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SACHSELN: Als das Dorf ein Schuttfeld war

Das verheerende Unwetter am 15. August vor 20 Jahren hat das Bruder-Klausen-Dorf schwer getroffen. Es hat sich seither auch nachhaltig optisch und sicherheitstechnisch verändert.
Markus von Rotz
Ein Bild aus dem Dorfzentrum: Autos wurden wie Spielzeuge weggespült. (Archivbild: Josef Reinhard (Sachseln, August 1997))

Ein Bild aus dem Dorfzentrum: Autos wurden wie Spielzeuge weggespült. (Archivbild: Josef Reinhard (Sachseln, August 1997))

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

«Fernseh- und Pressebilder haben zwar das Ausmass der Schäden aufgezeigt, doch der persönliche Eindruck geht noch tiefer», sagte der damalige Bundesrat Adolf Ogi bei einem Besuch eine knappe Woche nach dem verheerenden Unwetter. «Die Armee wird hier bleiben, solange sie gebraucht wird», versprach er. Er hatte bereits am Wochenende Sappeur-Soldaten aus dem Urlaub zurückholen lassen. Die Obwaldner Regierung hatte schnell erkannt, dass Sachseln und der Kanton die Bewältigung ohne Armee nicht schaffen würden.

Weniger als die Hälfte der damals 4100 Einwohner waren ungeschoren ­davongekommen, als das lokale Gewitter sich an jenem Freitagabend über der Gemeinde Sachseln gestaut hatte. Autos wurden zu schwimmenden Spielzeugen, eine Forsthütte im Dorf wurde weggespült, Garagen waren meterhoch gefüllt mit Steinen und Schlamm. Vorübergehend wurde auch eine Person vermisst, die aber wohlbehalten wieder auftauchte. Viele sprachen von einem Wunder, dass niemand in den Fluten gestorben sei. Das Unwetter hatte auch auf der andern Seite der Sachsler Berge gewütet. Die Strasse zwischen St. Niklausen und Melchtal war unterbrochen. Am schlimmsten hatte der Chaltigraben im Melchtal getobt.

Es musste auch improvisiert werden

Für die Bewältigung eines solchen Gross­ereignisses gibt es keine festen Drehbücher. Es musste auch improvisiert werden. Wegen vieler Wasserleitungsbrüche wurden die Sachsler aufgerufen, sorgsam mit Wasser umzugehen. Der vor der Eröffnung stehende Tunnel Sachseln wurde für Rettungsfahrzeuge freigegeben, für den normalen Verkehr war das nicht möglich, weil die Lüftung noch nicht fertig installiert war.

Bei Erkundungsflügen waren im Einzugsgebiet der Bäche 150 Rüfen gezählt worden. Das Unwetter sorgte auch für grosse Einzelschicksale. So wurde ein Grossteil des Bildarchivs von Daniel und Josef Reinhard zerstört, ebenso die in 27 Jahren aufgebaute Theaterbibliothek von Geri Dillier mit 1200 Büchern, Manuskripten, Fotos und viel unersetzlicher Theaterliteratur.

«Schäden können nur dort entstehen, wo sich verwundbare Bauwerke befinden.» Das stark gewachsene Dorf habe alle neuen Quartiere in der roten Gefahrenzone gehabt, schrieb der Bund in einem Bericht im Jahr 2004 über das Unwetter und schloss mit der Feststellung, der Hauptgewinn sei dies: «Ganz Sachseln ist jetzt sicher vor Überschwemmungen. Die weiträumigen Gebiete, die vorher in der roten Zone lagen, befinden sich heute im geschützten Bereich.» Eine Ausnahme bildete nur noch der Umkreis der Mündung am See.

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