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SARNEN: Baldegger gibt den Farben ihr eigenes Leben

Bei einem Atelierbrand ist ein Teil des Lebenswerks von Markus Baldegger (70) zerstört worden. Die mit ihm befreundete Galerie Hofmatt zeigt derzeit Bilder und Zeichnungen unter dem Titel «Was übrig bleibt».
Markus Baldegger verlor einen grossen Teil seines Werkes durch einen Brand. Dennoch blieb genug übrig für die Ausstellung in Sarnen. (Bild: Romano Cuonz (22. April 2017))

Markus Baldegger verlor einen grossen Teil seines Werkes durch einen Brand. Dennoch blieb genug übrig für die Ausstellung in Sarnen. (Bild: Romano Cuonz (22. April 2017))

Romano Cuonz

kultur@luzernerzeitung.ch

Als das Team der Galerie Hofmatt Sarnen im Oktober 2016 erfuhr, dass Markus Baldeggers Atelier im belgischen Lontzen vollkommen ausgebrannt und dabei ein Grossteil seiner Bilder und 3000 Bücher zerstört worden war, wusste man sofort, was zu tun war. So berichtete Monika Birve, Mitglied des Hofmatt-Teams, an der Vernissage zur neusten Ausstellung.

Man habe dem Künstler und Wissenschaftler – er wurde 1947 in Altstätten SG geboren, arbeitet aber seit vielen Jahren in Köln und Lontzen – angeboten, unter dem Titel «Was übrig bleibt» bei der mittlerweile fünften Begegnung in der Hofmatt eine Benefiz­ausstellung zu gestalten. «Schon viermal ist Markus Baldegger auf die Räume der Galerie Hofmatt eingegangen – mit ihm verbindet uns eine langjährige Freundschaft», sagte Monika Birve.

Nimmt man nun aber aufgrund dieses Titels an, dass dabei keine bedeutende Ausstellung mehr zu Stande kommen könne, liegt man falsch. Diesem Künstler, der seit vielen Jahren unermüdlich nach dem Sinn und Wesen der Malerei forscht, gelingt es erneut, die eigenwilligen Räume der Sarner Galerie auf eindrückliche Weise zu bespielen. Dazu verwendet er zahlreiche Malereien, die in Kisten verpackt auswärts gelagert waren oder sich bei Brandausbruch in Ausstellungen und im Privatbesitz befanden.

Ein Maler, der das Malen malt

Schon 28, teils eher kleine, teils grossformatige Malereien in Gang und Galerieraum führen Besuchern vor Augen, was Markus Baldegger will. Oder fast besser gesagt: Was er eben nicht will. Der Künstler verfolgt nie die Absicht, mit seinen Bildern etwas zu zeigen oder gar zu benennen. Sie wollen gar nichts anderes darstellen als das, was sie sind. Farben sind es, die Formen bilden und dabei – einen Augenblick später – schon wieder die Flucht ergreifen.

Der Luzerner Kunstkritiker Urs Bugmann drückte es in einem Katalog so aus: «Nichts Erkennbares wollen diese Bilder vor ­Augen führen – nur das Erkennen, das Sehen im Auge sich ereignen lassen.» In der Tat: Markus Baldegger trägt Farbe auf, schabt sie wieder ab, bearbeitet Schicht um Schicht mit linearen, ovalen, kreisenden Bewegungen. Den Farben gibt er ein Eigen­leben. Ihr Eigenleben!

Indem er das Malen malt, erweckt er beim Betrachter Emotionalität. Nichts Belehrendes haftet seinen Bildern an. Es sind Ereignisse, die sich dem Auge so anbieten, wie sie geschaffen wurden. Im ständigen Suchen und Fragen. Wer sich darauf einlässt, wird über kurz oder lang von dem fasziniert sein, was sich seinen Augen anbietet. Dies gilt auch für 14 Zeichnungen im Galerieraum, die ein langes Hinausschauen durchs Atelierfenster erlauben.

Triptychon: Ein Ereignis im Keller

Selbst, wenn Markus Baldegger für diese Benefizausstellung auf Werke zurückgreifen musste, die nach der Katastrophe übrig geblieben waren, hat er die grosse Herausforderung der Hofmatt einmal mehr angenommen. Sich mit ihren Besonderheiten intensiv auseinandergesetzt. Mit einer sehr eindrücklichen Annäherung an die alte Landschaft im Panoramazimmer und vor allem mit der Inszenierung eines Triptychons, das mit Rhythmen und Bewegungsmustern fast nahtlos auf Strukturen des Gewölbekellers eingeht.

Begeistert zeigte sich an der Vernissage auch Adrian Hossli. Er, der Markus Baldegger seinerzeit nach Obwalden geholt und der Galerie Hofmatt vermittelt hatte, geriet beinahe ins Schwärmen: «Diese ruhigen Farbflächen geraten mehr und mehr in Bewegung, sie erhalten strukturierte Koordinaten, beginnen zu kreisen, lösen sich in feine duftige Schwingungen auf, entgleiten in kosmische Räume und kehren immer wieder zum staunenden Betrachter zurück.»

Der Künstler: Markus Baldegger. (Bild: Romano Cuonz (22. April 2017))

Der Künstler: Markus Baldegger. (Bild: Romano Cuonz (22. April 2017))

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