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SACHSELN/ATLANTA: Ihr Zuhause ist die ganze Welt

Als Konsul zieht Erwin Gasser mit seiner Familie alle vier Jahre in ein neues Land. Seit dem ersten Posten im Jahr 2002 haben sie so einiges erlebt. Auch wenn sie keine Erfahrungen nicht gemacht haben möchten, reizt sie doch die Schweiz mittelfristig wieder.
Carina Odermatt
Familie Gasser beim Grosi in Kerns (von links): vorne Vater Erwin, Tabea und Mutter Barbara, hinten Fabienne und Sophie. (Bilder Corinne Glanzmann/PD)

Familie Gasser beim Grosi in Kerns (von links): vorne Vater Erwin, Tabea und Mutter Barbara, hinten Fabienne und Sophie. (Bilder Corinne Glanzmann/PD)

Carina Odermatt

«Als Erwin damals sagte, er werde eine konsularische Ausbildung machen und dann alle vier Jahre in einem anderen Land leben, fand ich das überhaupt nicht toll», erzählt Barbara Gasser, ursprünglich aus Sachseln, rückblickend. «Ich sagte: ‹Geh du! Ich bleibe hier.›» Und Erwin Gasser ging. Der Kernser suchte nach über einem Jahrzehnt auf einer Bank eine neue Herausforderung im Ausland, um die Welt kennen zu lernen. So bewarb er sich 1998 beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für eine konsularische Karriere und verbrachte bald eineinhalb Jahre zur praktischen Ausbildung auf dem Generalkonsulat in Bordeaux, Frankreich.

Sieben Jahre waren die beiden davor bereits ein Paar und merkten bald, dass sie sich für eine Trennung doch zu sehr vermissten. «Ich war mir bewusst, mit dem gerade eben erworbenen Treuhand-Fachausweis im Ausland nicht arbeiten zu können. ‹Nur› Hausfrau zu sein, würde mich zu wenig erfüllen. Letztlich ging ich trotzdem mit», erinnert sich Barbara Gasser.

Immer wieder neu einleben

«Wenn man alle vier Jahre das Land wechselt, verbringt man meistens das erste Jahr mit Einleben, das zweite und dritte Jahr fühlt man sich zu Hause, und im vierten Jahr bereitet man sich schon auf das nächste Land vor», fasst Erwin Gasser die Phasen dieses Lebensstils nüchtern zusammen. Seit 2002 erlebt die Familie das nun zum vierten Mal: Den ersten Posten hatte Erwin Gasser in Montreal (Kanada), wo die Töchter Sophie (2002) und Tabea (2005) zur Welt kamen. Dann folgten Dakar (Senegal) und Kuala Lumpur (Malaysia), wo 2010 die jüngste Tochter Fabienne geboren wurde. Seit 2013 leben Gassers nun in Atlanta (USA).

«Als die Kinder noch kleiner waren, waren die Wohnortwechsel unproblematisch. Jetzt ist es schwieriger, weil sie ihre Freunde immer wieder verlassen müssen», erzählt Gasser – und die Mädchen nicken bestätigend. Es gebe aber auch viele Vorteile, zum Beispiel, dass die Kinder Toleranz lernen und Weltoffenheit leben. Sophie: «Ich habe Freunde aus allen Ländern mit unterschiedlichen Hautfarben und Religionen. Aber man merkt schon, dass sich in der Schule Gruppen formen. Man ist eher mit denen, die gleich sind.»

Zurzeit gehen die Mädchen auf die Atlanta International School, vorher waren Sophie und Tabea in Dakar und Kuala Lumpur auf französischen Schulen. Das zeigt gleich einen weiteren offensichtlichen Vorteil dieses Lebens: Fabienne spricht fliessend Englisch und Deutsch, die beiden Älteren dazu noch Französisch.

Überall ist es anders

Wer in so vielen Ländern gelebt hat, hat viel zu erzählen. Das Leben sei an jedem Ort anders mit verschiedenen Herausforderungen und Höhepunkten, ist sich die Familie einig.

In Senegal zum Beispiel haben sie sich durch ihre Hautfarbe sehr von der lokalen Bevölkerung unterschieden und waren täglich mit der Armut konfrontiert. Wenn sie das Haus verliessen, waren sie sogleich von Strassenkindern in zerrissenen Kleidern umzingelt. Wegen der Umweltverschmutzung und vor allem des feinen Sahara-Sandstaubs, der durch alle Ritzen drang, musste ständig alles geputzt und jedes einzelne Salatblatt desinfiziert werden. «So hatte ich immer genügend zu tun», lacht Barbara Gasser, und ernster fährt sie fort: «In einem Entwicklungsland zu leben, war auf keinen Fall einfach, doch es war eine eindrückliche Erfahrung, und dank unserer Hausangestellten Yvonne hatten wir sehr schöne Begegnungen mit Einheimischen.» In Malaysia haben sie das asiatische Essen und die Möglichkeit, in den Ferien günstig den Kontinent zu bereisen, besonders genossen.

In den langen Schulferien kommen Gassers am liebsten in die Schweiz zurück, wo sie beim Grosi leben und mit den Cousins spielen können. «Was wir an der Schweiz besonders schätzen, sind die kurzen Distanzen und die Bewegungsfreiheiten. Die Kinder können hier rausgehen und unbeschwert spielen», sind sich Barbara und Erwin Gasser einig. In einer US-Grossstadt sind sie stark eingeschränkt, dort dürfen die Kinder zum Beispiel vor dem zwölften Lebensjahr nicht alleine zu Hause sein. Eine Rückkehr in die Schweiz wird nach dem nächsten Posten vielleicht Tatsache. «Ab 2017 wären wir nach 15 ununterbrochenen Jahren ausserhalb Europas am liebsten in einem deutschsprachigen Land, damit die Kinder das Hochdeutsch verbessern und dann eine Ausbildung in der Schweiz machen können», sagt Erwin Gasser.

Immer gleiches Land: langweilig

Fabienne und Tabea fänden das super, doch für Sophie wäre es zu langweilig, immer im selben Land zu leben. Und wenn Barbara Gasser zurückblickt, sagt sie: «Ich möchte keinen Menschen nicht kennen gelernt und keine Erfahrung nicht gemacht haben. Durch Erwins Arbeit sehen wir vieles, was uns sonst verwehrt bliebe. Zum Glück habe ich damals Ja gesagt zu diesem Leben.»

HINWEIS

In unserer Sommerserie «Auswanderer» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in einem Land fernab ihrer Heimat ein neues Zuhause gefunden haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.obwaldnerzeitung.ch/Auswanderer

Erwin und Barbara Gasser mit ihren Kindern auf dem Empire State Building in New York. (Bilder Corinne Glanzmann/PD)

Erwin und Barbara Gasser mit ihren Kindern auf dem Empire State Building in New York. (Bilder Corinne Glanzmann/PD)

In ihrem Wohnort Atlanta sind sie oft im Starbucks Coffee Shop – auch zur Online-Lektüre unserer Zeitung. (Bild: PD)

In ihrem Wohnort Atlanta sind sie oft im Starbucks Coffee Shop – auch zur Online-Lektüre unserer Zeitung. (Bild: PD)

Bild: Grafik Neue LZ

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