SACHSELN: Baurückstand trotz einer Störzone aufgeholt

Mit einem Sicherheitsstollen wird der A-8-Tunnel Sachseln den heutigen Anforderungen angepasst. Bereits ist fast die Hälfte ausgebrochen.

Philipp Unterschütz
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Ein Mineur bereitet Ausbruchmaterial vor, damit es per Förderband nach aussen gebracht werden kann. (Bild Philipp Unterschütz)

Ein Mineur bereitet Ausbruchmaterial vor, damit es per Förderband nach aussen gebracht werden kann. (Bild Philipp Unterschütz)

Philipp Unterschütz

Die Fahrt mit der Stollenbahn bis zur Tunnelbohrmaschine (TBM) dauert schon über 20 Minuten. Dicht gedrängt sitzen die Mineure im Personenwagen, sie fahren zur Schicht, es holpert und schüttelt. Je weiter der Zug mit Personenwagen und Betonmischer in den 4,2 Meter grossen Sicherheitsstollen fährt, desto wärmer wird es. Im vordersten Bereich, wo die 120 Tonnen schwere TBM mit einer Vorschubkraft, die etwa 550 Tonnen entspricht, den Fels ausbricht, ist es fast 30 Grad warm.

Die Mineure müssen auf engstem Raum arbeiten. Direkt hinter dem Bohrkopf werden an der Tunneldecke Gitternetze als Schutz vor niederbrechenden Gesteinsstücken eingebaut, unter der Bohrmaschine treffen die Mineure die Vorbereitungen zur späteren Betonierung der Sohle und zur kontinuierlichen Verlängerung der Stollenbahngeleise.

Zwei schwierige Zonen bewältigt

Hinter der Vortriebseinheit sichert ein Spritzbetonroboter die Tunnelwände. Schon rund 2180 Meter der gesamten Strecke von gut fünf Kilometern hat sich die TBM in den Berg gefressen, 30 200 Kubikmeter oder 70 000 Tonnen Ausbruchmaterial wurden per Förderband nach draussen befördert. Weil das Material weder für die Betonproduktion noch für Schüttungen zu gebrauchen ist, wurde es in rund 4200 Lastwagenfahrten auf die nahe gelegene Deponie Stuechferich gefahren.

«Wir sind sehr zufrieden, der Unternehmer bringt die geforderte Leistung», sagt Projektleiter Thomas Kloth vom Bundesamt für Strassen (Astra). «Wir liegen zur Halbzeit des Ausbruchs sowohl zeitlich wie finanziell im Programm.» Selbstverständlich ist das nicht. Tunnelbauer wissen, dass die Natur – auch bei besten Sondierungen im Voraus – immer wieder unliebsame Überraschungen auf Lager haben kann. «Hier in Sachseln präsentierte sich die Geologie bis jetzt aber wie erwartet», erklärt Thomas Kloth. Zwei von drei erwarteten schwierigeren Zonen haben die Tunnelbauer bereits bewältigt. Zum einen mussten sie kurz nach Beginn des Vortriebs nach 60 Metern den Galgenbach unterqueren, dessen Sohle bis ins Tunnelprofil reichte. Deshalb baute man von oben eine Betonwanne, die dann unten wie harter Fels durchbohrt werden konnte.

Ende Januar erreichte die TBM die erwartete 200 Meter lange Störzone mit Wildflysch, einer weichen Gesteinszusammensetzung mit abwechslungsreichen Wechselfolgen von oft kalkhaltigen Sandsteinen und Tonsteinen. Man hatte damit gerechnet, dass hier die Vortriebsleistung deutlich geringer sein würde. «Weil die Mineure diese Zone aber mit höherer Leistung als erwartet gemeistert haben, konnte sogar der Rückstand im Terminprogramm, der im Dezember wegen der am Anfang üblichen Einstellungsphase der TBM noch drei Wochen betrug, wieder aufgeholt werden», freut sich der Projektleiter. Eine weitere Störzone soll dann im Oktober erreicht werden.

Tagesrekord liegt bei 38 Metern

Die Mineure sind gut unterwegs. An der Andrehfeier im vergangenen Juli rechnete man noch mit einer durchschnittlichen Vortriebsleistung von etwa 15 Metern pro Tag. Lässt man die anfängliche Einstellungsphase weg, so hat sich die TBM seit September im Durchschnitt jeden Tag 18 Meter weiter in den Berg gefressen. Der bisherige Tagesrekord liegt bei 38 Metern. «Die guten Vortriebsleistungen haben viel damit zu tun, dass hier eingespielte Teams am Werk sind, die gut harmonieren», lobt Thomas Kloth die Mannschaften und freut sich, dass auch kein einziger schwererer Unfall passiert ist. Im Januar 2016 wollen die Mineure am Ziel sein, dann soll der Durchschlag erfolgen. Anschliessend werden die Tunnelbauer vom Stollen her 20 Querschläge zum rund 30 Meter daneben liegenden Strassentunnel sprengen, etwa alle 250 Meter einen. Während Nachtsperrungen unter der Woche wird später der Beton der Innenschale des A-8-Tunnels Sachseln für die Querschläge ausgeschnitten.

Wenn der Sicherheitsstollen und ein neues Lüftungsgebäude fertig sind, erfolgt der Umbau des Lüftungssystems und die Instandsetzung des Tunnels Sachseln mit Erneuerung der Betriebs- und Sicherheitsausrüstung. Gegen Ende 2019 sollen die Arbeiten, die insgesamt 140 Millionen Franken kosten, abgeschlossen sein.