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SACHSELN: Kommandant kündigt nach Streit

Wegen Auseinandersetzungen mit dem Gemeinderat ist der Sachsler Feuerwehrkommandant Martin Rohrer per sofort zurückgetreten. Im Kader herrscht grosse Unruhe. Nun laufen sogar auf kantonaler Ebene Krisensitzungen.
Adrian Venetz
Martin Rohrer, bisheriger Feuerkommandant von Sachseln tritt zrück.

Martin Rohrer, bisheriger Feuerkommandant von Sachseln tritt zrück.

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Der Sachsler Feuerwehrkommandant Martin Rohrer hat nach Differenzen mit dem Gemeinderat seinen sofortigen Rücktritt eingereicht. Gemeindepräsident Peter Rohrer bestätigt auf Anfrage entsprechende Informationen unserer Zeitung. Der Rücktritt führte zu grossen Unruhen innerhalb der Sachsler Feuerwehr – weitere Offiziere haben ihren Rücktritt angekündigt. Peter Rohrer bestätigt die Turbulenzen im Hintergrund, ohne allerdings auf Details einzugehen.

Offenbar sorgte sich die Gemeinde wegen dieser Unruhen um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und suchte mit dem kantonalen Feuerwehrinspektorat und den betroffenen Offizieren an einer Krisensitzung das Gespräch. «Die Einsatzbereitschaft der Sachsler Feuerwehr ist gewährleistet», resümiert Gemeindepräsident Peter Rohrer die bisherigen Verhandlungen. Deshalb habe man die Bevölkerung bislang nicht informiert.

Als Obwaldner Feuerwehrinspektor amtet – erst seit einer Woche – der Nidwaldner Toni Käslin. Im Zuge der Pensionierung des bisherigen Inspektors Peter Gautschi wurden die Feuerwehrinspektorate Ob- und Nidwalden zusammengelegt (wir berichteten). Käslin bestätigt auf Anfrage, dass er bereits kurz nach Amtsantritt für die besagte Krisensitzung nach Obwalden gerufen wurde. «Weil es zwischen dem Gemeinderat und dem Sachsler Feuerwehrkader Differenzen gab, führten wir am Mittwoch ein Gespräch», so Käslin. «Die Ortsfeuerwehr ist Sache der Gemeinden», betont er. «Das Feuerwehrinspektorat ist aber die fachlich vorgesetzte Stelle und übt auch eine Aufsicht aus.» In der aktuellen Phase nehme er als Feuerwehrinspektor die «Aufgabe als Vermittler» wahr. Käslin sagt, er werde sich nächste Woche erneut mit den Sachsler Feuerwehroffizieren und dem Gemeinderat an einen Tisch setzen.

Streit bis vor Bundesgericht

Von offizieller Seite sind kaum Informationen zu erhalten, warum sich der Gemeinderat und das Feuerwehrkader derart in den Haaren liegen. Dem Vernehmen nach kam es bereits vor Jahren zu Auseinandersetzungen zwischen dem Feuerwehrkommandanten Martin Rohrer und dem Gemeinderat. Darauf schliessen lässt auch ein Bundesgerichtsurteil vom Oktober 2015. Auslöser war die Tatsache, dass die Gemeinde ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr anschaffen wollte und 2014 ein Submissionsverfahren startete. Der Feuerwehrkommandant führt selbst eine Firma in Sachseln, die solche Spezialfahrzeuge für Feuerwehren anfertigt und ausliefert. Neben zwei anderen Unternehmen reichte auch die Firma des Kommandanten eine Offerte ein – und erzielte prompt die Maximalpunktzahl. Die Offerten der beiden anderen Firmen waren chancenlos.

Der Grund dafür dürfte sein, dass der Feuerwehrkommandant die zuständige Kommission der Gemeinde bei der Erstellung des Pflichtenhefts beraten und sogar selbst eine Kosteneinschätzung für das neu zu beschaffende Fahrzeug vorgenommen hat – und sich so Wettbewerbsvorteile verschaffte. Dies sah zumindest der Gemeinderat so. Er brach das Submissionsverfahren ab, weil ein fairer Wettbewerb nicht möglich war. Der Feuerwehrkommandant wehrte sich als Geschäftsführer seiner Firma bis vor Bundesgericht gegen den Abbruch des Submissionsverfahrens – doch er unterlag. Das Bundesgericht hielt fest, dass der Feuerwehrkommandant beim Submissionsverfahren einen «wesentlichen Informationsvorsprung» gegenüber den Konkurrenten hatte, was einen «fairen Wettbewerb ausschliesst». Die Gemeinde habe das Submissionsverfahren zu Recht abgebrochen.

Noch immer Zwist wegen Materialbeschaffung

Zwischen den Zeilen des Urteils aus Lausanne liest sich überdies heraus, dass es vielleicht nicht die klügste Idee des Gemeinderats war, die Firma ihres Feuerwehrkommandanten überhaupt zu diesem Submissionsverfahren für die Beschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeugs einzuladen.

Gemeindepräsident Peter Rohrer bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung Informationen, wonach sich die Differenzen zwischen dem Gemeinderat und der Feuerwehr auch heute noch unter anderem um die Beschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge drehen.

Wenig zur Beruhigung der Verhältnisse beigetragen haben dürfte auch ein Ereignis im Herbst 2015. Damals sorgte die Feuerwehr Sachseln für Aufruhr, als sie einen alten Stall zu Übungszwecken abbrennen liess. Das lichterloh brennende Gebäude und die Rauchsäule waren im Sarneraatal weitherum zu sehen. Die kantonale Umweltabteilung und das Bundesamt für Umwelt kritisierten die ungewöhnliche Brandübung scharf. Der Fall landete bei der Obwaldner Staatsanwaltschaft, die in der Brandübung aber kein strafbares Verhalten sah. Das Bundesamt für Umwelt verzichtete wegen der unklaren Rechtslage schliesslich auf eine Beschwerde.

Der damalige Vorfall sei bei den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Gemeinderat und Feuerwehr aber kein Thema, sagt Gemeindepräsident Peter Rohrer.

Weder der zurückgetretene Feuerwehrkommandant Martin Rohrer noch sein Stellvertreter Peter Rohrer – er heisst gleich wie der Gemeindepräsident – waren vorgestern und gestern für eine Stellungnahme erreichbar.

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