SACHSELN: Autos machen den Baumaschinen Platz

Der A-8-Tunnel ist derzeit für den Verkehr gesperrt. Mit Hochdruck wird an Verbindungen zum Sicherheitsstollen und einem neuen Lüftungssystem gearbeitet.

Philipp Unterschütz
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Ein Arbeiter bricht vom Strassentunnel her die Öffnung zur Querverbindung Richtung Sicherheitsstollen aus. (Bild Corinne Glanzmann)

Ein Arbeiter bricht vom Strassentunnel her die Öffnung zur Querverbindung Richtung Sicherheitsstollen aus. (Bild Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz

Mit einem gewaltigen Wasserdruck von 2000 bar schneiden die Arbeiter über dem Südportal des Sachsler A-8-Tunnels zwei Längsschlitze von 2 Metern Breite und 9 Metern Länge in den Beton der Decke. Später wird darüber ein Gehäuse für die Tunnellüftung entstehen, in dem riesige Ventilatoren untergebracht sind. Auf der Nationalstrasse darunter ruht deshalb gegenwärtig der Verkehr. Der 5,2 Kilometer lange Tunnel ist seit Montag gesperrt und bleibt dies bis am frühen Morgen des 18. März.

Durch die Schlitze wird später von den Ventilatoren Luft in die Röhre geblasen, um die Lüftungsströme zu kontrollieren und das Tunnelklima dem Aussenklima anzugleichen. In Ereignisfällen könnte die Rauchgasabsaugung unterstützt werden. «Hätte man diese Ventilatoren im Tunnel aufhängen wollen, hätten wir die Röhre vergrössern müssen, was viel teurer gewesen wäre», erklärt Projektleiter Thomas Kloth vom Bundesamt für Strassen (Astra). Da es beim Südportal nicht möglich war, unter dem nötigen Gerüst einen Fahrraum von 4,5 Metern Höhe offenzuhalten, muss der Tunnel völlig gesperrt werden. Beim Nordportal wird es dagegen nur eine viertägige Totalsperrung brauchen.

Der Sicherheitsstollen... (8. März 2016) (Bild: Corinne Glanzmann)
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... wird mit dem Haupttunnel (Bild) verbunden. Deshalb rollen die täglich bis zu 8500 Fahrzeugen noch bis am 18. März nicht durch den Tunnel, sondern durchs Dorf. (Bild: Corinne Glanzmann)
Vom Sicherheitsstollen aus werden bis im Sommer 2017 alle 250 Meter Querverbindungen zur Fahrröhre gebaut. (Bild: Corinne Glanzmann)
Dazu muss auch die Fahrbahn aufgerissen werden. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ))
In der eigentlichen Tunnelröhre und im Sicherheitsstollen sind 30 bis 40 Arbeiter rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb am Werk. (Bild: Corinne Glanzmann)
Mit einem Presslufthammer gehts durch die Seitenwand. (Bild: Corinne Glanzmann)
Führung durch den Sicherheitsstollen. (Bild: Corinne Glanzmann)
«Wir sind absolut auf Kurs», freut sich Projektleiter Thomas Kloth vom Bundesamt für Strassen (Astra). Nach wie vor seien die Arbeiten am 140-Millionen-Projekt dem Zeitplan voraus. «Mit dem Durchschlag des Sicherheitsstollens waren die bautechnischen Risiken vorbei.» (Bild: Corinne Glanzmann)
Die Übergabe vom Rohbau an die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung werde im November 2017 stattfinden. (Bild: Corinne Glanzmann)
Die Mannschaft feiert den Durchschlag beim Sicherheitsstollen in Sachseln (19.10.2015). (Bild: Philipp Unterschütz)
Projektleiter Andreas Reber hält die Ansprache. (Bild: Philipp Unterschütz)
Warten auf den Durchschlag mit Regierungsrat Paul Federer (links zweite Reihe mit dunklem Helm) (Bild: Philipp Unterschütz)
19. Oktober 2015 um 11.30 Uhr: Der Durchschlag ist geschafft. (Bild: Philipp Unterschütz)
Durchschlag Sicherheitsstollen Sachseln am 19. Oktober 2015. (Bild: Philipp Unterschütz)
Maschinenmeister Peter Eschler (vorne) mit Mechaniker Roland Eder vor dem Bohrkopf mit den Rollenmeisseln (09.04.2015). (Bild: Corinne Glanzmann)
Die Meissel müssen ersetzt werden (09.04.2015). (Bild: Corinne Glanzmann)
Weiches Gestein, durchsetzt mit harten Brocken: Die Meissel haben gelitten. Die Tunnelbauer können mit ihrer Arbeit zufrieden sein.  (09.04.2015). (Bild: Corinne Glanzmann)
Alle 7,2 Meter wird die Tunnelbohrmaschine bis 50 Zentimeter zurückgezogen. Danach müssen die Meissel von vorne kontrolliert werden (Bild: Corinne Glanzmann)
Damit wollen die Tunnelbauer verhindern, dass der Vortrieb unterbrochen werden muss ... (Bild: Corinne Glanzmann)
... was sehr kostspielig wäre. (Bild: Corinne Glanzmann)
Hier bohrt sich die Maschine in den Felsen. (Bild: Corinne Glanzmann)
Mit einer Seilwinde werden die bis zu 150 Kilogramm schweren Meissel ausgetauscht. (Bild: Corinne Glanzmann)
Peter Eschler ist Tunnelbohrmaschinen-Meister im Sicherheitsstollen. (Bild: Corinne Glanzmann)
Andrehfeier für den Zusatzstollen des A8 Tunnels Sachseln (2. Juli 2014). (Bild: Corinne Glanzmann)
Die Tunnelbohrmaschine ist angelaufen und liefert erstes Ausbruchsmaterial. (Bild: Corinne Glanzmann)
Sie schützt vor Unglück – die Schutzpatronin der Bergleute in ihrer Nische am Stolleneingang. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Gestein wird per Förderband aus dem Tunnel gebracht und mit Lastwagen in die nahe gelegene Deponie Stuechferich Sarnen transportiert. (Bild: Corinne Glanzmann)
Der Sicherheitsstollen liegt grösstenteils in eher weichem Gestein. (Bild: Corinne Glanzmann)
Vorarbeiten zum Tunneleinstich oberhalb des Nordportals (13. Dezember 2013). (Bild: Adrian Venetz)
Die Bagger schaufeln Gestein beim Portal weg. (Bild: Adrian Venetz)

