ROM/OBWALDEN: Ein Juiz im Petersdom

Hühnerhaut pur am Samstagmorgen im Petersdom nicht nur für die Mitglieder vom Jodlerklub Flüeli-Ranft. Die Schweizergardisten und ihre Angehörigen waren von den heimatlichen Klängen begeistert.

Beat Christen
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Der Jodlerklub Flüeli-Ranft singt im Petersdom. (Bild: Beat Christen (Rom, 6. Mai 2017))

Der Jodlerklub Flüeli-Ranft singt im Petersdom. (Bild: Beat Christen (Rom, 6. Mai 2017))

Beat Christen

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Die Interpretation einer Jodlermesse in einer Kirche oder unter freiem Himmel ist etwas Spezielles. «Doch das, was wir gerade jetzt erlebt haben, das ist Hühnerhaut pur», zog eine auch Stunden später noch sichtlich gerührte ­Janine Omlin Bilanz. Alleine, dass sie zusammen mit ihren Jodlerkameradinnen und -kameraden einen Teil der Bruder-Klaus-Jodlermesse am frühen Samstagmorgen im Petersdom in Rom vortragen durfte, erachtete die Präsidentin vom Jodlerklub ­Flüeli-Ranft «als ein riesengrosses Privileg». Die spezielle Atmosphäre erlebten auch die anwesende Bundespräsidentin Doris Leuthard, der in Corpore nach Rom gereiste Obwaldner Regierungsrat sowie die gegen 500 Gäste der Schweizergarde.

Landammann Franz Enderli sprach von einem einmaligen Erlebnis, «welches tief in der Erinnerung haften bleibt». Wie tief das ist, zeigt die Erkenntnis von Silvia Windlin. Sie dirigiert den Jodlerklub Flüeli-Ranft und ist die Hauptinitiantin der Bruder-Klaus-Jodlermesse. Dass sie, welche mit einem anderen Jodlerklub schon viele unvergessliche Momente feiern konnte, «von einem wichtigen und grossen Meilenstein in meinem Leben» spricht, sagt schon fast alles.

Die am Hochaltar der Petersbasilika von Kardinal Gerhard Ludwig Müller zelebrierte heilige Messe bildete den Auftakt zur Vereidigungsfeier von 40 neuen Schweizergardisten. Diese findet jährlich am 6. Mai in Erinnerung an die Plünderung Roms (Sacco di Roma) im Jahr 1527 statt, bei welcher 147 Soldaten gefallen sind.

Unter den einmarschierenden Gardisten waren mit Fabian Halter und Pascal Burch auch zwei Neugardisten aus Obwalden. «Das Bruder-Klaus-Lied von einem Obwaldner Jodlerklub hier in der Petersbasilika gesungen, bleibt ein einmaliges Erlebnis und wird mich während der kommenden Dienstzeit begleiten», ist Fabian Halter aus Sarnen überzeugt.

Spontaneinlage im Dom

Er kam allerdings nicht mehr in den Genuss der spontanen Zugabe, die der Jodlerklub Flüeli-Ranft nach der Heiligen Messe gab. Der herzerfrischende Juiz zum Abschluss des ersten Stücks, gefolgt vom grossen Applaus, war für die Sicherheitsleute dann doch etwas zu viel. An einem so heiligen Ort, wo alles bis ins letzte Detail durchorganisiert ist, ist man sich solche Spontanität offenbar nicht gewohnt. Und spätestens beim dritten Liedvortrag konnte der Sicherheitsdienst die aufkommende Nervosität nicht mehr verbergen. Höflich, aber bestimmt wurde die Spontaneinlage dann für beendet erklärt.

Die feierliche Vereidigung der 40 neuen Schweizergardisten sowie das Abschlusskonzert im Ehrenhof der Schweizergarde am Sonntagmittag hinterliessen bei den Mitgliedern des Jodlerklubs Flüeli-Ranft einen nachhaltigen Eindruck. «Rom war definitiv eine Reise wert», so die vom ganzen Drumherum stark beeindruckte Jodlerpräsidentin. Und so mochte sie vor der Heimreise denn auch gar nicht eine Wertung des Erlebten vornehmen. «Ich bin aber überzeugt», so Janine Omlin, «dass jede und jeder meiner Kameradinnen und Kameraden sein ganz persönliches Highlight in Rom erleben durfte.»