Sarnen
Bevölkerung soll bei der Ortsplanung mitreden

Sarnen startete sein Projekt «Ortsplanung 2025». Via Bildschirm und bei Rundgängen vor Ort gab und gibt es dazu Informationen.

Romano Cuonz
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Sarnen mit seinen vielen Quartieren und Weilern sowie den über 60 separaten Quartierplänen ist für die Planer eine Herausforderung.

Sarnen mit seinen vielen Quartieren und Weilern sowie den über 60 separaten Quartierplänen ist für die Planer eine Herausforderung.

Bild: Romano Cuonz (Juli 2021)

«Mit der Ortsplanrevision 2025 stellen wir die Weichen für die räumliche Entwicklung von Sarnen mit seinen Ortsteilen für die nächsten 10 bis 15 Jahre», hält Gemeindepräsident Jürg Berlinger fest. Gleichzeitig lädt er die Bevölkerung ein, zahlreiche Chancen zur Beteiligung an diesem Prozess wahrzunehmen. Nur so könne man gemeinsam die Zukunft der Gemeinde Sarnen gestalten. Mit gut 10’500 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Sarnen samt seinen Weilern streng genommen eine Stadt.

Ziel des Planungsteams ist es, dieser grossen Zahl von Einwohnerinnen und Einwohnern vielfältige und einfache Möglichkeiten zum Mitdenken und Mitreden anzubieten. Am Donnerstagabend erfolgte der Start. Ivo Näpflin, Leiter Planung der Einwohnergemeinde Sarnen: «Wegen der Coronasituation wollten wir beim ersten Kontakt mit der Bevölkerung nicht nur eine physische Informationsveranstaltung vor Ort anbieten, sondern ihr auch ein digitales Mitwirken per Zoom via Bildschirm ermöglichen.»

Bis zu 90 Personen nahmen digital teil

Sarnens Gemeindepräsident Jürg Berlinger stand der Veranstaltung in der Aula Cher vor.

Sarnens Gemeindepräsident Jürg Berlinger stand der Veranstaltung in der Aula Cher vor.

Bild: Matthias Piazza

Gut 30 Leute, die lieber vor Ort sein wollten, wurden von Gemeindepräsident Jürg Berlinger in der Aula Cher genauso begrüsst wie zeitweise bis zu 90 Personen, die sich digital zuschalteten. Am Bildschirm zugeschaltet wurden auch Mitglieder des externen Planungsteams: Markus Nollert und Marion Zängerle (Urbanista Büro für Raumentwicklung) und Roman Hanimann (Van de Wetering Atelier für Städtebau).

Diese erläuterten die teils abstrakten Planungsinstrumente mit vielen Grafiken und Bildern und so konkret wie möglich. Obwohl die Gemeinde das interessante Experiment akribisch vorbereitet hatte, zeigten sich noch «Kinderkrankheiten». So monierten Teilnehmer zu Beginn, dass in der Übersicht der Ortsteil Kirchhofen fehle. Viele Leute zu Hause gaben an, die in der Aula Cher abgegebenen Voten seien digital kaum verständlich. Alles in allem aber gelang es, eine grosse Zahl von Fragen und Kommentaren entgegenzunehmen.

Die via Bildschirm sowie vor Ort durchgeführten Meinungsumfragen zeitigten erstaunliche Ergebnisse. Auf die Frage «Welche Themen interessieren Sie?» erhielt das Thema «Landschaftliche Qualitäten und Freiräume» am meisten Stimmen. Und auf die Frage «Welche Art von Informationen bevorzugen Sie?» schwangen die Orientierungen vor Ort obenaus. Aber auch die neue, digitale Information erhielt viele Stimmen.

Qualität von Ortsteilen erhalten

Fachmann Ivo Näpflin erklärt auf Anfrage: «Mit der Ortsplanungsrevision werden Rahmenbedingungen für die nachhaltige Entwicklung der Lebensqualität geschaffen.» Bis 2025 haben die Obwaldner Gemeinden Zeit, ihre Ortsplanung an übergeordnete gesetzliche Grundlagen – kantonaler Richtplan, Gesamtverkehrskonzept, Baugesetzgebung – anzupassen und die Nutzungsziffern aufzuheben. Anders gesagt: Es gilt, einen «Masterplan Siedlung und Verkehr» zu erarbeiten. Sarnen nennt das Instrument «Räumliche Entwicklungsstrategie». In ihr wird das langfristige Wachstum der Gemeinde aufgezeigt. Da geht es etwa um die Abstimmung zwischen Siedlung und Verkehr, um die Qualitäten der öffentlichen Räume und um die Sicherung der Landschaft und des Kulturlands. Wichtig ist Näpflin:

«Die Entwicklungsstrategie soll
bis Mitte 2023 aus den Quartieren und Ortsteilen heraus entwickelt und
mit dem Kanton abgestimmt werden.»

Parallel dazu werden ab 2022 das Bau- und Zonenreglement wie auch der Zonenplan der Gemeinde Sarnen überarbeitet. «Mit der Abschaffung der Nutzungsziffern ändern sich die Bauvorschriften so grundsätzlich, dass Sarnen beschlossen hat, die über 60 bestehenden Quartierpläne zu überprüfen», so Näpflin. Es gehe etwa darum, dass ein heutiges Einfamilienhausquartier unter dem Deckmantel «Entwicklung nach innen» nicht einfach zum Mehrfamilienhausquartier werde. «Da sind Qualitäten vorhanden, die wir weiterentwickeln und nicht opfern wollen.»

Auf gemeinsamen Spaziergängen mitreden

Zusätzlich zur Startveranstaltung setzt Sarnen noch eine weitere, gemäss Umfrage besonders willkommene Idee um. Am Samstag – und dann nochmals am 29. Januar – lädt das Planungsteam zu insgesamt sieben Ortsteilspaziergängen ein. Ivo Näpflin erklärt es so: «Sarnerinnen und Sarner werden vor der Haustür abgeholt und haben Gelegenheit, dem Team ihren Ortsteil oder ihr Quartier bei einem kurzen Rundgang zu zeigen und zu schildern, was für sie charakteristisch und wichtig ist.» Zur Sprache kommen soll aber auch, wo etwas fehlt oder wo Handlungsbedarf besteht. Erwartungen, Wünsche und Ideen sind willkommen. Als erstes startet man mit den Weilern Ramersberg, Wilen und Stalden.

Hinweis: Ortsspaziergänge am Samstag: Ramersberg 8.30 Uhr. Stalden, Kirchenvorplatz, 11 Uhr. Wilen, Dorfplatz, 14 Uhr. Über weitere Treffpunkte am 29. Januar gibt www.ortsplanung-sarnen.ch Auskunft.

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