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SARNEN: Ausgezeichnet und erneut obdachlos

Viel Lob und sogar einen Preis gibt es fürs Projekt Color-Box von offizieller Seite. Die Initianten des Malateliers würden etwas mehr Taten statt Worte bevorzugen.
Christoph Riebli
Ramisa (3) spielt mit einem Spiegel, Mutter Narges (25) widmet sich einer Zeichnung. Beide stammen aus Afghanistan. (Bild Christoph Riebli)

Ramisa (3) spielt mit einem Spiegel, Mutter Narges (25) widmet sich einer Zeichnung. Beide stammen aus Afghanistan. (Bild Christoph Riebli)

Christoph Riebli

Sie malen, tanzen und kochen mit den Bewohnern des Bundeszentrums Glaubenberg: Für ihr Color-Box-Projekt (Farbschachtel) wurden die freiwilligen Helfer rund um Künstler Adrian Hossli mit dem Spontanpreis der Obwaldner Kulturförderung ausgezeichnet. Das war Ende März. Am selben Tag mussten sie aus ihrem Atelier an der Brünigstrasse ausziehen. Ehemalige Schüler des pensionierten Gymilehrers hatten das Haus spontan für das Kunstatelier zur Verfügung gestellt – bevor es an die Caritas zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien überging.

Für die Color-Box-Leute begann dann eine zermürbende Suche nach neuen Räumen. «Von allen Seiten erhielten wir abschlägigen Bericht auf unsere Anfragen», bedauert Projektkoordinator Oskar Stockmann. Und genau diese Ausgangslage droht sich in den nächsten Tagen zu wiederholen. «Finden wir nicht bald etwas Neues, landen wir schon wieder auf der Strasse», sagt Hossli.

Kloster: Nur eine Lösung auf Zeit

Gehör fanden Hossli und seine Mitstreiter bisher einzig hinter der Pforte des Frauenklosters St. Andreas. «Als uns der Kanton für Wohnraum für die Flüchtlinge anfragte, mussten wir Nein sagen», erklärt Priorin Schwester Rut-Maria, «doch hier konnten wir Hand bieten.» Das Projekt Color-Box sei eine gute Sache, «die wir unterstützen wollten, damit das Engagement der Freiwilligen nicht einschläft.»

Und schon wieder bezog das Kunstatelier eine Zwischenlösung – die Räume des sogenannten Herrenhauses im Frauenkloster. Nach rund 20 Tagen Atelierbetrieb findet nun dort morgen Mittwoch der letzte Mal- und Tanzkurs für die Flüchtlinge statt. Grund: Die Klostergemeinschaft ist wegen des geplanten benediktinischen Zentrums selbst auf die Räumlichkeiten angewiesen.

Ernüchterung bei Freiwilligen

«Den Klosterfrauen gehört ein ganz grosses Lob. Sie tragen einen wichtigen Verdienst am ganzen Projekt», sagt Hossli. «Wir wünschen uns Voraussetzungen fürs Fortbestehen des Projekts wie hier im Kloster – aber im öffentlichen Raum.» Dass es dafür nicht viel braucht, bestätigt Schwester Rut-Maria: «Wir haben auch keine ideale Infrastruktur. Doch es braucht gar nicht mehr als ein paar Räume mit Wasser und Strom.»

Ein Grund mehr für Hosslis Ernüchterung: Von den offiziellen Stellen gebe es stets positive Rückmeldungen zum Projekt und zum Engagement der Gruppe. Das Platzproblem werde aber nicht aktiv angegangen. Noch konkreter: «Es wäre ehrenvoll, wenn uns die Gemeinde zumindest bei der Infrastruktur Hand bieten würde.» Auch weil die rund 12-köpfige Gruppe sämtliche Kosten für das Projekt selbst trage, sich selbst organisiere und sich aus lauter Freiwilligen rekrutiere.

Ziel ist eine Tagesstruktur

«Wir bieten die Softfaktoren zu den harten Faktoren, wie sie im Bundeszentrum Glaubenberg vorherrschen», sagt Oskar Stockmann zur Idee hinter dem Color-Box-Projekt. Es gehe primär nicht darum, den Leuten Zeichnungsunterricht zu vermitteln. «Wir bieten ihnen eine Tagesstruktur und gestalten diese gemeinsam.» Man wolle die Flüchtlinge «sprachenunabhängig aktivieren» und dadurch Spannungen oder andere Probleme des Alltags abfangen helfen. Stockmann versteht dies als Beitrag, dass der Betrieb des Bundeszentrums für Flüchtlinge, für verantwortliche Behörden und die Bevölkerung «in guter Art und Weise geleistet werden kann».

«Willkommene Abwechslung»

Und diese Idee scheint bei den anwesenden Bewohnern des Bundesasylzentrums gut anzukommen: «Hier kann ich meinen Kopf für einen Moment ausschalten», sagt Paiman (31) aus Afghanistan. Zusammen mit etwa zehn weiteren Landsleuten war er bei unserem Besuch für einige Stunden zu Gast im Frauenkloster. Er spricht perfektes Englisch und stand in seinem Heimatland als Übersetzer bei den Koalitionstruppen im Einsatz.

Künstlerische Ambitionen habe er keine, verrät er, während er eine bunte Blume auf ein Stück Papier an der Wand malt. Für seine Frau und seine zwei Kinder (2/3 Jahre) sei der kurze Aufenthalt im Frauenkloster eine willkommene Abwechslung. «Sie geniessen die Gastfreundschaft. Sie geniessen es hier zu sein und zu spielen.»

Hinweis

Offenes Atelier im Frauenkloster St. Andreas In Sarnen morgen Mittwoch, 14 bis 16 Uhr. Treffpunkt neben der Hauptpforte, Eingang Herrenhaus.

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