SARNEN: Benediktinerinnen wagen Pionierprojekt

Im Kloster St. Andreas entsteht ein neues benediktinisches Zentrum. Bald sollen dort noch weitere Ordensgemeinschaften leben – ein schweizweites Novum.

Romano Cuonz
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Das Kloster St. Andreas in Sarnen soll altersgerecht umgebaut werden und künftig mehreren Orden ein Zuhause bieten. (Bild Philipp Schmidli)

Das Kloster St. Andreas in Sarnen soll altersgerecht umgebaut werden und künftig mehreren Orden ein Zuhause bieten. (Bild Philipp Schmidli)

«Realität ist, dass es uns vor allem in den Frauenklöstern an Nachwuchs fehlt», sagt der Engelberger Benediktinerabt Christian Meyer. Auf die Frage, welches für die überalterten Gemeinschaften die beste Zukunft wäre, gelte es, sachte und abtastend eine Antwort zu finden. An diesem Wochenende trat nun die visionäre Stiftung «Ora et Labora» mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit: Sie möchte im Sarner Frauenkloster St. Andreas ein benediktinisches Zentrum errichten. Im Stiftungsrat vertreten sind neben der Abtei Engelberg die Benediktinerinnen-Abtei Sarnen und als Initiantin die Gemeinschaft der St.-Anna-Schwestern in Luzern. Gemeinsam bieten sie Hand für eine neue Lösung.

Visionen gefragt

Das wichtigste Ziel formuliert Schwester Maria-Pia Habermacher, Äbtissin im Kloster St. Andreas, so: «Wir möchten für uns und andere benediktinische Gemeinschaften ein gutes, ordensgemässes Leben im Alter und bei Pflegebedürftigkeit sichern.» Dass es dazu Visionen braucht, weiss niemand besser als sie. Ihre Gemeinschaft besteht noch aus acht Schwestern mit einem Durchschnittsalter von 71 Jahren. Sieben beten und arbeiten auf dem riesigen Klosterareal mit wertvollen historischen Gebäuden. Hier biete sich die ideale Infrastruktur für ein klösterliches Zentrum. «St. Andreas ist nahe bei Arztpraxen, Spital und Bahnhof», sagt die Äbtissin.

Die Idee eines grossen Zentrums

Die Idee zur Stiftung «Ora et Labora» kommt ursprünglich von der Gemeinschaft der Luzerner St.-Anna-Schwestern. Schwester Heidi Kälin (Generaloberin) dazu: «Unsere Aufgabe war es schon immer, auf die Not der Zeit zu reagieren. Das taten wir auch, als andere Klostergemeinschaften uns um Aufnahme baten.» Das Projekt sehe vor, dass die Sarner Benediktinerinnen am Wallfahrtsort des Sarner Jesuskindes weiterwirken könnten. Mit dem neuen Zentrum würden sie aber zweifelsohne eine Entlastung in ihrem Alltag erleben.

Ein altersgerechtes Klosterleben

Projektleiter der Stiftung «Ora et Labora» ist Hanspeter Kiser, der auch Präsident der Sarner Stiftung «Zukunft Alter – Wohnen und Betreuung» ist. In den vorhandenen Klosterbauten sind grössere, pflegegerechte und rollstuhlgängige Zimmer mit Rufanlage geplant, dazu Gemeinschaftsräume für das klösterliche Leben der einzelnen Gemeinschaften. Kiser dazu: «Die weiterhin eigenständigen Gemeinschaften erhalten ihr Klosterleben in einem altersgerechten Umfeld, teilweise mit Pflegezimmern. Als Zukunftsvision schwebt «Ora et Labora» in einer zweiten Etappe eine gemeinsame Pforte zum Pilgerempfang, ja allenfalls sogar ein Pilger-Café mit Informationen und Ausstellungen vor. «Das künftige Zentrum bleibt Eigentum der Sarner St.-Andreas-Schwestern», hält Schwester Heidi Kälin fest. «Die nötigen baulichen Anpassungen werden von der Stiftung ‹Ora et Labora› finanziert.» Diese tritt auch als Trägerin und Mieterin der notwendigen Bauten und Räumlichkeiten auf.

Zuerst ziehen neun Schwestern ein

In den nächsten zwei bis drei Jahren wollen vorerst einmal neun betagte Schwestern ab der Marienburg im luzernischen Wikon und 15 Benediktinerinnen aus dem Melchtal einziehen. Die Melchtaler Priorin Sr. Daniela Bieri ist nachdenklich und besorgt, wenn sie sagt: «Unsere 15 Schwestern haben ein Durchschnittsalter von 85 Jahren, sechs sind über 90-jährig.» Und sie wisse nur zu gut, dass es einigen Mitschwestern mehr als schwer fallen werde, das Bergtal, die vertrauten Bauten und Gärten zu verlassen. «Die zurückgelassenen Klostergebäude im Melchtal und in Wikon kann man ja nach dem Umzug der Gemeinschaften neu und sinnvoll nutzen», sagt Hanspeter Kiser.

Umbauten für 5 Millionen Franken

Nach einem Studienwettbewerb mit fünf Architekturbüros hat das Büro «Konstrukt» aus Luzern den Zuschlag erhalten. «Ihr Projekt ‹Benediktus› überzeugt durch Respekt und Zurückhaltung beim Eingriff in die bestehenden Gebäulichkeiten», sagt Projektleiter Hanspeter Kiser. Die Architekten planen eine ausgesprochen klösterliche Zone, einen halböffentlichen Bereich mit vermehrtem Pflegeangebot und, in einer zweiten Etappe, öffentliche Räume für Gäste. Dies bedingt schon in den kommenden Monaten umfangreiche Umbauten mit einem Investitionsvolumen von 5 Millionen Franken. «Der einmalige Charakter der Klosteranlage St. Andreas bleibt dabei erhalten», verspricht Kiser.

Romano Cuonz