SARNEN: Andy Egli und die Tücken mit Talenten

Obwalden darf mit einem Stützpunkt für U-11-Kicker liebäugeln. Fussballlegende Andy Egli wusste bei seinem Besuch aber noch viel mehr zu erzählen.

Primus Camenzind
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Andy Egli über junge Talente: «Beim absoluten Willen zum Erfolg sehe ich schon gewisse Defizite.» (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

Andy Egli über junge Talente: «Beim absoluten Willen zum Erfolg sehe ich schon gewisse Defizite.» (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

Angesagt war der ehemalige Nationalstürmer Alex Frei, seit vergangenen Sommer Sportdirektor des FC Luzern. Doch dann hielten ihn dringende geschäftliche Verpflichtungen davon ab, am Freitagabend beim Förderverein des Teams Obwalden über die Nachwuchsförderung zu reden. Der grösste Fussballverein der Innerschweiz liess den Termin aber nicht einfach sausen und schickte anstelle von Frei eine andere Fussballlegende nach Sarnen: Andy Egli, der seit Juli Chef der Nachwuchsabteilung bei den Luzernern ist. Begleitet wurde er von FCL-Kommunikationschef René Baumann.

Als «mehr als nur Ersatz» bezeichnete Markus Berwert, Vereinspräsident des Fördervereins und seit wenigen Wochen auch Geschäftsführer des Innerschweizerischen Fussballverbandes, die beiden FCL-Gäste bei der Begrüssung. Die nachfolgende halbe Stunde war von der Persönlichkeit von Andy Egli geprägt und für die rund 50 Zuhörer äusserst spannend und informativ. Schade bloss, dass Mädchen und Knaben aus dem Team Obwalden nur in geringer Zahl den Weg ins Pfarreizentrum fanden.

Zehn Talente aus Obwalden

«Meine Hauptaufgabe ist es, leistungswillige Nachwuchsspieler zu fördern und nach Möglichkeit in den Berufsfussball zu führen», erklärte der 77-fache Nationalspieler. «Wenn wir jedes Jahr mindestens einen Jungen aus dem eigenen Nachwuchs in die oberste Spielklasse der Schweiz bringen, ist unser Ziel erreicht», gab Andy Egli zu verstehen. Dem gesamten Nachwuchsbereich beim FCL stehen jährlich 2 Millionen Franken zur Verfügung. In allen Kategorien, angefangen beim Kinderfussball bis zur U 21 (letzte Stufe vor dem möglichen Übertritt in die erste Mannschaft), werden rund 165 Talente – «Knaben und erfreulicherweise auch vermehrt Mädchen» – von Teilzeit- und Vollzeittrainern unterrichtet.

Aus Obwalden befinden sich derzeit zehn Talente in den Teams U 12 bis U 15. «Eine erfreuliche Zahl», meinte der Gastreferent dazu. «Obwalden oder Nidwalden soll in Zukunft einen U-11-Stützpunkt erhalten», verriet Egli. Ab dem 12. Altersjahr werden die Talente in Luzern trainiert. Zur Sprache kamen auch Tagesstrukturen an Schulen, damit das intensive Training – mindestens vier Einheiten pro Woche – optimal mit der schulischen Ausbildung einhergeht. «Eine meiner schwierigsten Aufgaben ist es, für hoch talentierte junge Fussballer, die jedoch Schwierigkeiten in der Schule oder der Lehre haben, einen gangbaren Weg zu finden», bekräftigt der Chefausbildner des FCL.

Wohlfühloase im Fussball

Jungen Spielern werden von der Presse immer wieder traumhafte Karrieren vorausgesagt. Dies sei gefährlich, sagte René Baumann im Gespräch mit unserer Zeitung. «Diese Hochjubelei ist vor allem für die Spieler ungesund», bezog er sich auf ein aktuelles Beispiel – den knapp 20-jährigen FCL-Spieler Mahmoud Kahraba aus Ägypten: «In solchen Fällen verlangt der Trainer üblicherweise von mir, dass ich den Betroffenen mit einem Redeverbot gegenüber der Presse belege», liess Baumann durchblicken.

Andy Egli verdeutlichte, dass sich die Rahmenbedingungen im Berufsfussball in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert haben. «Die Wohlfühl­oase prägt ein Stück weit auch unsere Sportart. Junge Spieler – bereits im Nachwuchs – haben heute deutlich mehr fussballerische Qualität, aber beim Durchsetzungsvermögen und beim absoluten Willen zum Erfolg sehe ich schon gewisse Defizite», bekräftigte er. Dies habe aber mit dem Umfeld zu tun und könne nicht einfach den jungen Menschen angelastet werden, fuhr der ehemalige Profi fort. Im Anschluss an seine Ausführungen stand Andy Egli den Eltern für individuelle Fragen zum fussballerischen Werdegang ihrer Kinder zur Verfügung.

Mitgliederzahl soll verdoppelt werden

Bevor die FCL-Gäste ihren Auftritt hatten, brachte Präsident Markus Berwert die Generalversammlung des Fördervereins in kürzester Zeit über die Bühne. Nach der Gründung im vergangenen Jahr handelte es sich um die erste ordentliche GV. Der Zweck besteht in der materiellen und ideellen Unterstützung des Teams Obwalden, das als Fussballclub in den Gemeinden Lungern, Giswil, Sachseln und Kerns talentierte Spielerinnen und Spieler fördert. Im ersten Vereinsjahr konnten dem Team 6000 Franken als direkte Unterstützung überwiesen werden. Dazu kamen die vom Förderverein akquirierten Sponsorengelder. Bei Einnahmen von 15 000 und Ausgaben von 7000 Franken resultierte ein Jahresgewinn von rund 8000 Franken. Der Förderverein ist zurzeit über 50 Mitglieder stark, strebt nun aber die 100er-Marke an.

cam