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SACHSELN: «Das ist eine Riesensache»

Normalerweise präsentiert die Galerie zum Seeweg Künstler aus der Region. Per Zufall kam das Galeristen-Ehepaar Estoppey mit Barbara Nuschei in Kontakt. Diese stellt international aus. Nun in Sachseln.
Marion Wannemacher
Bruno Estoppey vor seinen Bildern mit seiner Frau Marlen, mit der er die Galerie zum Seeweg führt. (Bild: Corinne Glanzmann (Sachseln, 26. Juli 2017))

Bruno Estoppey vor seinen Bildern mit seiner Frau Marlen, mit der er die Galerie zum Seeweg führt. (Bild: Corinne Glanzmann (Sachseln, 26. Juli 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

Die Galerie am Seeweg ist klein und liegt versteckt hinter einem Wohnhaus. Direkt an die Mauer des gepflegten Gartens mit Palmen schwappen die Wellen des Sarnersees. «Was wir immer wieder von den Künstlern hören, ist, dass sie sich hier so wohlfühlen», erzählt Bruno Estoppey. Und das liegt sicher nicht nur am idyllischen Ambiente. Gemeinsam mit seiner Frau Marlen führt er die Galerie seit fast vier Jahren. Das Haus gehört der Stiftung Giuseppe Haas-Triverio. Zuletzt hatte dort der Maler Robert Ottiger gelebt und gewirkt. Nach dessen Tod bewarben sich 150 Anwärter als Mieter im Haus am See. Das Ehepaar Estoppey bekam den Zuschlag, weil sie hier eine Galerie führen wollten.

An die 30 Ausstellungen haben sie seitdem präsentiert. Viele der Künstler stellen zum allerersten Mal aus und haben ihre Geschichte, wie Bruno Estoppey auch. Die jüngste Malerin bislang war Lydia Wallimann aus Alpnach mit 24 Jahren. Der älteste war ein 86-Jähriger: Louis Dober, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Geige spielen kann und früher Violonist im Sinfonieorchester Bern war. In Sachseln präsentierte er seine Kreidezeichnungen zum ersten Mal der Öffentlichkeit. «Er war überwältigt von diesem Erlebnis, was er aber am schönsten fand, waren nicht die verkauften Bilder, sondern die Kontakte zu alten Freunden, die ihn in der Ausstellung besuchten», erzählt Bruno Estoppey.

Ursprünglich hat der heute 60-Jährige als Antik- und Stilmöbelschreiner gearbeitet. Nach 20AABB22Jahren in seinem Beruf litt er unter so starken Rückenproblemen, dass er sich im Paraplegiker-Zentrum Nottwil behandeln lassen musste. Dort lernte er ­einen peruanischen Arzt kennen, der Malkurse gab. Dieser motivierte ihn mitzumachen. Anfänglich lehnte Estoppey dankend ab. «Ich hatte das letzte Mal in der fünften Klasse mit Wasserfarben gemalt», erzählt er.

Wichtiger Rat fürs weitere Künstlerleben

Der malende Arzt gab ihm einen wichtigen Rat für die Zukunft: «Alles, was du in der Kunst machst, ist richtig, aber entweder gefällt’s den Leuten oder nicht, damit musst du umgehen.» Die Malerei sowie weitere Behandlungen in Nottwil, in einer Schmerzklinik und in der Reha halfen Estoppey, der seit 1993 Tag und Nacht unter starken Schmerzen leidet und deshalb auch depressiv war, ins Leben zurück. Als er seinen Zustand akzeptierte, ging es ihm besser.

Damals wohnten die Estoppeys mit Tochter Stephanie und Sohn Philippe in Luzern. Bruno Estoppey ging täglich am Morgen um sieben aus dem Haus zu seiner «Arbeit» in eine kleine Wohnung, die ihm als Atelier diente. 2006 konnte das Ehepaar einen kleinen Spycher in der Nähe des Sachsler Bahnhofs mieten, wo er dann malte. In dieser Zeit lernten sie Robert Ottiger kennen. Estoppey hat seinen ganz eigenen Stil. Er teilt seine Flächen in kleine Rechtecke auf und gestaltet mit ihnen Porträts bekannter Per­sönlichkeiten, Tiere und Landschaftselemente.

Der Kontakt zur Künstlerin Bettina Nuschei ergab sich über Dritte. Estoppeys Galerie war ihr empfohlen worden. Ohne sie besucht zu haben, machte Nuschei mit ihnen einen Vertrag für die Ausstellung. «Für uns ist es ganz speziell, so eine Künstlerin auszustellen, das ist eine Riesensache, ein Blockbuster», sagt Bruno Estoppey.

Künstlerin arbeitete in Andy Warhols Atelier

Denn Bettina Nuschei, die in Rom und New York studierte und unter Andy Warhol in New York arbeitete, hatte bereits Ausstellungen auf der ganzen Welt. Bereits hängen neun Werke in der Galerie zum Seeweg. Ab 9. September werden weitere Bilder in einer offenen Ausstellung gezeigt. In einer Art imaginären Kalligrafie zeigen ihre Bilder Kompositionen von Buchstaben und Zahlen, Ton in Ton. Wichtig ist den Estoppeys jedoch nicht der Bekanntheitsgrad eines Künstlers: «Für mich ist jeder Mensch, der ausstellt, gleichwertig, seine Kunst genauso berührend, eindrucksvoll und bereichernd», hält Marlen Estoppey fest. Demnächst stellen Menschen mit Behinderungen aus der Stiftung Rütimattli ihre Werke in der Galerie aus. Die Ideen gehen dem Ehepaar nicht aus. Am 11. November ist der Todestag von Robert Ottiger. Im November sind 25 Künstler aus der ganzen Schweiz eingeladen, Leinwände aus Ottigers Nachlass zu bemalen und sie auszustellen.

Hinweis

Auf Anmeldung sind Werke von Bettina Nuscheis bereits jetzt in der Galerie zum Seeweg 3 in Sachseln zu sehen (079 683 86 37). Ab 9. September weitere in einer öffentlichen Ausstellung.

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