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SARNEN: Brillanter Pianist begeistert Publikum

Die Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks widmeten der Schweiz und ihrer Musik eine Hommage.
Romano Cuonz
Pianist Benjamin Engeli und Solisten des Bayerischen Rundfunk-Orchesters interpretieren Paul Juons Klaviersextett in c-Moll. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 29. August 2017))

Pianist Benjamin Engeli und Solisten des Bayerischen Rundfunk-Orchesters interpretieren Paul Juons Klaviersextett in c-Moll. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 29. August 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Es gibt ein Phänomen, über das Zuhörer während des Kammermusikfestivals «Erst-Klassik am Sarnersee» stets von neuem staunen: über die lockere, ja fast schon familiäre Atmosphäre, in der hier professionelle Musiker in Top-Besetzungen auftreten und musizieren. Ihre Freude darüber, abseits von grossen Konzertsälen auch einmal Stücke mit nicht alltäglichen Besetzungen einzustudieren, war den sechs Interpreten vom ersten Moment an anzusehen. Schon beim Klaviersextett in c-Moll von Paul Juon verwandelte sich die Sarner Aula Cher, die oftmals eher nüchtern wirkt, in ein wahres «Odeon». Musik fand den Weg von der Bühne zu den Zuhörern – leicht und beglückend.

Unkonventionell und voller Emotionen

Juon stammt von einer nach Russland ausgewanderten Bündner Zuckerbäckerfamilie ab. Seine Ausbildung als Violinist und Komponist erhielt der zu Unrecht ein bisschen vergessene Schweizer in Moskau. In seinem Klaviersextett von 1902 überrascht Juon durch eine geradezu orchestrale Klangfülle über fünf unterschiedliche und eher unkonventionelle Sätze hinweg. Wenn im Kopfsatz die Nähe zu Brahms noch bemerkbar ist, steigert Juon in weiteren Sätzen seine ureigenen Emotionen bis hin zur Leidenschaft.

Pianist Benjamin Engeli verstand es hervorragend, diese musikalische Glut, die eine Eigenheit des Stücks ist, zu entfachen. Neben Engeli traten im Sextett Marije Grevink und David van Dijk (Violine), Benedict Hames (Viola), Sam Lutzker und David Riniker (Voloncello) auf. Nach den ersten Tönen schon war das Publikum fasziniert von der Jazz-Sonata für Violoncello und Klavier, die der in New York lebende Schweizer Daniel Schnyder komponiert hat. Schnyder vereinigt in seinem Werk jazzige Elemente samt Improvisation mit Klassik nach strengen Regeln. Das Duo Benjamin Engeli (Klavier) und Sam Lutzker (Violoncello) zeigte im fulminanten Auftritt, dass es beides beherrscht: die Interpretation eines Notentextes und das frei swingende, jazzige Spiel. Die Solisten aus München liessen das Publikum beinahe aus dem Häuschen geraten.

Drei Sätze als Stufen zum gewaltigen Finale

Als Schluss- und Höhepunkt des Konzerts bekam das Publikum das eigenwillige «Klaviertrio c-Moll» von Felix Mendelssohn zu hören. Mendelssohn ist zwar kein Schweizer, doch bezeichnete er unser Land nach vielen Reisen als sein «Schönstes und Liebstes». Im Klaviertrio ist vor allem der Klavierpart anspruchsvoll. Das Stück sprüht oft vor Temperament. Nicht umsonst ist der Kopfsatz mit «Allegro energico e con fuoco» überschrieben. Doch alle drei Sätze scheinen nur die Vorbereitung für das gewaltige Finale zu sein. Dieses wartet mit gleich drei Themen auf. Dabei vereinigt der Choral «Vor deinen Thron tret’ ich hiermit» wie eine jubelnde Essenz Haupt- und Seitenthemen. Ein grosses Werk, bei «Erst-Klassik» erstklassig interpretiert.

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