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SACHSELN: Er schenkte Zermatt tausend Reisen

Alfons Rohrer verleiht dem Begriff «Stammgast» neue Dimensionen: Jeden Dienstag fährt er mit dem Zug nach Zermatt. Heute tritt er seine tausendste Reise an.
Adrian Venetz
Immer dienstags nach Zermatt: Stolz zeigt Alfons Rohrer einen Artikel über ihn im «Walliser Boten». (Bild Adrian Venetz)

Immer dienstags nach Zermatt: Stolz zeigt Alfons Rohrer einen Artikel über ihn im «Walliser Boten». (Bild Adrian Venetz)

Vor langer Zeit hat der Sachsler Alfons Rohrer im Fernsehen eine Dokumentation über die Zermatter Bergwelt gesehen. Weil ihm die Bilder so gefielen, entschloss er sich, dem Dorf im Matter­tal einen Besuch abzustatten. Es war an einem Dienstagmorgen im Jahr 1992, als Rohrer zum ersten Mal in den Zug stieg, um nach Zermatt zu fahren. «Der Dienstag ist immer mein freier Tag», sagt der 63-jährige Junggeselle, der seit 1973 als Koch im Sachsler Restaurant Bahnhof arbeitet. Dass die Reise ihn später zu einer kleinen Berühmtheit am Fuss des Matterhorns machen würde, ahnte er damals natürlich nicht.

«Krank bin ich nie»

Alfons Rohrer fühlte sich wohl bei seinem ersten Besuch in Zermatt. Sehr wohl. Und so stieg er eine Woche später wieder in den Zug. Und eine Woche später wieder. Und dann wieder und wieder. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg. Bleibt er an einem Dienstag ausnahmsweise in Sachseln, dann liegt der Grund meist in einem Zugausfall wegen Bergstürzen, Hochwasser oder Lawinen. «Auch für Beerdigungen bleibe ich manchmal hier», sagt er. «Krank bin ich nie.» Natürlich ist Alfons Rohrer auch heute Dienstag auf dem Weg ins Wallis. Über all die Jahre hinweg hat er genau Buch geführt: Es ist seine 1000. Reise nach Zermatt.

Grosse Experimente im Tagesablauf mag er nicht. Jeweils um 5.13 Uhr steigt er in Sachseln in den Zug. Im Intercity nach Visp bestellt er sich zum Frühstück immer einen Käseteller. Vier Stunden später kommt er in Zermatt an. Dort kehrt er erst einmal im Bahnhofbuffet ein und hält einen Schwatz mit Einheimischen und Touristen. Dann startet er seine kleine Beizen­tour im Dorf. Über die Jahre hinweg sind viele Freundschaften entstanden. «Manchmal fahre ich noch auf den Gornergrat oder zum Beispiel zu den Bergstationen Trockener Steg und Furri», erzählt Rohrer.

Im Dorf heisst er «Zischtag»

An den Zermatter Stammtischen kennt man ihn schon längst, diesen Obwaldner, der jeden Dienstag mit dem Zug kommt. Rohrer ist in Zermatt schon so bekannt, dass er bereits einen eigenen Übernamen trägt: Man nennt ihn «Zischtag». Als grosser Fan der Schweizer Ski-Nati sass er bereits mit vielen Sportstars am Tisch, die im Wallis trainieren. Unvergesslich bleibt seine 800. Reise nach Zermatt vor vier Jahren. Damals erhielt er von den Gemeinde- und Tourismusbehörden die Gästemedaille «Zermatt dankt». Zu den Gratulanten gehörte Fränzi Aufdenblatten. Auch der «Walliser Bote» berichtete gross über Alfons Rohrer. Warum immer Zermatt? «Es gefällt mir einfach dort. In Städten fühle ich mich weniger wohl.»

Mehr als acht ­Stunden im Zug

Pünktlich um 19.13 Uhr steigt Alfons Rohrer jeweils wieder in den Zug, bestellt im Speisewagen einen «Tessiner Teller» und kommt kurz vor Mitternacht wieder in Sachseln an. Jeden Dienstag haargenau gleich. Hat er noch nie zwei bis drei Stunden früher die Heimreise angetreten? «Das wäre ja schade um den Tag», sagt Alfons Rohrer und lacht. «Mir passt das so.» Über acht Stunden verbringt er jeden Dienstag im Zug – und langweilt sich dabei keine Sekunde. Übrigens: Jeweils im Winter gönnt sich Alfons Rohrer auch mal mehrere freie Tage am Stück und reist in die Ferien. Wohin? «Nach Zermatt!»

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