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SACHSELN: Bruder Klaus ist auch Kunstanimator

Obwalden widmet Urs Sibler – dem Leiter des Museums Bruder Klaus – ein Kunstheft. In 7 Jahren hat Sibler 14 Ausstellungen gestaltet.
Die Bildstreifen von Heini Andermatt – im Kuppelbau von Roland Heini im Museumsgarten – haben es Urs Sibler besonders angetan. (Bild Romano Cuonz)

Die Bildstreifen von Heini Andermatt – im Kuppelbau von Roland Heini im Museumsgarten – haben es Urs Sibler besonders angetan. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Urs Sibler ist ein Glücksfall – für die Kunst, für die Künstlerinnen und Künstler, für das Museum Bruder Klaus Sachseln, für Obwalden – und weit darüber hinaus», schreibt Christian Sidler (Kulturbeauftragter Obwalden) im Vorwort zum neuen Kunstheft. Besser kann man die Leistung des 67-jährigen Museumsleiters und Kurators kaum umschreiben. Dies, zumal ja im schön gestalteten Heft auch zahlreiche «Bilder aus 14 Ausstellungen» schildern, was Sibler mit seinen Denkanstössen auslöst. Was man aber kann: Urs Sibler über seine Arbeit sprechen lassen.

«Das Haus hat es mir angetan»

«Das Museum wurde in einem herrschaftlichen Wohnhaus von 1784 eingerichtet, all seine Räume haben Charakter», sagt Urs Sibler. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler würden gerne auf die historischen Räume reagieren, die ihnen im Untergeschoss und im zweiten Stock offen stehen. «Es war 2007 einfach ein Riesengeschenk an mich, als man mir die Möglichkeit bot, ein so historisches Haus mit Geschichte und Geschichten bespielen zu dürfen», stellt Sibler nach sieben Jahren Arbeit fest. Ein wesentlicher Vorteil sei dabei, dass dieses Haus mit Niklaus von Flüe einen eigenen Heiligen besitze. Und mit ihm schon einmal ein Grundpublikum. «Mit meinen thematischen Ausstellungen animiere ich diese Besucher zu neuen Entdeckungen, andererseits zieht jede Ausstellung interessierte Leute an, die sich häufig auch für die Grundausstellung über Bruder Klaus begeistern lassen», weiss Sibler. Und er schätzt sich glücklich, wenn er sagt: «Diese schöne Wechselwirkung ist eine riesige Qualität des Hauses, die schon meine Vorgänger pflegten.» Klar hält er fest, dass er weder theologisch noch historisch kompetent sei, Recherchen oder Deutungen zu Bruder Klaus anzustellen. «Als ehemaliger Ministrant und Jungwachtführer aber habe ich stets einen Bezug zu ihm gehabt», erzählt der Kurator. «Bruder Klaus ist eine Person, die einen fordert, die etwas möglich macht, die neue Einsichten vermittelt und Welten öffnet.» Ein wenig sei der Heilige halt schon auch Kunstanimator! Das würden nicht zuletzt auch die 122 Porträts von ihm aus 520 Jahren im Eingangsbereich beweisen. Übrigens: nur ein kleiner Teil von allen, die es gebe!

«Kunst ohne Einschränkungen»

In einem Museum, das vom Namen her einem Heiligen verpflichtet sei, gebe es zwar Grenzen. Die aber habe er von allem Anfang an gekannt, sagt Urs Sibler. «Jedoch: Einschränkungen bei Ideen, hinter denen ich stehen kann und die ich verwirklichen möchte, habe ich in den sieben Jahren nie erlebt.» Er wolle zum Denken anregen. Reibungen erzeugen. Oder einfach Sachen zum Geniessen zeigen. Aber sicher nicht «auf Teufel komm raus» provozieren. Der Trägerschaft, den Wallfahrtsgeistlichen – überhaupt der ganzen Obwaldner Bevölkerung – zollt Sibler nur Lob. «Wir arbeiten Hand in Hand und machen es so, wie es uns entspricht.» Welche über die Grenzen hinaus beachtete Ereignisse er auf diese Weise initiieren konnte, dafür gibt es schon zahlreiche Beispiele: Bei der Vernissage zur gegenwärtigen Ausstellung «Grenz-Fall» beispielsweise hatte der Künstler Mischa Camenzind eine ungewöhnliche Idee: Er wolle das Museum sperren und nur Leute hineinlassen, die jeweils ganz bestimmte Kriterien erfüllten! Die andern sollten draussen stehen. Die dazu nötige Absperrung errichtete, an einem Sonntag, der Unternehmer Peter Garovi mit seinen Leuten.

Immer wieder gerne sucht Sibler die Kunst-Klause von Roland Heini und Heini Andermatt im Garten auf. Die dortige Auseinandersetzung mit Bruder Klaus in Bildgeschichten ist eigenwillig. Und persönlich. Einen bleibenden Eindruck, so Sibler, habe in ihm auch die Ausstellung «alles Gold» mit Kunst und Kostbarkeiten hinterlassen. «Da durfte ich aus der Versenkung Messgewänder hervorholen, die der Kanton Obwalden 1947 für die Heiligsprechung von Bruder Klaus gestiftet hatte.» Dass er dabei der zeitgenössischen Künstlerin Mireille Tscholitsch Gelegenheit zur Inszenierung der Gewänder in einem Raum als Vitrine bot, ist ganz typisch für den Kurator.

«Partnerschaftliche Arbeit im Sinn»

Wirkliche Schwierigkeiten sieht Urs Sibler höchstens darin, technisch stets «à jour» zu sein. «Heute gibt es bei Apparaten einen so raschen Wechsel, dass es sich gar nicht mehr lohnt, sie selber anzuschaffen», stellt er fest. Damit die Miete berappt werden kann, ist er froh um das Stammpublikum, das ihn und das Museum nie im Stich lässt.

Noch ein Blick in die Zukunft: «Es gibt da eine grosse Bereitschaft zur Zusammenarbeit», sagt Sibler. «Deshalb werde ich in Zukunft noch vermehrt die Kooperation mit Partnern suchen. Etwa mit der IG Baukultur und dem Obwaldner Denkmalschutz im kommenden Jahr.»

HINWEIS

Das Kunstheft «Historische Räume – Zeitgenössische Kunst» kann man im Museum Bruder Klaus Sachseln, beim Bildungs- und Kulturdepartement Obwalden und bei Bücher Dillier in Sarnen oder Bücher von Matt in Stans kaufen.

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