SARNEN: Archäologe zum Abbruch der Villa Landenberg: «Der Forscher in mir ist enttäuscht»

Der Abbruch der Villa Landenberg interessierte auch die Archäologen. Sie kamen allerdings nicht auf ihre Kosten. Trotzdem kann der Archäologe Hermann Fetz dem «Reinfall» etwas Positives abgewinnen.
Matthias Piazza
Archäologe Hermann Fetz im Gespräch mit einem Bauarbeiter auf dem Grundstück der abgerissenen Villa Landenberg. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 8. Mai 2018))

Archäologe Hermann Fetz im Gespräch mit einem Bauarbeiter auf dem Grundstück der abgerissenen Villa Landenberg. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 8. Mai 2018))

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

«Wir haben weder römische noch prähistorische Überbleibsel gefunden», lautete gestern Vormittag das ernüchternde Fazit von Hermann Fetz. Wenige Meter neben ihm hob ein Bagger vorsichtig Erde aus. Der aus Luzern herbeigezogene Archäologe begleitete die Abbrucharbeiten der ehemaligen Villa Landenberg.

Aus gutem Grund: Beim Bau der Villa 1858 wurden während der Aushubarbeiten archäologische Funde gemacht. Aus der Römerzeit stammten eine Lampe, ein Parfümfläschchen, ein weiteres Gefäss sowie ein Tonziegel. Auf der Kuppe des Landenberghügels wurden bei einer grossen archäologischen Grabung 1983 zudem Siedlungsspuren entdeckt, die vom Mittelalter über die Römerzeit bis ins vierte Jahrtausend vor Christus zurückreichten.

Römer hinterliessen ihre Spuren

Entsprechend gross waren die Erwartungen, auch die historischen Fakten haben dafür gesprochen, auf Zeugnisse der römischen Vergangenheit zu treffen. «Durch das Sarneraatal und über den Brünig führte eine wichtige römische Verkehrsroute», erklärte Hermann Fetz. Davon zeugt auch der ehemalige römische Gutshof in der Alpnacher Uechteren, dessen Überreste man 1914 dort fand, nebst Krügen, Münzen und Werkzeugen. «Weitere römische Spuren wie Krüge oder Dachziegel hätten wir wegen der Nähe zur Landenberg-Burg auch auf diesem Grundstück erwartet», begründete er die enge archäologische Begleitung der Abbrucharbeiten.

Statt mit grossen Maschinen aufzufahren, wurde mit einem Bagger die Erde vorsichtig abgetragen – vergeblich, wie sich nun eben herausstellte. «Der Forscher in mir ist enttäuscht und überrascht, dass wir nichts historisch Interessantes fanden. Der Bodendenkmalpfleger in mir ist irgendwie erleichtert. Damit ersparen wir uns aufwendige und teure Ausgrabungen mit Personal, Zelten und sonstiger notwendiger Infrastruktur», bilanzierte er nüchtern.

Archäologische Begleitung in jedem Fall richtig

Doch so ein Reinfall gehöre eben zum Berufsrisiko. «Wir können ja nicht in den Boden hineinschauen, also müssen wir graben und erleben dann eben auch solche Überraschungen.» Der Entscheid, den Abbruch archäologisch zu begleiten, sei in jedem Fall richtig gewesen. «So liess sich vermeiden, die Abbrucharbeiten notfallmässig stoppen zu müssen, falls Überraschendes zutage gekommen wäre», begründete er das Vorgehen. Er schloss nicht aus, dass hundert Meter neben der Abbruchgrube historische Spuren im Boden schlummern. Das ganze Areal werde aber deswegen nicht umgepflügt, nicht zuletzt der hohen Kosten wegen. «Vielleicht bleiben diese römischen Überbleibsel noch weitere 2000 Jahre unentdeckt und dadurch erhalten», spekulierte er.

Um die Villa Landenberg gab es einen jahrelangen Streit zwischen der Besitzerin und den Behörden. Im Dezember des vergangenen Jahres entliess die Regierung das denkmalgeschützte Gebäude schliesslich aus dem Schutzplan. Die Villa war seit Jahren unbewohnt und verfiel.

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