SACHSELN: «Wir sind wie eine grosse Familie»

Die Fasnacht wirft ihre Schatten voraus. In der Kinderkrippe Rapunzel wird gebastelt, gemalt und genäht. Für Krippenleiterin Franziska Spichtig ein willkommenes Thema im Jahreskreis.

Marion Wannemacher
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Franziska Spichtig, Leiterin der Kinderkrippe, bastelt mit den kleinen «Bäckern» Brezeln. Von links: Hanna, Rosa; rechts die Zwillingsbrüder Aurel und Julian. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 9. Februar 2017))

Franziska Spichtig, Leiterin der Kinderkrippe, bastelt mit den kleinen «Bäckern» Brezeln. Von links: Hanna, Rosa; rechts die Zwillingsbrüder Aurel und Julian. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 9. Februar 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

 

Im Garten gackern die Hühner. Hanna, Rosa, Julian und Aurel lässt das heute kalt. Sie sitzen gespannt um den Tisch in der Küche, vor sich eine Brezel aus Pappmaschee. «Wir malen sie an», leitet Franziska Spichtig, Leiterin der Kinderkrippe Rapunzel, an und erklärt den Kindern, wie Laugenbrezeln hergestellt werden und wie sie aussehen. «Zwei von euch dürfen schon mal im Garten Kiesel sammeln, die kleben wir später als Salz auf die Brezeln, zwei dürfen malen.» Aurel und Hanna lassen sich von Praktikant Ruben Rigassi beim Anziehen helfen. Julian und Rosa malen. Ermes will nicht mitmachen. Kein Problem.

«Das Fasnachtsmotto dieses Jahres in Sachseln ist ‹iises Hobby›», erklärt sie. «Und unser Hobby ist Backen.» Jedes Jahr ist die Kinderkrippe Rapunzel am Kinderfasnachtsumzug dabei. «Wir waren schon Biindli und Imker, Toblerone-Schoggi, Schneewittli und Zwerge, Pinguine und Indianer», erinnert sich die 38-Jährige. Dieses Jahr haben sich 35 Teilnehmer angemeldet: Eltern und Geschwister machen gern mit. «Fasnacht ist so beliebt wie unser Rapunzelreisli im Sommer. Wir sind wie eine grosse Familie.»

Selbst genähte Bäcker­kappen und Papiertorten

Beim Vorbereiten legen die Eltern mit Hand an. An einem Abend wurden gemeinsam Bäckerkappen genäht, an einem anderen Torten aus Pappe und Papier gebastelt. Franziska Spichtig probiert den Kindern die Mützen an. Sie sitzen perfekt.

«Jedes Jahr meint man, es gebe nicht so viel Aufwand, und ist dann trotzdem überrascht, dass so viel zu tun ist», meint die diplomierte Kindergärtnerin. «Es ist schön, wenn man zusammen etwas vorhat, darauf hinarbeitet und die Begeisterung wächst.» Früher wurde im Ofen gebacken. Gebacken wird in der Krippe auch heute noch – im Kachel- oder Backofen und im Sommer auch draussen am Feuer. Gekocht wird bei Rapunzel selbst, Kinder, die mögen, helfen mit.

In der Küche ist es heimelig warm. Der Kachelofen wird von hier aus angeheizt und gibt seine behagliche Wärme in der Stube und im Flur ab. Die Kinderkrippe Rapunzel residiert in einem besonderen Haus: Im Mittelalter stand an dieser Stelle der Sitz des Landammanns, das jetzige Haus ist das historische Turmhaus. Aufgewachsen ist Franziska Spichtig gerade mal 500 Meter weiter. Sie ist die Tochter des verstorbenen Bildhauers und Kulturpreisträgers Alois Spichtig.

Das Turmhaus brachte sie auf den Namen Rapunzel. Im Oktober 2011 eröffnete sie die Krippe integriert im eigenen Familienhaushalt, mittlerweile ist die Krippe in die andere Haushälfte gezügelt. Sich selbstständig zu machen, war ein mutiger Schritt für die alleinerziehende Mutter dreier Kinder (Lena, 14 Jahre, Merlin, 12 Jahre, und Wanja, 11 Jahre). «Von der Konzeptarbeit über die Bewilligung bis zum ersten Krippenkind lief alles wie am Schnürchen.»

Mittlerweile gibt es drei Gruppenleiterinnen im Teilpensum, eine Erzieherin und einen Praktikanten im Team. 25 Kinder besuchen die Kinderkrippe. Zu Haus und Hof gehören Hühner, Hasen, zwei Katzen und zwei Schildkröten. Die Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde ermöglicht Sozialtarife. Eltern mit Kaderberufen und Eltern mit geringerem Einkommen schicken ihre Sprösslinge in die Kinderkrippe. «Den Kindern spielt die Herkunft ihrer Gspändli keine Rolle», sagt Franziska Spichtig.

«Jede Menge Möglichkeiten, Spass zu haben»

Celine Müller ist zum Schnuppertag da, mit Ruben, dem Praktikanten, tauscht sie sich aus. «Die Kinderkrippe ist sehr familiär», lobt er. «Meine Aufgabe ist es, die Kinder zu begleiten und besorgt zu sein, dass es ihnen gut geht. Für die Kinder gibt es hier jede Menge Möglichkeiten, Spass zu haben.» Inzwischen hat es sich Franziska mit den Kindern in der Stube gemütlich gemacht. Sie erzählt ihnen das Märli von Frau Holle. Und bald gibt es Mittagessen. Die Tage gehen schnell vorbei in der Kinderkrippe Rapunzel.