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SACHSELN: Hans Baumli: «Froh, dass ich noch ausreichend fit bin»

Für die Arbeit, die Hans Baumli draussen in der Natur leistet, ist Freiwilligenarbeit kaum das richtige Wort. Es sind vielmehr Spass und Freude, die ihn bei der Pflege der Wanderwege begleiten.
Primus Camenzind
Sein Lohn ist Dankbarkeit: Hans Baumli kümmert sich um Wanderwege oberhalb von Sachseln. (Bild: Corinne Glanzmann (9. August 2017))

Sein Lohn ist Dankbarkeit: Hans Baumli kümmert sich um Wanderwege oberhalb von Sachseln. (Bild: Corinne Glanzmann (9. August 2017))

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Mit dem Sprichwort «Tue Gutes und sprich davon» hat der 71-jährige Rentner aus Sachseln wenig bis nichts am Hut. «Es ist ja kaum etwas Besonderes, wenn ich mich um die Sachsler Wanderwege kümmere», meint er und findet deshalb, dass seine Tätigkeit auch nicht «zeitungswürdig» ist. Trotzdem lässt er sich zu einem Lokaltermin mit unserer Zeitung überreden. Der Schreinermeister fährt uns steil bergauf und durch zahlreiche Spitzkehren zum Standort Gloters – hoch über Sachseln. Oben angekommen sticht uns nicht nur die faszinierende Aussicht aufs Sarneraatal und in Richtung Vierwaldstättersee ins Auge. Neben dem heimeligen Unterstand mit Tisch und Sitzbank liegen nämlich leere Branntweinflaschen, Pizzakartons und allerhand Picknick- und Partygüsel auf dem Boden. Dies, obwohl ein Schild zu Reinlichkeit und Ordnung mahnt.

«Kein Problem», meint Hans Baumli ohne Ärger, «das gehört halt leider auch dazu.» Er nimmt alles auf, steckt es in einen Plastiksack und verstaut das Zeug in seinem Auto. Gleichzeitig holt er eine kräftige Motorsense aus dem Kofferraum. «Damit beschneide ich an den Rändern der Wanderwege die Gräser und Sträucher», klärt er uns auf und macht sich mit dem Gerät sogleich an einem kleinen, bergabwärts führenden Pfad nützlich. «Ich bin schon froh, dass ich sechs Jahre nach der Pension noch ausreichend fit bin, um diese Aufgaben im häufig steilen Gelände erledigen zu können», meint Baumli. Und dass er uns nach Gloters führte, ist kein Zufall. Vor dem Hüttli steht nämlich auf einer mannshohen Eisentafel geschrieben: «Mittelpunkt Obwalden – amtlich vermessen». Diese Tatsache gehe etwas unter, sind wir uns einig, denn wenige Kilometer entfernt, auf Älggialp, befindet sich der weitaus bekanntere Mittelpunkt der Schweiz.

Früher vor allem am Bürotisch gesessen

Wir setzen uns auf die Bank und lassen den Gastgeber aus seinem Alltag erzählen. Gegenwärtig wirkt Hans Baumli in einer Kommission namens «Mehr Ranft» mit. Sie kümmert sich um die Belange der Gemeinde Sachseln im Rahmen des Bruder-Klausen-Jahres. «Meine handwerkliche Begabung ist hin und wieder auch gefragt, wenn es darum geht, bei Bekannten, Alleinstehenden und Nachbarn im Innern des Hauses etwas zu flicken oder im Garten das eine oder andere in Stand zu stellen», verrät er.

In vielen Berufsjahren hatte der Schreinermeister vor allem im Büro zu tun. Umso mehr Spass bereitet ihm jetzt die Holzschnitzerei. «Figuren, Krippen, allerlei Gefässe – als Geschenke halt.» Und da gibt’s natürlich seine Frau Marie-Louise, vier erwachsene Kinder und zwei Grosskinder, «die hin und wieder bei uns zu Besuch oder in den Ferien sind». «Mit meiner Frau besuche ich hin und wieder ganz gerne ein Theater.» Unlängst war es «Veronika Gut» im Landschaftstheater Ballenberg.

Ungezwungen sein, selber einteilen können

Schon beim früheren Broterwerb empfand Hans Baumli nach eigener Darstellung «fast immer Lust am Schaffen». Was ihn jetzt noch mehr bei Laune hält, ist die Tatsache, dass er draussen ist, einen halben Tag werken und – wenn er das so will – wieder aufhören kann. «Ungezwungen sein und selber einteilen können», erwähnt er als Teil der Privilegien. Obwohl er meist im Stillen seine unspektakulären Arbeiten mit einem oder zwei Kollegen verrichtet, spürt Baumli Dankbarkeit. «Man begegnet im Freien häufig Menschen, die schätzen, was wir tun, und das auch sagen.» Für ihn sei dies der Lohn für sein Engagement. Das gelte wohl auch für die Kollegen. «Wir pflegen gute Kameradschaft und geniessen die gemeinsamen ­Znünipausen.»

Wir fragen nach einer Anekdote. Hans Baumli hält vorerst eine allgemeine Antwort bereit: «Wir haben es lustig miteinander» – foppen und humorvolle Kritiken seien an der Tagesordnung. Und er wird konkret: «Als ich Ende Juli zusammen mit meinen beiden Kollegen den Wanderweg von Oberbüelen auf den Höch Dossen mähte, ging mir just auf den letzten 150 Metern der Sprit aus. Guter Rat war teuer! Wir beschlossen kurzum, den Rest erst im nächsten Jahr zu erledigen. Und dafür wurden wir erst noch belohnt. Mit leerem Tank war die Mähmaschine nämlich wesentlich leichter den Berg hinunterzutragen.» Bei der Pflege der Wanderwege sei durchaus auch Eigeninitiative gefragt: «In diesem Sinne durfte ich auf dem Sachsler Höhenweg, der verschiedene Bäche überquert, die Gewässer mit selber erschaffenen Tafeln beschriften.»

In Gedanken mit der Zukunft befassen

Schlussendlich ist ihm die Feststellung wichtig, dass in der Schweiz viele Menschen Freiwilligenarbeit verrichten «und nicht alle die Gelegenheit haben, in der Öffentlichkeit darüber zu reden». In seinem Alter nimmt Hans Baumli Tag für Tag. «Immer, wenn ich nach Hause komme, bin ich zufrieden, dass es mir körperlich gut geht. Aber gleichwohl muss auch ich mich mit dem Gedanken befassen, dass die Zeit kommt, in der diese Art von Freiwilligenarbeit nicht mehr möglich sein wird.» Für den Moment stehen jedoch vor Einbruch des Winters noch einige Stunden Arbeit an: «Im Gebiet Abgschütz, auf der Route zwischen Älggi-Seefeld und Melchsee-Frutt, müssen wir noch Verbesserungen am Wanderweg ausführen und einige Winkeleisen montieren, damit der Weg etwas besser passierbar wird.»

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