Sachseln: Ein Hotel für Pilger und Prominente

Der Obwaldner Andreas Anderhalden zeichnet in seinem neuen Buch die Geschichte des «Kreuz» in Sachseln nach.

Zéline Odermatt
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Das Buch von Anderhalden überzeugt auch dank einer reichen und spannenden Bebilderung.(Bild: Dominik Wunderli (24. Juli 2019)

Das Buch von Anderhalden überzeugt auch dank einer reichen und spannenden Bebilderung.(Bild: Dominik Wunderli (24. Juli 2019)

Vom Gasthaus für Pilger zum modernen Hotel. In seinem neusten Buch erzählt der Obwaldner Autor Andreas Anderhalden die Geschichte des Hotels Kreuz. Der frühere Arzt ist in Sichtweite des Hotels, das mitten in Sachseln steht, aufgewachsen. Schon von klein auf hörte er die Geschichten über die Herberge und deren prominente Gäste – zu denen auch Kardinal Giovanni Montini (der spätere Papst Paul VI.) sowie der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer gehörten.

Die Anfänge des Hotels seien laut Anderhalden jedoch schwer zu bestimmen: «Sicher belegt ist ein Gasthaus in den Händen der Familie Götschi ab 1489, was zeigt, dass bereits zu Lebzeiten von Bruder Klaus Pilger und Passanten in Sachseln übernachten konnten.» Das Hotel habe die Geschichte des Dorfes ganz wesentlich mitgeprägt. Anderhalden schreibt, dass die Familie Götschi ihr Hotel Kreuz während fast 400 Jahren erfolgreich führen konnte.

Das modernste Hotel 
der Zentralschweiz

Einen der bedeutendsten Baufortschritte wagte 1845 der damals 83-jährige Nikolaus Salvator Götschi-Omlin. Er liess ein neues Gebäude im Biedermeier-Stil bauen, um dem aufkommenden Tourismus mit neuer, internationaler Kundschaft gerecht zu werden. Mit der Hochzeit seiner Enkelin Anna Maria wechselte der Besitz des Hotels später zur Familie Britschgi.

Anlässlich der Neueröffnung 1846 galt das «Kreuz» als das modernste Hotel in der Zentralschweiz. Zum Hotelbetrieb gehörten eine Mühle, eine Bäckerei, eine Pferdewechselstelle und ein Landwirtschaftsbetrieb.

Während des Ersten Weltkriegs wurden im Hotel Kreuz aufgrund seines «hervorragenden Rufs» Schweizer Offiziere einquartiert. In den nachfolgenden Jahrzehnten führte die Familie Britschgi das Hotel als Familienbetrieb (bis ins Jahr 1957) und profitierte vom neuen Kurtourismus. Die Kurgäste fanden sich täglich zum gemütlichen Beisammensein in der Laube des «Kreuzgartens» neben der Kirche ein – festgehalten auf einem Bild von 1901. «Legendär waren die vier ledigen ‹Kreuztanten›, von welchen jede ihren eigenen Sektor hatte», schreibt Anderhalden. 1958 machte das Hotel als «Mot-Hotel nach amerikanischem Vorbild» in der ganzen Schweiz Furore. Es wurden vier Moteleinheiten auf dem oberen Areal des Hotels errichtet, welche in den Betrieb integriert wurden. Darauf folgten jedoch schwierige Jahre – von einem Wasserschaden und wirtschaftlichen Turbulenzen bis zum massiven Unwetter von 1997, bei dem das Hotel grösstenteils zerstört wurde.

Unsichere Zukunft
 für das Hotel

Nach einem erneuten Wiederaufbau wurde das Hotel zuletzt von Bruno della Torre geführt. Der Besitzerfirma Eberli machte dieses Frühjahr jedoch die unbefriedigende Auslastung der Zimmer Sorgen. Deshalb machte sie sich Gedanken, das Hotel in Wohnungen umzubauen (Ausgabe vom 20. März 2019). Die Zukunft des Hotels ist offen, das Restaurant soll bleiben. Umso mehr ein Grund, um in der Vergangenheit zu schwelgen. Und das lässt sich mit Anderhaldens neuem, reich bebildertem Buch ausgezeichnet.

Andreas Anderhalden: «500 Jahre Gastfreundschaft. Das Hotel Kreuz ini Sachseln und seine Geschichte», Brunner Verlag, Kriens 2019, ISBN 978-3-03727-080-6, 136 Seiten, 40 Franken. Informationen unter www.rex-buch.ch.