SACHSELN: Gegner mobilisieren gegen Siegerprojekt

Die Gemeinde braucht neuen Schulraum. Das Projekt dafür hat sie. Zurück auf Feld 1 möchten die Verfasser von zwei Flugblättern – zum Ärger des Gemeinderats.

Christoph Riebli
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Visualisierung des Neubauprojekts mit Schulhaus Türli (links) und Arni (rechts). (Bild: PD)

Visualisierung des Neubauprojekts mit Schulhaus Türli (links) und Arni (rechts). (Bild: PD)

«Nein zum Projektierungskredit» und «Schulhausbau Ja ... aber nicht so!» lauten die Titel zweier Flugblätter, die am Mittwoch im Briefkasten vieler Sachsler landeten. Und das nur wenige Tage vor der Urnenabstimmung vom 10. April zur Erarbeitung des Bauprojekts für den Neubau des Schulhauses Türli. Das eine Flugblatt stammt vordergründig von Malermeister Ruedi Hinter und Architekt Reto Iten. Letzterer Name taucht auch auf dem zweiten Papier auf, wie auch der von Berufskollege Markus Lögler oder auch der von Hanspeter Wallimann, Mitglied der Hochbaukommission.

Ist Vergleich statthaft?

Für Kopfschütteln sorgten die beiden Papiere im Gemeinderat. Kein Wunder, viel Arbeit und 330 000 Franken hat der Projektwettbewerb gemäss Submissionsgesetz gekostet – und schliesslich aus 66 Eingaben zum Siegerprojekt «Türli und Arni» geführt (zwei Neubauten für Primarschule und Kindergarten). «Es wurde dabei objektive, intensive und äusserst seriöse Arbeit geleistet», versichert Vizepräsident Anton Amrhein. Die in den Flugblättern erwähnte Alternative beruhe hingegen auf «einfachen Schlagwörtern und verfänglichen Annahmen», die weder vertieft geprüft noch nachvollzogen werden könnten.

Das versprechen die Flugblattverfasser: Mit den fast identischen Mitteln von rund 18 Millionen Franken könne nebst neuen Schulräumen auch gleich noch eine Dreifachturnhalle realisiert werden. Doch ist es tatsächlich statthaft, eine vage Projektidee mit einem ausgegorenen Siegerprojekt aus einem streng reglementierten SIA-Wettbewerb zu vergleichen? «Ja, der Vergleich mit dem Siegerprojekt ist zulässig», findet Architekt Markus Lögler. Er hat die Flugblattaktion zwar nicht orchestriert, steht aber als Vater der Bauidee inhaltlich voll dahinter, wie der einstige FDP-Gemeinderat bestätigt.

Wie sieht es mit Garantien aus, dass sein Vorschlag den Steuerzahler am Schluss nicht teurer zu stehen käme? «Nein, eine Garantie kann selbstverständlich nicht übernommen werden», erwidert Lögler, «es ist eine Kostenschätzung.» Ein gewisser Spielraum gehöre beim Bauen einfach dazu. Seine Zahlen beruhten auf kubischen Berechnungen sowie einer Dreifachturnhalle, die jüngst in Schötz gebaut worden sei.

Nachbrauchen und sparen

Der Sachsler Architekt ist derart von seinem verspäteten Einfall überzeugt – am Wettbewerb hatte er mit einem Projekt mit Türli aber ohne Turnhalle partizipiert –, dass er ein Nein an der Urne favorisiert, um so den Weg für einen neuen Wettbewerb zu ebnen. «Auch wenn man die bisherigen Wettbewerbskosten auf null abschreiben muss, würde immer noch massiv gespart.» Und auch wenn seine dereinst realisierte Idee «1 oder 2 Millionen Franken mehr kosten sollte, ist es immer noch viel günstiger». Sein Credo in einem Satz: «Wenn man gewillt ist, die alten Türli-Schulräume ‹nachzubrauchen› und nicht abzubrechen, ergibt das den finanziellen Rahmen für eine zusätzliche Dreifachturnhalle.»

Schulräume vor Turnhalle

Für Anton Amrhein laufen diese Argumentationen auf eine Glaubensfrage hinaus, im Gegensatz zur «langfristigen, verlässlichen und transparenten Planung», wie sie der Gemeinderat gegenüber der Bevölkerung zu verantworten habe. «Die Realität sieht anders aus», mahnt er. Eine vertiefte Bedarfsanalyse habe gezeigt, dass die bestehenden Schulanlagen im Dorf ihre Kapazitätsgrenze erreicht hätten. Zuoberst auf der Prioritätenliste der Gemeinde stehe deshalb nicht der Bau einer Turnhalle, sondern möglichst bald der Bau von neuen Schulräumen: «Eine solche Priorisierung ist zwingend nötig, denn über ein ordentliches Budget kann Sachseln keine Investitionen von 17 Millionen Franken oder noch mehr finanzieren», so der Bankfachmann weiter. Das Projekt «Türli und Arni» bedarf deshalb auch einer befristeten Zwecksteuer zur Finanzierung.

«Auftrag weiterführen»

Und zum Vorwurf, beim Projektwettbewerb den Fokus falsch gelegt zu haben und nun das Türli vorschnell einem Neubau zu opfern – für Markus Lögler «der entscheidende Fehler» –, sagt Amrhein: «Es stimmt. Wir haben einen Neubau auch nach der Kalkulation der langfristigen Kosten favorisiert. Doch jeder Teilnehmer hätte auch eine Variante mit Einbezug eines renovierten Türlischulhauses vorschlagen können.» Schon im Vorfeld des Architekturwettbewerbs habe es Stimmen gegeben, man dürfe das Türli nicht abreissen. «Aus Sicht der Finanzen ist der aktuelle Weg der überzeugendere.» Auch, weil es dafür keinen Landerwerb brauche.

Diese Ausgangslage und Rahmenbedingungen habe man im Vorfeld der Abstimmung im November 2014 transparent gemacht. Für einen Projektwettbewerb sprachen sich damals 63 Prozent der Sachsler aus. «Diesen Auftrag will der Gemeinderat weiterhin mit seriöser Arbeit und zielorientiert weiterführen.»

Christoph Riebli