SACHSELN: FDP-Präsident nimmt CVP ins Gebet

Die CVP schielt mit einem neuen Kandidaten gleich aufs Präsidium. Die FDP fühlt sich vor den Kopf gestossen.

Matthias Piazza
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Er ist nun Gemeindepräsident: Peter Rohrer, CVP. (Bild: pd)

Er ist nun Gemeindepräsident: Peter Rohrer, CVP. (Bild: pd)

CVP-Kandidat Peter Rohrer hat in seiner Kandidatur für den Sachsler Gemeinderat auch gleich noch seine Ambitionen für das Gemeindepräsidium angemeldet. FDP-Ortsparteipräsident Jost Ettlin zeigt sich über das forsche Vorgehen irritiert. «Dafür fehlt uns das Verständnis. Wir haben mit meinem Rückzug Grösse gezeigt und damit stille Wahlen in den Gemeinderat ermöglicht. Das erspart den Parteien einen teuren Wahlkampf und schont die Gemeindekasse», hält er fest.

FDP ist am stärksten vertreten

Trotz dieses Rückzugs sei die FDP mit drei Vertretern die grösste Kraft im neu gewählten Gemeinderat. Nach dem überraschenden Tod von Gemeindepräsident Paul Vogler im September des vergangenen Jahres stellt die CVP noch zwei Sitze im Gemeinderat. «Unser FDP-Vizegemeindepräsident Anton Amrhein hat in dieser schwierigen Zeit die Gemeinde hervorragend interimistisch geführt», stellt er klar. «Das anerkennt auch die CVP. Es wäre mehr als gerechtfertigt, wenn sie uns das Präsidium nicht streitig machen würde und Anton Amrhein so in stiller Wahl zum Gemeindepräsidenten gewählt würde.»

Die Gemeinderatswahl hätte am 28. Februar stattgefunden. Mit dem Rückzug von Jost Ettlin sind nun sieben Kandidaten für die sieben Sitze verblieben. Die Frist für die Einreichung der Wahlvorschläge fürs Gemeindepräsidium läuft am Tag darauf ab.

«Dank meiner Führungserfahrung als ehemaliger Kommandant des Flugplatzes Emmen, als Chef des Sachsler Krisenstabes beim Unwetter 1997 oder als Präsident der Stiftung Felsenheim fühle ich mich für das Amt des Gemeindepräsidenten geeignet», begründet Peter Rohrer seine Ambitionen, über die er auch mit der FDP gesprochen habe. Auch sei er in vielen Vereinen und mit Sachseln sehr verwurzelt. Zudem habe der Bürger so eine echte Wahl. Der Zeitpunkt seiner Kandidatur begründet der 64-Jährige mit dem Umstand, dass er jetzt pensioniert sei und damit für dieses intensive Amt die notwendige Zeit aufbringen könne.

Zwei Präsidenten erinnern sich

Direkt als Neuling das Präsidium zu übernehmen, wäre kein Novum im Kanton Obwalden. Auch Beat von Wyl (Giswil) und Heinz Krummenacher (Alpnach) übersprangen beispielsweise das Amt des «einfachen» Gemeinde­rates.

«Wäre das Gemeindepräsidium nicht vakant gewesen, hätte ich vermutlich nicht für den Gemeinderat kandidiert», sagt Beat von Wyl (SP), der im Frühling 2012 mit seiner Wahl in den Gemeinderat auch gleichzeitig still als Gemeindepräsident von Giswil gewählt wurde. «Nach 14 Jahren im Obwaldner Kantonsrat fühlte ich mich bereit zu diesem direkten Weg.» Die wiederkandidierenden Gemeinderäte hätten ihm im Vorfeld auch ihre Unterstützung zugesichert.

«Natürlich ist es eine Herausforderung. Man muss sich mit den Abläufen vertraut machen, ins Amt hineinwachsen, braucht als Quereinsteiger etwas mehr Einarbeitungszeit. Zu Beginn ist man verstärkt auf den Gemeindeschreiber angewiesen», erinnert sich Heinz Krummenacher zurück. Der Parteilose war am 18. Mai 2014 zum Gemeinderat gewählt worden, und bereits einen Tag später war klar, dass er das Präsidium der Gemeinde Alpnach übernimmt, da sich kein anderes Mitglied des Gemeinderates dafür beworben hatte. Er sei von Anfang an von seinen Gemeinderatskollegen als «Chef» akzeptiert worden. Wohl habe der Umstand eine Rolle gespielt, dass niemand sonst Ambitionen für das Präsidium gehabt habe und es deshalb zu keiner Kampfwahl gekommen ist.

Eine «echte demokratische» Wahl

«In meinen Augen ist eine Kandidatur für das Gemeindepräsidium, auch von einem Quereinsteiger, sein politisches Recht. Jeder, der sich befähigt fühlt, soll davon Gebrauch machen», sagt der jetzige Vizepräsident und herausgeforderte Anwärter fürs Präsidium, Anton Amrhein (FDP), der die Gemeinde seit dem Tod Voglers interimsmässig führt. Mit der neuen Ausgangslage hätten die Bürger eine echte demokratische Wahl, was er sehr begrüsse. «Allerdings darf man das Amt nicht unterschätzen. Es braucht viele Detailkenntnisse über die einzelnen Dossiers und die Abläufe der Gemeindeverwaltung», gibt er zu bedenken.

Matthias Piazza

«Es braucht viele Detailkenntnisse über die einzelnen Dossiers.» Anton Amrhein, FDP-Kandidat. (Bild: pd)

«Es braucht viele Detailkenntnisse über die einzelnen Dossiers.» Anton Amrhein, FDP-Kandidat. (Bild: pd)