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Ein Rätselhaftes Netz aus Linien verbindet Kirchen und Kapellen in der Zentralschweiz

Der Obwaldner Bildhauer Kurt Sigrist entdeckte in den 1980er-Jahren rätselhafte Verbindungslinien zwischen Kirchenbauten in seiner Heimat. Erstaunlich, dass die Forschung seiner Recherche nie gefolgt ist.
Julia Stephan
Am Standort der Pfarrkirche Sarnen geht die Sonne am 21. Juni genau im Einschnitt zwischen Stanserhorn und Chli Horn auf. (Bild: PD)

Am Standort der Pfarrkirche Sarnen geht die Sonne am 21. Juni genau im Einschnitt zwischen Stanserhorn und Chli Horn auf. (Bild: PD)

Die Entdeckung des Obwaldner Bildhauers Kurt Sigrist (75) liegt schon über drei Jahrzehnte zurück. Doch sie kennt kein Ablaufdatum. Zweimal jährlich kann jeder Sarner selbst das Phänomen beobachten, auf das Sigrist am 21. Dezember 1984 bei einer Autofahrt frühmorgens von Kerns nach Sarnen aufmerksam wurde.

Bei Sonnenaufgang steht an besagtem Datum der Wintersonnenwende die Pfarrkirche des Klosters im hellen Lichtkegel, derweil der Rest der Gemeinde Sarnen noch ein verschlafenes Nachtschattengewächs ist. Dasselbe Phänomen konnten Neugierige dieses Jahr am 21. Juni bei der vom Verein Kulturlandschaft – Landschaft und Kultur in Obwalden organisierten Sommersonnenwendfeier beobachten. Damals fielen die ersten Sonnenstrahlen von der anderen Seite, zwischen den Gipfeln von Stanserhorn und Chli Horn, auf den Kirchenstandort.

Entdeckung mit dem Lineal gemacht

Ein Zufall? Kurt Sigrist, ein wichtiger Vertreter der Innerschweizer Innerlichkeit, der seit den 1960er-Jahren mit seinen auch begehbaren Skulpturen und den später für ihn immer bedeutsamer werdenden Gestaltungen von Kirchenräumen beständig nach Verbindungslinien im Raum sucht, ging der Sache auf der Landkarte seines Heimatkantons Obwalden mit dem Lineal auf den Grund.

Sigrist vermutete beim Standort der Kircheeinen ehemaligen vorchristlichen Sonnenwendplatz, der, wie andere kultische Plätze, während der Christianisierung in Kirchen umgewandelt wurde, um seine heidnische Wirkungsmacht zu bannen. Ein faszinierender Transformationsprozess, ähnlich demjenigen, der in Sigrists Kunst zu wirken beginnt, wenn er aus einem abgehängten Kreuz einer Aargauer Abdankungshalle ein universales Symbol für alle Religionsgemeinschaften erschafft.

Doch zurück auf die Obwaldner Landkarte: Dort verglich der Künstler erst einmal die Stand­orte anderer Gotteshäuser um die Kirche und entdeckte bald, dass die Kirchen und Kapellen gehäuft auf Achsen liegen, die den vermuteten Sonnenwendplatz schneiden. Diese gezielte Ausrichtung bedeutsamer Orte auf einer geraden Linie wird gemeinhin den Kelten zugeschrieben. Für Sigrist sind die Verbindungslinien dazu da, an magische Orte anzudocken. «Die Linie schafft eine imaginäre Verbindung. Wie bei zwei Verliebten, die an verschiedenen Standorten den Mond betrachten und wissen, dass sie miteinander verbunden sind.» Auch von den markanten Berggipfeln wie dem Haupt, dem Napf, der Rigi oder dem Tomlishorn gehen übrigens strahlenkranzförmige Achsen aus. Eine reicht bis zur Hofkirche Luzern.

Nun ist Kurt Sigrist kein Verschwörungstheoretiker, sondern Künstler. Und als solcher fehlt ihm die fachliche Deutungshoheit. «Der Ursprung des Phänomens ist unergründlich. Ich habe keine Antwort. Sollte das umfassende Liniengefüge dem Zufallsprinzip unterliegen, bin ich aber zufrieden und erstaunt, dass es so viele Zufälle gibt», sagt er. An der einen oder anderen Stellen, so ist er aber überzeugt, müsste man unbedingt mal «graben».

Eine Infobox zu den Kultlinien befindet sich bis 12. 8. in der Klosterkirche Engelberg, von 14. 8. bis 26. 8. bei der Pfarrkirche Alpnach, von 28. 8. bis 9. 9. bei der Pfarrkirche Kerns sowie vom 11. 9. bis 23. 9. im Gasthaus Paxmontana Flüeli. Finissage: 21. 9., 20.30 Uhr in der Flüeli-Kapelle mit der Feuerillumination einer der Kultlinien. www.kulturlandschaft-ow.ch

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