im Kreditgeschäft.» Weiter ausbauen wolle die Bank ihre Eigenmittel.

Gastreferent Peter Gysling: «Das wäre in Russland kaum möglich»

Gastreferent an der DV war der langjährige Radio- und Fernsehjournalist Peter Gysling, der seit seiner Pensionierung in Hergiswil wohnt. Er ist Autor des Buches «Andere Welten – Russland, Ukraine, Kaukasus, Zentralasien», welches die Raiffeisenbank Obwalden den Delegierten und Gästen zusammen mit einer Pleurotus-Heimpilzkultur der Kernser Edelpilze GmbH schenkte.

Gysling: «Wer einmal seinen Fuss nach Russland gesetzt hat, den lässt das Land nicht mehr los.» Gysling hielt einen packenden Vortrag über den flächenmässigen grössten Staat. Namen wie Gorbatschow, Jelzin oder Putin begegneten ihm, er kam auf seinen Reisen hautnah in Kontakt mit dem Volk und hatte unauslöschliche Begegnungen mit Kulturen und Städten. Und meinte, als er die Geschichte von Sepp und Patrick Häcki über den Werdegang der Kernser Edelpilze vernahm: «So etwas wäre in Russland wohl bereits an der Bürokratie gescheitert.»