SARNEN: Badigäste können Bücher ausleihen

Nicht nur Wasser- auch Leseratten kommen in der Badi Seefeldpark auf ihre Kosten. Rund 200 Bücher umfasst die neu geschaffene Badi-Bibliothek.

Drucken
Teilen
Lektüre als Zeitvertreib beim Sonnenbaden im Sarner Seefeld-Park. (Bild: PD)

Lektüre als Zeitvertreib beim Sonnenbaden im Sarner Seefeld-Park. (Bild: PD)

Matthias Piazza

Die Sarner Kantonsbibliothek geht zu den Badigästen. Mit dem Start der Badisaison am 25. April bis zum Saisonschluss am 20. September steht im Sarner Seefeldpark ein Schrank gegenüber den Billettautomaten, der als Bibliothek dient – in Selbstbedienung. «Auswählen, mitnehmen, lesen und vor dem Nachhausegehen wieder zurücklegen», erklärt Bibliotheksmitarbeiterin Pia Ryser das System. Das Badipersonal schliesst den Schrank über Nacht ab, um die Bücher vor Beschädigungen und Diebstählen zu schützen. Die Benutzung ist gratis, eine Einschreibung für die Kantonsbibliothek brauchts nicht. Der Aufwand halte sich darum in Grenzen. Vor und nach den Sommerferien kümmert sich das Bibliothekspersonal um die «Filiale». Um und während der Sommerferien kommen Freiwillige dazu, die als «Lohn» eine Badi-Saisonkarte und ein Jahresabo der Kantonsbibliothek erhalten. Die Buchhandlungen Dillier in Sarnen und von Matt in Stans unterstützen das Projekt.

Leseförderung als Hintergedanke

Pia Ryser ist überzeugt, dass das Angebot auf Interesse stösst. «Mit der Badi und dem Camping haben wir eine grosse Zielgruppe an kleinen und grossen Leseratten.» Und wenn man mit dieser Aktion noch Leseförderung betreiben könne, in dem man auch Personen erreiche, die sonst eher selten in einer Bibliothek anzutreffen seien, sei damit noch ein weiteres Ziel erfüllt.

Verdauliche Lesekost

Rund 200 Bücher umfasst der Bestand der Seefeld-Bibliothek. «Für jeden Geschmack soll etwas dabei sein – ob Kinderbücher, Sachbücher oder Romane», hält Pia Ryser fest. Allerdings werde das Sortiment schon etwas auf die Badi angepasst. «Wir achten auf verdauliche Lesekost. Ziel ist, dass man das Buch während eines Badibesuchs lesen kann», hält sie fest. Dicke Wälzer wird man darum eher nicht im Sortiment finden – dafür umso mehr leichte Sommerlektüre. Nicht im Angebot sind Hörbücher, auch E-Reader nicht, da Kunden der Bibliothek Bücher gratis herunterladen dürfen.

Die Badigäste müssen aber nicht mit abgegriffenen, beschädigten «Ausschussexemplaren» vorliebnehmen. «Wir bestücken das Seefeld bewusst mit Büchern, die wir neu einkaufen, um so auch ein Zeichen zu setzen, dass wir die Badi-Bibliothek nicht stiefmütterlich behandeln.»

Angst, dass die Bücher nass und beschädigt werden, hat Pia Ryser nicht. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kunden sehr sorgsam mit den Werken umgehen, wenn sie sie nach Hause nehmen. Selten erhalten wir ein Buch beschädigt zurück. Wir sind darum überzeugt, dass die Badigäste ebenfalls Sorge tragen.» Allfällige Schäden würden kulant behandelt.

Inspiriert von anderen Badis

Zuversichtlich stimmt das Bibliotheksteam auch die positiven Erfahrungen anderer Badis, von denen es die Idee der Badi-Bibliothek abgekupfert hat. Bei einem Weiterbildungsbesuch in der Stadtbibliothek Thun kam das Team der Kantonsbibliothek Obwalden das erste Mal mit dem Angebot in Berührung – und war begeistert. «Das probieren wir auch.»

Sie klopften bei der Geschäftsführung des Seefeld-Parks an – und rannten mit der Idee offene Türen ein. «Eigentlich dachten wir, dass wir die Bibliothek erst 2016 einrichten könnten und waren positiv überrascht, dass es bereits diesen Sommer klappt», freut sich Pia Ryser.

Das Angebot soll in den kommenden Jahren bestehen bleiben, falls die Erfahrungen positiv sind.

Das Strandbad Thun kennt die Badi-Bibliothek bereits seit 2010. Wegen der positiven Rückmeldungen im vergangenen Jahr wird das Angebot mit rund 200 Büchern diesen Sommer weitergeführt, heisst es auf der Webseite der Stadt Thun. Auch Biel, Spiez und Baden kennen solche Angebote.