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SACHSELN: Vom Rollstuhl direkt in den Rennbob

Menschen im Rollstuhl können Bob fahren. Mike Bucher nahm am ersten Parasliding World Cup teil und kämpft für Aufnahme an den Paralympics.
Mike Bucher am Parasliding World Cup in St. Moritz. (Bild: pd)

Mike Bucher am Parasliding World Cup in St. Moritz. (Bild: pd)

Matthias Piazza

2 Minuten, 3 Sekunden und 17 Hundertstel: Eine Zeit, auf die Mike Bucher stolz ist. «Meine Erwartungen wurden übertroffen», schwärmt der 27-jährige Sachsler. Er erreichte den 6. Platz am Parasliding World Cup in St. Moritz der ersten Bobweltmeisterschaft für Paraplegiker, also Menschen, die gelähmt sind. Umso grösser sei die Überraschung gewesen, weil er in den Qualifikationsläufen noch mit einem anderen Bob unterwegs war. «Das ist, als ob man plötzlich mit anderen Skischuhen fährt.» Mit dem 6. Platz glänzte er unter den 16 Teilnehmern als besten Schweizer.

Gute Fahrkünste gefragt

«Ich liebe die Geschwindigkeit über alles», begründet er seine Faszination für den Bobsport. «Man ist alleine, kann die Geschwindigkeit beeinflussen, indem man die Fliehkräfte geschickt ausnutzt.» Geschwindigkeiten von über 110 Kilometern pro Stunde seien keine Seltenheit. Dabei werde man mit dem dreieinhalbfachen Körpergewicht in den Bobsitz gedrückt. «Angst darf man bei diesem Sport sicher nicht haben.» Gute Fahrkünste sind gefragt. «Wenn man nicht genau in die Kurve lenkt, könnte es sein, dass der Bob kippt», was ihm selber glücklicherweise noch nie passiert sei. Weil Menschen mit einer Behinderung nicht so gut den Kopf einziehen können, werden die Bobs auf der Seite erhöht. Aus Sicherheitsgründen wurde zudem nicht von zuoberst gestartet, um nicht die Maximalgeschwindigkeit von Tempo 140 wie bei den normalen Bobrennen zu erreichen. Ansonsten unterscheide sich nicht viel ausser, dass der Bob von Hand statt mit den Füssen gebremst werde und nur Platz für einen statt für zwei Fahrer habe. «Das Bobfahren gibt mir Freiheit. Ich realisiere dann gar nicht mehr, dass meine Beine gelähmt sind», beschreibt er das Gefühl, wenn er die Bobbahn hinunterflitzt. Bereits 24 Fahrten absolvierte er diesen Winter.

Paralympics als Ziel

Der gebürtige Kernser, der sich aktiv für die Förderung des Parasliding einsetzt, ist überzeugt, dass das Interesse der Paraplegiker an der Sportart vorhanden ist. In drei oder sieben Jahren will er das Bobfahren mit voller Unterstützung an die Paralympics bringen. Er bezeichnet sich als echten Bewegungsmenschen, trainiert regelmässig im Fitnessstudio, spielt Basketball, fährt Handbike, Quad (Motorrad mit vier Rädern), im Winter Ski und jetzt noch Bob. Trotzdem: Sport bleibe für ihn wohl ein Hobby. Als Maschinentechniker optimiert und entwickelt er in einem 70-Prozent-Pensum bei Maxon Motor in Sachseln Verpackungen für Motoren. Der ehemalige Mister-Handicap-Kandidat 2012 ist seit dem Oktober 2004 gelähmt, als er mit einem Roller gegen einen Baum auf einer Verkehrsinsel fuhr.

Noch in den Kinderschuhen

«Bob für Menschen mit einer Körperbehinderung steckt noch total in den Kinderschuhen, erst wenige Athleten betreiben diese Sportart», erklärt Veronika Roos, Generalsekretärin bei Swiss Paralympic, welche die Behindertenspitzensportler für die Paralympics sowie Welt- und Europameisterschaften selektioniert. Doch der internationale Bobverband sei sehr daran interessiert, die Disziplin paralympisch zu machen. «Allerdings sind die Hürden recht hoch, gerade bei Winterdisziplinen, und Bob ist eine teure Sportart, die nicht von sehr vielen Nationen ausgeübt wird», gibt sie zu bedenken. Für 2018 werde es auf keinen Fall reichen, selbst für die 2022 könnte es knapp werden. Die Unterstützung von Swiss Paralympic sei auf sicher. «Wir werden die Entwicklung des Para-Bobsports mit Interesse verfolgen und eine allfällige Bewerbung der Sportart, welche durch den Internationalen Bob- und Skeleton-Verband eingereicht werden muss, begrüssen.»

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