SARNEN: Anwohner befürchten Wildwuchs im Quartier

Heute entscheiden die Sarner über die Aufhebung des Quartierplans Spitalmatte ab. Der Gemeinderat spricht von einem sinnvollen Schritt. Das sehen einige Quartierbewohner anders.
Matthias Piazza
Andreas Rohrer vor seinem Haus am Aamattweg. (Bild: Matthias Piazza (Sarnen, 7. Mai 2018))

Andreas Rohrer vor seinem Haus am Aamattweg. (Bild: Matthias Piazza (Sarnen, 7. Mai 2018))

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Die Traktandenliste der heutigen Gemeindeversammlung ist mit vier Geschäften zwar kurz. Trotzdem ist nun kurzfristig für Spannung gesorgt. Dies beim Antrag des Gemeinderats auf Aufhebung der Quartierplanpflicht im Gebiet Spitalmatten- und Aamattweg. Er will dort die Siedlung erneuern und eine Entwicklung nach innen ermöglichen, wie er in der Botschaft schreibt. Angestossen hatten den Schritt Ende August 2016 vier Grundeigentümer im betroffenen Quartierplangebiet. Das Gebiet sei weitgehend bebaut und der bestehende Quartierplan schränke eine Siedlungsentwicklung ein, argumentierten sie. Der Gemeinderat stützt diese Haltung, mit folgenden Argumenten:

  • Der Quartierplan sei veraltet und genüge den heutigen Anforderungen nicht mehr.
  • Der Gebäudebestand sei ins Alter gekommen, Sanierungen stünden an.
  • Mit einer Ausnützungsziffer (das Verhältnis zwischen Grundstücksfläche und Bruttogeschossfläche) von 0,35 könnten die Nutzflächen nicht vergrössert werden, Erneuerungen und eine sinnvolle Entwicklung nach innen würden verunmöglicht.
  • Das Quartier erscheine nicht als Einheit, sondern sei ein Einfamilienhaus mit Bauten aus verschiedenen Epochen. Das Siedlungskonzept der frühen Siebzigerjahre sei nur in Teilen realisiert.

Mit der Aufhebung der Quartierplanpflicht könnte die Nutzfläche um 43 Prozent erhöht werden. Auf einem 600 Quadratmeter grossen Grundstück liesse sich so eine zusätzliche 31/2-Zimmer-Wohnung realisieren, macht der Gemeinderat in der Botschaft ein Beispiel. Künftig würde die Regelbauweise der zweigeschossigen Wohnzone gelten. Eine weitergehende und bewusst gesteuerte Verdichtung will der Gemeinderat damit nicht anstreben. Ohne Quartierplan vergrössere sich der Handlungsspielraum für die Erneuerung der Gebäude. Zudem liege der Abbau unnötiger Vorschriften, die eine sinnvolle Entwicklung nach innen und eine Erneuerung des Gebäudebestands behinderten, im öffentlichen Interesse.

Dagegen regte sich Widerstand. Während der Auflagefrist gingen zwei Einsprachen ein – von Andreas Rohrer und Jörg Huwyler. Sie befürchteten, dass mit der Verdichtung die Qualität der Siedlung leidet, zudem solle in der Nachbarschaft nicht höher gebaut werden und der Quartiercharakter mit den Einfamilienhäusern soll erhalten bleiben, argumentierten sie. Die Gemeinde lehnte die Einsprachen ab.

Komitee kämpft für Quartierplan

Doch die Opposition bleibt bestehen. «Wir wehren uns dagegen, dass man in unserem schönen, homogenen Quartier plötzlich höher und breiter bauen darf und ein architektonischer Wildwuchs entsteht», hält Andreas Rohrer an seiner Haltung fest. Der 50-jährige Inhaber einer Schlosserei wohnt am Aamatweg 32, also in jenem Quartier, in dem der Gemeinderat die Quartierplanpflicht aufheben will. Zusammen mit Jörg Huwiler kämpft er im Komitee Pro Aamatt/Spitalmatte weiter für den Beibehalt der bestehenden Regelung. «Wir haben Unterstützung von vielen Nachbaren», bekräftigt er.

Er befürchtet massiv höhere und grössere Ersatzbauten und Aufstockungen bestehender Gebäude. «Die Qualität soll nicht der Quantität zum Opfer fallen.» Gegen die These, dass es sich um ein Luxusproblem handle und sich mit der neuen Regelung das Bild im Quartier kaum ändere, da ja nicht plötzlich alle Hausbesitzer umbauen, wehrt er sich. «Wir wissen von Hausbesitzern mit ganz konkreten Ausbauplänen. Einfach so haben sie die Aufhebung des Quartierplans ja auch nicht angeregt.» Zudem habe sich auch der Kanton kritisch dazu geäussert. «Unserer Meinung nach kann das Quartier mit der Anpassung des bestehenden Quartierplans sehr gut weiterentwickelt werden», ist für Rohrer klar. Die Zonenplanänderungen und die Aufhebung des Quartierplans muss später noch der Regierungsrat genehmigen.

Hinweis

Gemeindeversammlung Sarnen: Dienstag 19.30 Uhr, Aula Cher.

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