SACHSELN: Brunnen kommen zu neuen Ehren

Die Gemeinde hat die geschichtsträchtige Bedeutung ihrer öffentlichen Brunnen erkannt. Mit einer kleinen Feier wurde diese Woche der Haltenbrunnen eingeweiht – bereits der vierte renovierte Brunnen.
Philipp Unterschütz
Pfarrer Daniel Durrer segnet den restaurierten Haltenbrunnen. (Bild: Philipp Unterschütz (Sachseln, 8. Mai 2018))

Pfarrer Daniel Durrer segnet den restaurierten Haltenbrunnen. (Bild: Philipp Unterschütz (Sachseln, 8. Mai 2018))

Nachdem sie ihre Bedeutung als Trinkwasserlieferanten verloren hatten, stand es lange nicht wirklich gut um die öffentlichen Brunnen in Sachseln. Nicht zuletzt durch die Verbreiterung der Strassen wurden sie immer mehr an den Rand gedrängt. Doch vor Jahren erkannte der Gemeinderat die geschichtsträchtige Bedeutung und beschloss, die Brunnen wieder instand zu stellen.

So sind inzwischen der Obkirchenbrunnen (der älteste Sachsler Brunnen), der Kreuzbrunnen und der Edisriederbrunnen restauriert worden. Am Dienstagabend gab es nun eine kleine Einweihungsfeier mit Einsegnung für einen weiteren restaurierten Brunnen: Der Haltenbrunnen konnte mit einem neuen Brunnenstock aus Granit, gestaltet vom Giswiler Bildhauer Toni Halter, wieder so in Betrieb genommen werden, wie er vor 1937 bestanden hatte.

Seit 1702 an der Brünigstrasse

Der Platz solle ein Ort sein, wo man sich gerne aufhalte, sagten sowohl Gemeindeschreiber Toni Meyer als auch der Sachsler Architekt Daniel Bäbi, der für die architektonische Gestaltung zuständig war. Pfarrer Daniel Durrer erinnerte vor der Segnung des Brunnens daran, wie sehr das selbstverständliche Allgemeingut Wasser Leben bedeute.

Gemeindeschreiber Toni Meyer war offensichtlich tief in die Archive gestiegen und präsentierte interessante historische Tatsachen zum Haltenbrunnen, der – ursprünglich mit Holztrog – seit 1702 an der Brünigstrasse stand. 1865 wurde er als Granitbrunnen neu errichtet. Als 1937 Sachseln den 450. Todestag von Bruder Klaus feierte, wurde der Haltenbrunnen zu einem Bruder-Klausen-Brunnen umgestaltet.

Brunnen als Dank für die Genesung

Wie Toni Meyer erzählte, war der damalige Gemeinderat und Coiffeurmeister Josef Anderhalden-Omlin der Initiant. Wegen einer Schnittwunde von einem Rasiermesser im Finger bekam er eine schwere Infektion mit Blutvergiftung. In seiner Not rief Anderhalden Bruder Klaus an und versprach ihm für den Fall einer Genesung, die wenig später eintrat, beim Haltenbrunnen eine Statue zu erstellen und den Brunnen fachgemäss umzubauen. Die Brunnenanlage wurde dann vom Sachsler Architekten Robert Omlin gestaltet, die bronzene Brunnenfigur des Bruder Klaus entwarf der Stanser Künstler Hans von Matt.

Die Einweihung erfolgte im März 1937. 1941 wurde der Brunnen von der Gemeinde übernommen, die von da an für den Unterhalt verantwortlich war. Im Rahmen der Verbreiterung der Brünigstrasse wurde er 1960 um etwa 20 Meter bergwärts verschoben. Als Folge des fatalen Unwetters von 1997 wurde der Dorfbach verschoben und danach das Dorfzentrum mit dem neuen Bruderklausenbrunnen neu gestaltet. Doch was tun mit dem alten Trog des Haltenbrunnens? Als eine Art Verlegenheitslösung wurde er mit einer eher trostlosen Gestaltung an einen Platz unterhalb der Brünigstrasse verschoben. Nach der Instandstellung sei er nun wie die anderen restaurierten Brunnen eine Zierde des Dorfbildes, waren sich die anwesenden Beteiligten und Anwohner einig.

Die Bruder-Klaus-Statue des Künstlers Hans von Matt, die den Haltenbrunnen einst zierte, bleibt übrigens auf der anderen Strassenseite auf dem Dorfplatz in der Mitte des Dorfbrunnens, wo sie vor einem Jahr hinverschoben wurde.

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

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