Der Sicherheitsstollen... (8. März 2016) (Bild: Corinne Glanzmann)

Bester Zeitpunkt für Vollsperrung

Rund 8500 Fahrzeuge passieren im Durchschnitt täglich den Sachsler Tunnel. Nun rollt der Verkehr durchs Dorf. «Wir haben aufgrund der saisonalen Zahlen bestimmt, wann der beste Zeitpunkt für die Totalsperrung ist», sagt Thomas Kloth. Zudem habe man im Dorf Sachseln während der Stosszeiten auch einen Verkehrsdienst eingesetzt.

Die Tunnelbauer, die beim Ausbruch des Sicherheitsstollens einen Vorsprung von vier Monaten aufs Bauprogramm herausgeholt hatten, wollen die Vollsperrung gezielt nutzen. So sind momentan auch in der eigentlichen Tunnelröhre und im Sicherheitsstollen 30 bis 40 Arbeiter rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb am Werk.

Prüfverfahren läuft

Im Sicherheitsstollen, der parallel zur Tunnelröhre verläuft, betonieren sie den Boden. Das Material wird mit Betonmischern in den Tunnel gefahren und von dort durch die erste fertig ausgebrochene Querverbindung in den Sicherheitsstollen gepumpt. «Das ist viel effizienter, als wenn der Beton mit der Stollenbahn transportiert werden müsste», erklärt Thomas Kloth. Genutzt wird die Vollsperrung auch, um einen gut 3 Meter tiefen Entwässerungsschacht mitten in der Fahrbahn einzubringen. An anderer Stelle machen sich Mitarbeiter eines Versuchslabors an der Tunnelwand zu schaffen. Für die spätere neue Oberflächenbeschichtung läuft seit zwei Jahren ein Prüfverfahren. Auf mehreren Musterflächen wurden damals mögliche Beschichtungen angebracht. «Das Ziel ist, dass wir dereinst die neue Beschichtung auf der alten auftragen können. Wenn wir die alte nicht entfernen müssen, vereinfacht das den Bauablauf, und es ist kostengünstiger», erläutert Thomas Kloth. Die Spezialisten entnehmen Bohrkerne aus den Musterflächen, um das Eindringen von Fremdstoffen wie beispielsweise Salz zu prüfen.

Dem Zeitplan voraus

Vom Sicherheitsstollen aus werden bis im Sommer 2017 alle 250 Meter Querverbindungen zur Fahrröhre gebaut. Im Sprengvortrieb tasten sich die Mineure bis etwa 2,5 Meter an die Röhre heran, der Rest wird von Kleinbaggern mit Presslufthämmern ausgebrochen. Der Durchlass für die späteren Türen wird vom Tunnel her ausgeschnitten respektive ausgebrochen. Dies wird während 45 Nachtsperrungen in den Sommermonaten 2016 und 2017 geschehen. Momentan sind vier Querverbindungen fertig oder in Arbeit.

«Wir sind absolut auf Kurs», freut sich Kloth. Nach wie vor seien die Arbeiten am 140-Millionen-Projekt dem Zeitplan voraus. «Mit dem Durchschlag des Sicherheitsstollens waren die bautechnischen Risiken vorbei.» Die Übergabe vom Rohbau an die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung werde im November 2017 stattfinden.

Tunnelbaustelle: Mehr Bilder finden Sie auf www.obwaldnerzeitung.ch/bilder