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SACHSELN: Heiligsprechung wurde unter Geistlichen ausgehandelt

Heiligkeit – etwa die von Bruder Klaus – wurde in der Barockzeit in langen Prozessen mit Päpsten, Priestern und Gläubigen ausgehandelt. Der Historiker Daniel Sidler verfolgt die Verfahren nun in einer Studie.
Romano Cuonz
Die älteste Darstellung von Bruder Klaus: das Altarbild von Sachseln von 1492. (Bild: Romano Cuonz (23. Januar 2018))

Die älteste Darstellung von Bruder Klaus: das Altarbild von Sachseln von 1492. (Bild: Romano Cuonz (23. Januar 2018))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Spannend wie ein Krimi beginnt der 32-jährige Aargauer Historiker Daniel Sidler seine Studie unter dem Titel «Heiligkeit aushandeln – Katholische Reform und lokale Glaubenspraxis in der Eidgenossenschaft 1560–1790». Er beschreibt darin, wie in der Stadt Luzern unter dem Geläut sämtlicher Glocken, bewacht von Ordnungshütern und angehimmelt von zahllosen Menschen, neue «Machthaber» durch die Gassen getragen wurden: in prunkvoller Prozession, auf einer Sänfte gar.

Erst zuletzt verrät Sidler, dass es sich dabei nicht um weltliche Herrscher handelte, vielmehr um Reliquien von Heiligen: dazu gehörte auch der Rock von Bruder Klaus. Die römische Kurie hatte den Obwaldner kurz zuvor seliggesprochen. Und kaum war dann sein Rock in der Jesuitenkirche, wurde er auch schon «wundertätig». All das feierliche Zeremoniell und Brimborium verfolgte vor allem ein Ziel: die Erhebung der lokalen Kultfigur «zu Ehren der Altäre» durch den Papst. Anders gesagt: Einer Heiligsprechung sollte aus der Ferne nachgeholfen werden.

Schauplatz waren Gnadenorte

Die umfangreiche Forschungsarbeit führte Daniel Sidler unter anderem auch nach Ob- und Nidwalden: etwa nach Sachseln zu Bruder Klaus oder nach Wolfenschiessen zu Bruder Konrad Scheuber. Die wichtigste These, die Sidler dabei verfolgt: Trotz Bemühungen der Kirche, das ganze Verfahren im Vatikan zu zentralisieren, war die Zuschreibung von Heiligkeit einem eigentlichen Aushandlungsprozess unterworfen. Sidler zeigt detailliert auf, wie daran – neben dem jeweiligen Papst und den Kardinälen – immer auch lokale Geistliche beteiligt waren. Ja selbst die «Vielseligen» griffen mit mehr oder weniger glaubwürdigen Wundern in den Prozess auf Erden ein.

Sehr klar und anhand vieler Beispiele zeigt Sidler in seinem Buch auf, wie nicht mehr Rom, sondern die Gnadenorte wichtiger Schauplatz dieses Aushandlungsprozesses wurden. Der selige Bruder Klaus wurde an seinem Grab verehrt. Auch wenn ihm jahrhundertelang noch keine Sakralräume geweiht werden durften, war er in Kirchen und Kapellen «zu Gast».

Ausgehandelt wurde nicht bloss die Heiligkeit himmlischer Figuren, sondern auch jene von einigen ihrer Bilder und Kultobjekten. In theatralischer Inszenierung gewannen sie für die Verehrung oft entscheidende Bedeutung. Historiker Sidler zeigt in seiner Arbeit auf, wie lokale Geistliche oder einfache Gläubige die Heiligsprechung geradezu forciert hatten. Anhand vieler Beispiele erfährt der Leser aber auch, wie sich die Verehrung der «Vielseligen» nur zu oft in einer kirchenrechtlichen Grauzone bewegt hatte.

Dennoch gingen die römische Kurie und ihre Vertreter vor Ort nur selten dagegen vor. Bruder Konrad Scheuber in Wolfenschiessen beispielsweise wurde – wenn auch inoffiziell – für alle ersichtlich als Patron einer Pfarrei, ja einer ganzen Talschaft verehrt. Sidler verschweigt auch nicht, wie der Stand Obwalden die Selig- und Heiligsprechung von Bruder Klaus an gute Beziehungen mit der römischen Kurie, ja gar an die Lieferung von Söldnern für den Papst zu knüpfen versuchte. Sidlers Recherchen zur «Aushandlung von Heiligkeit» haben nicht zuletzt auch aus aktueller Sicht eine gewisse Brisanz: bemühen sich doch kirchliche Kreise seit einigen Jahren sehr intensiv darum, eine Kanonisierung von Bruder Klausens Frau Dorothee zu erreichen.

Hinweis
Die Studie «Heiligkeit aushandeln» von Daniel Sidler ist im Campus-Verlag Frankfurt/New York in der Reihe «Historische Studien» erschienen. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich.

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