SARNEN: Bibliothek öffnet literarische Schatztruhe

Die Sammlung von Literatur über Bruder Klaus bildet für die Kantonsbibliothek Obwalden einen Schwerpunkt. Zurzeit zeigt sie im Lesesaal dem Publikum gegen 200 Publikationen, verfasst in bis zu 30 Sprachen.

Romano Cuonz
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Sepp Windlin (links) mit Miniaturen, Pia Ryser und André Sersa mit Literatur: Sie präsentieren in der Kantonsbibliothek eine interessante Ausstellung zu Bruder Klaus. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 30. April 2017))

Sepp Windlin (links) mit Miniaturen, Pia Ryser und André Sersa mit Literatur: Sie präsentieren in der Kantonsbibliothek eine interessante Ausstellung zu Bruder Klaus. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 30. April 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Unglaublich, kaum vorstellbar!», werden wohl viele Leute ausrufen, wenn sie während des nächsten Halbjahrs den schönen alten Lesesaal der Obwaldner Kantonsbibliothek betreten. Mit grossen Lettern prangt über Bücherregalen ein Titel, der neugierig macht: «Literaturübersicht über Niklaus von Flüe».

Daneben und darunter reiht sich über vier Wände Buch an Buch, Schrift an Schrift. Mehr noch: Weil sich auf einem Tisch in der Mitte des Raumes auch massstabgetreu nachgebaute Miniaturen der Kapellen und Häuser vom Flüeli-Ranft befinden, gewinnt man fast ein wenig den Eindruck, direkt vor Ort zu sein. Ganz unwillkürlich beginnt man damit, in den vielen Zeitschriften, Kalendern und Büchern zu schmökern. Und dabei kann es dann zu ganz andern, eher ungewohnten Begegnungen mit Bruder Klaus kommen.

Einmalige alte Bücher entdecken

André Sersa, Leiter der Obwaldner Kantonsbibliothek, sagt: «Seit dem Tod von Niklaus von Flüe 1487 sind zahlreiche Werke über ihn und sein Wirken entstanden. Unsere Bibliothek hat unter anderen auch den Auftrag, dieses Schriftgut als Themenschwerpunkt zusammenzutragen.» Über viele Jahre sei so eine grosse und wichtige Sammlung mit rund 1600 Werken entstanden. Sersa zeigt stolz auf die Regale: «Wir wollten ja auch einmal zeigen, was wir sammeln und aufbewahren, deshalb haben wir zum 600-Jahr-Jubiläum gegen 200 Exponate aus unserem Archiv geholt und im Lesesaal für die Besucher zugänglich gemacht.» Gestaltet hat diese Sonderausstellung Bibliotheksmitarbeiterin Pia Ryser. «Während dieser Arbeit musste ich selber stets von neuem staunen», erzählt sie. «In diesem Abteil unter dem Titel ‹Frühe Zeugnisse› sind beispielsweise Bücher zu sehen, von denen selbst wir nur ein einziges Exemplar besitzen», erzählt sie. Die Bandbreite und Zeitspanne der ausgestellten Werke gehe von 1619 (Eichhorn: «Das ist das übernatürliche Leben und heiliger Wandel Nicolai von Flüe») bis 2017 («Visionen, die das Herz öffnen: der Bruder-Klaus-Visionenweg im Kloster Heiligkreuztal» von Alois Spichtig und Toni Halter). Vieles könne der Besucher auch ausleihen und mit nach Hause nehmen. In einem Abteil mit dem Titel «Wichtige Standardwerke» sind etwa alle wissenschaftlichen Arbeiten zu finden: von Robert Durrer geht es über Pater Rupert Amschwand bis hin zu Roland Gröbli. Und unter dem Stichwort «Genealogien» entdeckt der Besucher gar Hinweise darauf, wer alles mit Bruder Klaus verwandt ist.

Ein Raum voller Trouvaillen

Wer sich nur ein wenig Zeit nimmt und Regale durchstöbert, wird in dieser Ausstellung bald schon spannende Entdeckungen machen. Sachen finden, die er absolut nicht erwartet hätte. Pia Ryser demonstriert es: zieht da ein Buch und dort eine Schrift hervor. Und stets hat sie auch was zu berichten. Da seien einige interessante Bücher über die Heiligsprechung von 1947, eines auch von Leonard von Matt. Oder dieser wunderschöne Bildband von einem Robert Hess! Illustriert mit einzigartigen Schwarz-Weiss-Fotos von fast allen bekannten Obwaldner Fotografen. Interessant auch die Bruder-Klaus-Kalender – eine Art Brattig –, die von 1915 bis 1962 vollzählig vorhanden sind und Sachen offenbaren, die man sonst nirgends findet. Auch auf einzigartige Übersichten trifft man da: Alt Bundesrat Ludwig von Moos hat sich die Mühe gemacht, alle 609 Artikel, die früher über Bruder Klaus erschienen sind, aufzulisten, und Pia Ryser legt eine Zusammenstellung der weit über 20 Gedenkfeiern von früheren Jahren vor. «Publikationen über Bruder Klaus erschienen zuerst in den vier Landessprachen. Später wurden auf Initiative von Walter Signer einige Texte in 30 Sprachen übersetzt – etwa Arabisch, Thailändisch, Portugiesisch – und um die ganze Welt gesandt. Selbst über die rund 259 Kirchen und Kapellen, die teils schon vor der Heiligsprechung – hauptsächlich aber danach – entstanden sind, hat die Bibliothek vieles gesammelt. Als Raritäten präsentiert Pia Ryser in der Ausstellung ein Bruder-Klausen-Buch in Blindenschrift oder ein Siegel und gar auch ein altes «Wegbild». Alles ausgeliehen vom Museum Bruder Klaus.

Hinweis

Ausstellung «Literaturübersicht über Niklaus von Flüe» und Flüeli-Ranft-Miniaturen von Josef Windlin im Lesesaal der Kantonsbibliothek Obwalden. Vom 30. April bis 31. Oktober zu den üblichen Öffnungszeiten der Bibliothek.