Sachseln
Die Gemeinde soll bei schulergänzenden Betreuungsangeboten mitreden dürfen

Drei Sachslerinnen engagieren sich für familienergänzende Tagesstrukturen an der Schule Sachseln.

Marion Wannemacher
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Eva Morger, Claudia Dillier-Küchler und Annemarie Schnider sind sich einig. Sie starten eine Initiative für schulergänzende Tagesstrukturen in Sachseln. Und obwohl für diese nur eine Unterschrift ausreichen würde, wünschen sich die drei Frauen eine breite Abstützung in ihrem Dorf. «Ab jetzt legen wir los und sammeln Unterschriften», erklärt Claudia Dillier entschlossen. Dass die drei der SP angehören, möchten sie nicht betont wissen. «Es geht um die Sache und nicht um die Parteien», spricht Claudia Dillier den anderen aus dem Herzen.

Sie engagieren sich für die gleiche Sache: Claudia Dillier-Küchler, Eva Morger und Annemarie Schnider.

Sie engagieren sich für die gleiche Sache: Claudia Dillier-Küchler, Eva Morger und Annemarie Schnider.

Marion Wannemacher (Sachseln, 29. September 2019)

Die Initiantinnen haben einen Antrag formuliert, wonach die Gemeinde Sachseln eine schulergänzende Betreuung ab Kindergarten mit Morgenbetreuung von 7 bis 8 Uhr, betreuter Mittagsverpflegung und Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenbetreuung bis 18 Uhr anbieten soll. Eine ganztägige Betreuung soll auch während eines Teils der Ferien gewährleistet sein. Das Angebot soll kostenpflichtig für die Eltern sein, aber einen Sozialtarif für einkommensschwache Familien bieten.

Umfrage vom Schulrat ergab Bedarf bei 70 Familien

Wie ist der Status quo in Sachseln? Es gibt einen Mittagstisch und eine Hausaufgabenbetreuung. Bislang fehlen Angebote vor und nach der Schule sowie in den Ferien. Der Schulrat hatte sich für umfassende schulergänzende Tagesstrukturen eingesetzt und war mit seinem Konzept vom Gemeinderat mit dem Argument der Kosten abgeschmettert worden. Eine vom Schulrat durchgeführte Umfrage, an der rund 250 Familien in Sachseln und Flüeli-Ranft teilgenommen hatten, ergab, dass 70 von ihnen Bedarf an schulergänzender Betreuung haben.

Am 21. Mai 2017 stimmte die Obwaldner Bevölkerung gegen die familienergänzenden Betreuungsangebote ab Schulalter. Diese sollte die Gemeinden zu Betreuungsangeboten Kinder ab der Schulzeit verpflichten. In Sachseln hatten 55 Prozent aller Stimmbürger die Vorlage abgelehnt.

«Wir möchten, dass die Bevölkerung über diese Bedürfnisse entscheiden kann», erklärt Eva Morger, die sich bereits im Kantonsrat für das Anliegen eingesetzt hat. «Es wäre besser, man hätte bereits beim Bau des neuen Schulhauses mit an die familienergänzenden Tagesstrukturen gedacht», findet Claudia Dillier.

Spagat Alleinerziehender zwischen Familie und Beruf

Beide Frauen wissen aus eigener Erfahrung, welchen Spagat alleinerziehende Frauen zwischen Familie und Beruf leisten müssen. Mittlerweile hütet Claudia Dillier eigene Grosskinder. «Das ist eine gute Lösung, aber man kann sich nicht nur darauf abstützen.» Vielfach litten Frauen ihrer Generation an mehrfacher Belastung: Diese seien selber häufig noch berufstätig und betreuten neben dem Hüten der Grosskinder vielleicht noch ihre betagten Eltern.

Engelberg, Kerns, Alpnach und Sarnen verfügten ja auch über ein grosses Angebot, argumentieren die drei Sachslerinnen. Die Gemeinde Sarnen führt ab Januar kommenden Jahres das Betreuungsangebot für Schulkinder des Vereins Kindertagesstätte Sarnen in eigener Verantwortung weiter. Dem finanziellen Argument der Gemeinde Sachseln gegen das Konzept des Schulrats hält Claudia Dillier die Standortvorteile entgegen. «Wenn Familien einen Wohnort suchen, wird das ein wichtiges Kriterium für die Ansiedlung sein.» Eva Morger ergänzt: «Gut ausgebildete Frauen, die arbeiten, generieren höhere Steuern.»

Für den Ausgang ihrer Initiative rechnen sich die Frauen gute Chancen aus. Entweder gehe diese an die Urne oder komme an die Gemeindeversammlung. «Die jungen Frauen werden sie sicher sehr unterstützen und die älteren Frauen kennen das Anliegen aus dem eigenen Leben. Ausserdem erhoffen wir uns Unterstützung durch Gewerbe und Industrie, die unter Fachkräftemangel leiden», sagt Claudia Dillier.

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