SACHSELN: Glocken-Klangteppich im ganzen Kanton

Gegen 200 Glocken werden die Gedenktage von Niklaus von Flüe am 23. September einläuten und zwei Tage später beenden. Initiant ist Donato Fisch – selber ein Glockenfan.

Marion Wannemacher
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Donato Fisch im Glockenturm der Pfarrkirche. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 4. September 2017))

Donato Fisch im Glockenturm der Pfarrkirche. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 4. September 2017))

Marion Wannemacher

redaktion@obwaldnerzeitung.ch
 


«Ein Klangteppich von Glockengeläut wird sich über ganz Obwalden ausbreiten und sicher bei vielen einen Schauer auslösen», schwelgt Donato Fisch in Vorfreude auf den 23. September. Dann werden die Glocken von rund 80 katholischen Kirchen und Kapellen und 4 reformierten Kirchen in ganz Obwalden läuten – ein Friedensgeläute zu Ehren des 600-Jahr-Jubiläums von Niklaus von Flües Geburtsjahr. Gesamthaft, schätzt Fisch, könnten es wohl rund 200 Glocken sein.

Am Samstag, 23. September, treffen sich in Flüeli-Ranft Familien zur Besinnung und beschäftigen sich am Nachmittag mit dem Landesheiligen in Ateliers. Zum Abschluss des Familientags wird Regierungsrat Franz Enderli als Präsident des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe die Glocke im Rathaus präzise 30 Sekunden nach 16 Uhr läuten. «Von dort übernimmt die Dorfkapelle Sarnen das Geläute um 16.01 Uhr und dann eineinhalb Minuten nach 16 Uhr alle Kapellen nach Gehör», erklärt der Sachsler Kirchenverwalter. Als Initiant des Projekts hat er einen genauen Plan ausgefeilt, eine regelrechte Choreografie.

Übernahme nach Gehör oder genauer Funkzeit

«Die Kapellen, bis zu denen der Klang der Dorfkapelle Sarnen nicht durchdringt, beginnen spätestens zwei Minuten nach 16 Uhr mit ihrem Geläute. Damit sie nicht sofort übertönt werden, startet das Vollgeläute der katholischen und reformierten Kirchen um 16.03 Uhr», erklärt er den Plan. Um Viertel nach vier wird das Friedensgeläute aufhören, und in Flüeli-Ranft werden Alphornklänge und ein Betruf zu hören sein.

Am Bruder-Klausen-Tag (25. September) wird das Geläute in der oberen Ranftkapelle, wo von Flüe als Einsiedler lebte, die Gedenktage akustisch beenden. Dann wird sich das Geläute von der oberen zur unteren Ranftkapelle über die Kapelle Mösli hin zu allen weiteren Kapellen (18.01 Uhr) fortsetzen und ins Kirchengeläute von 18.02 bis 18.10 Uhr münden. Die grosse Moll-Oktav-Glocke im Sachsler Kirchturm beendet als letzte über dem Grab von Bruder Klaus das Geläute.

Was ist mit Engelberg, wo die Glocken nicht zu hören sind? «Engelberg und Grafenort machen mit», bestätigt Donato Fisch. «Sie setzen einfach nach Zeitplan ein, es gilt übrigens die Zeit auf dem Mobiltelefon.» Fisch musste zum Teil Grenzverläufe recherchieren. Die Holzwangkapelle auf dem Stanserhorn sei so ein Grenzfall gewesen, schildert er. Diese werde von Nidwalden aus betreut. Auch die Blackenalp oberhalb der Fürenalp bei Engelberg gehöre nicht mehr zu Obwalden.

Viele Glocken werden von Hand geläutet: «Die Renggkapelle in Alpnachstad, die Kapelle auf der Seewenalp ob Glaubenberg, die Möslikapelle in St. Niklausen, das Meichäppeli in Kerns, die Heiligkreuzkapelle in Sarnen», nennt der Kirchgemeindeschreiber einige Beispiele. Bewusst sei ihm auch, dass viele Alpen Ende September nicht mehr bestossen seien. «Falls es irgendwo Probleme mit dem Läuten gibt, finden sich sicher Freiwillige», glaubt der 56-Jährige. «Und ausserdem gibt es auch Privatkapellen und Schulhausglocken. Deren Besitzer dürfen sich gern am Friedensgeläute beteiligen.» Bislang ist seine Initiative nur auf offene Ohren gestossen, angefangen im Dekanat, wo er die Idee vor einer guten Woche vorgestellt hat. «Gefreut habe ich mich vor allem, dass die reformierte Kirchgemeinde spontan zugesagt hat.»

Bei Glockengeläut stellen sich die Nackenhaare

Zeit seines Lebens hat Donato Fisch eine besondere Beziehung zu Glocken: «Wir hörten als Familie früher am Samstagabend, wenn im Radio der Sonntag mit den ‹Glocken der Heimat› eingeläutet wurde. In der Silvesternacht stellen sich mir regelmässig die Nackenhaare auf, wenn es läutet.» Der gebürtige Rapperswiler war auch 2008 dabei, als im Bleniotal in der romanischen Kirche San Carlo di Negrentino auf Initiative des Obwaldners Hans Wallimann nach 60 Jahren Funkstille eine Glocke repariert und eingeweiht werden konnte.

Wo hat Fisch die Idee mit dem Glockengeläute her? «Aus dem Archiv. Vor 100 Jahren gab es zum Todestag am 21. März Glockengeläut und Kanonenschüsse. Und das schon um 5 Uhr morgens. Dann waren die Obwaldner wach», schmunzelt er.