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SACHSELN: Schlummern Schätze in Obwalden?

Der Nachlass des berühmten Obwaldner Künstlers Giuseppe Haas-Triverio wird neu geordnet. Wie von selbst hat sich eine Ausstellung von Holzschnitten rund um Bruder Klaus ergeben.
Marion Wannemacher
Beat Stutzer im Ausstellungsraum in Sachseln, wo Holzschnitte von Giuseppe Haas-Triverio rund um Bruder Klaus gezeigt werden. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 25. August 2017))

Beat Stutzer im Ausstellungsraum in Sachseln, wo Holzschnitte von Giuseppe Haas-Triverio rund um Bruder Klaus gezeigt werden. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 25. August 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

Der Raum am Dominiweg ist hell und freundlich. «Hier hinein wird die Stiftung nach der Ausstellung zügeln», sagt Beat Stutzer. «Der Raum ist klein, aber perfekt für Ausstellungen», findet er. Der Kunsthistoriker ist damit beauftragt, den Nachlass des berühmten Obwaldner Künstlers Giuseppe Haas-Triverio professionell aufzuarbeiten. Als ehemaliger Direktor des Bündner Kunstmuseums Chur und Konservator des Segantini-Museums in St. Moritz ist er dafür prädestiniert. Der Auftrag kam ihm wie gerufen. «Ich stamme aus der Innerschweiz und wollte dahin auch wieder zurück», sagt er. Seit Juli wohnt er nun in Luzern.

Mit dem Entschluss der Stiftung, den Nachlass zu inventarisieren und neu zu ordnen, sei die Idee entstanden, die Holzschnitte, die Haas-Triverio rund um die Heiligsprechung von Bruder Klaus geschaffen hat, zeitgleich zum Visionsgedenkspiel, das am vergangenen Samstag Premiere feierte, auszustellen.

Drucke mit Visionen und Lebensstationen

Gezeigt werden insgesamt elf Drucke und ein Druckstock mit Lebensstationen und Visionen des Landesheiligen. Die meisten stammen von 1947, dem Jahr der Heiligsprechung. Darunter ist aber auch die berühmte emblematisch anmutende Darstellung des betenden Bruder Klaus von 1924 und die des sogenannten Mahners von 1937. Bruder Klaus streckt auf dieser die Schwurfinger – Daumen, Zeig- und Mittelfinger – auf.

Mit der Hinwendung des weltoffenen Sachsler Künstlers zu Bruder Klaus war die damalige Kunstwelt nicht glücklich. Der Maler, der als Joseph Haas auf die Welt kam, sich nach einer Handwerkslehre als Maler auf Wanderschaft nach Italien begab, künstlerisch tätig wurde und sich nach seiner Heirat mit der Italienerin Secondina Triviero Giuseppe Haas-Triverio nannte, kehrte 1941 als gestandener Künstler nach Sachseln zurück. Vor allem seine Holzschnitte machten ihn bekannt. Hauptsächlich stellte er Landschaften, Ansichten von Häusern und Baudenkmäler dar.

Bruder Klaus: Ja, aber nur marginal

«Um Bruder Klaus kam er jedoch nicht herum», erklärt Beat Stutzer. Der Sachsler Wallfahrtskaplan Konrad Scheuber beauftragte Giuseppe Haas-Triverio damit, die Stationen von Niklaus von Flüe darzustellen. Haas-Triverio habe von der schwierigsten Aufgabe seines Künstlerlebens gesprochen. Für den Landschaftsdarsteller galt es nun, Menschen abzubilden, Geschichten zu erzählen. Doch die Beschäftigung mit dem späteren Nationalheiligen sei in seinem gesamten Werk als marginal, als geringfügig anzusehen, schätzt Beat Stutzer ein. Von Kritikern wurde er mittlerweile links liegen gelassen. In der «Neuen Zürcher Zeitung» urteilte 1949 ein Autor über die Darstellung von Bruder Klaus: «Die motivgebundene Pathetik des Heimatstils der Vierzigerjahre liess Haas-Triverio von seiner eigenen Linie abkommen.» Nur das Ungegenständliche, Freiheitliche habe in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Beachtung gefunden. «Alles andere wurde als rückständig und reaktionär angesehen. Heute hat man einen distanzierten Blick und beurteilt das anders», sagt der Kunsthistoriker.

Beat Stutzer freut sich auf das Zügeln in die von Stiftungsratsmitglied Kurt Sigrist zur Verfügung gestellte Lokalität, denn bislang sind die Bilder auf noch viel engerem Raum untergebracht. Stutzer habe aus diesem Grund noch keinen Überblick, um wie viele Werke es sich handle. «Ich schätze, es sind Hunderte, auch einiges an Ölmalereien, das liegt brach.»

Kunsthistoriker hofft auf Überraschungen

Auch Briefe, Sammlungen und Artefakte aus Ägypten seien vorhanden ebenso wie etruskische Objekte. «Spannend finde ich die Aufgabe, nicht nur wissenschaftliche Grundlagen zu schaffen, sondern den Künstler auch kunsthistorisch einzuordnen. Haas-Triverio ist ein Künstler von nationaler Bedeutung.» Der Kunstexperte rechnet fest damit, dass sich gerade in Obwalden noch Werke im Privatbesitz befinden. «Vielleicht ist darunter auch etwas, das uns nicht bekannt ist», hofft Beat Stutzer auf Überraschungen.

Hinweis

Holzschnitte von Giuseppe Haas-Triverio. Dominiweg 1, Sachseln. Noch bis 1. Oktober täglich geöffnet von 10 bis 19 Uhr.

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