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SARNEN: Bücher haben für ihn viele Gesichter

Mit einem uralten Handwerk befasst sich eine Ausstellung in der Kantonsbibliothek Obwalden. Hans von Rotz stellt im Lesesaal Buchbindearbeiten aus.
Marion Wannemacher
Hans von Rotz und Pia Ryser, Mitarbeiterin der Kantonsbibliothek Obwalden, begutachten eine seiner Buchbindearbeiten in der Ausstellung im Lesesaal. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 11. Januar 2018))

Hans von Rotz und Pia Ryser, Mitarbeiterin der Kantonsbibliothek Obwalden, begutachten eine seiner Buchbindearbeiten in der Ausstellung im Lesesaal. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 11. Januar 2018))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

«Unberührbare» gibt es zu sehen, «Halbfranzbände» und solche mit koptischer Bindung. Die Rede ist von Büchern, die Hans von Rotz von Hand gebunden hat. Mit offenen Buchrücken, mit nur teilweise in Leder gebundenem Deckel oder mit im Buchrücken eingeklemmten Seiten. Seit beinahe 40 Jahren übt der gebürtige Kernser dieses Handwerk aus, das für ihn längst kein Hobby mehr ist. Eine Ausstellung in der Kantonsbibliothek gibt Überblick über sein Schaffen.

Zu seinen Fans gehört Pia Ryser, Mitarbeiterin der Kantonsbibliothek Obwalden. Sie hat die Ausstellung initiiert. «Hans von Rotz hat ein grosses Wissen. Die Ausstellung zeigt verborgene Schätze», erklärt sie. Da sie selbst seit einiger Zeit bei von Rotz das Buchbinden lernt, weiss sie mittlerweile aus eigener Erfahrung, wie viel Genauigkeit die Tätigkeit erfordert: «Manches habe ich schon dreimal gemacht», berichtet sie. Hans von Rotz nickt zustimmend. «Es kann bis zum letzten Arbeitsschritt noch etwas schiefgehen», meint er. Und «ja, ein bisschen pingelig bin ich schon», bestätigt er den Verdacht, dass er ein Perfektionist ist.

«Er nimmt an nationalen und internationalen Buchbindewettbewerben teil und war schon unter den Erstrangierten», stellt Pia Ryser klar, denn der 64-Jährige ist viel zu bescheiden, um von seinen Erfolgen zu berichten. Vom Handwerk dagegen erzählt er gern. Das erfordert Erfahrung, Genauigkeit, Geduld, handwerkliches Geschick und Kreativität. Die Arbeitsstunden, die hinter seinen Werken stehen, rechnet Hans von Rotz nicht. Einen Grossteil der Zeit benötige der Trocknungsprozess. So fertigt Hans von Rotz gleich mehrere Arbeiten gleichzeitig. Um eine Vorstellung zu geben: Ein Wettbewerb ist ein Jahr im Voraus ausgeschrieben.

Liebe zu Büchern begleitet ihn von Kindesbeinen an

Hans von Rotz ist pensionierter Kriminaltechniker, hat aber ursprünglich Schriftsetzer gelernt. Seine Liebe zu Büchern begleitet ihn von Kindesbeinen an. Damals hatten es ihm Abenteuerromane angetan. Auf Flohmärkten erwarb er bald Bücher, die er anschliessend flickte. Kurse in der Migros-Klubschule in Luzern mündeten in ein Atelier. Eine Gruppe begeisterter Hobbybuchbinder war froh, Gerätschaften zu nutzen und Tipps zu erhalten. Mitte der Neunziger gründete Hans von Rotz dann mit einer Gruppe Gleichgesinnter eine Buchbindewerkstatt in einer ehemaligen Schreinerei in Buochs. Vor gut 15 Jahren wurde das Atelier nach Stansstad gezügelt. Auch heute noch bildet sich von Rotz jährlich weiter an der Buchbindehochburg Centro del bel libro in Ascona, die Interessierte aus der ganzen Welt aufsuchen.

Auf Auftrag arbeitet er handverlesene Einzelanfertigungen und frönt seiner Leidenschaft, neue kreative Arbeiten zu fertigen. Form und Inhalt sollten dabei einander entsprechen. Die Ideen scheinen ihm nicht auszugehen: Ein Schloss in Form eines Lederkanapees, ein Einband aus einem Ikeaset mit besonderer Bindung, Lederdeckel mit Zeichnungen aus der Kindheit seiner Tochter. «Ich bin einfach fasziniert von der Vielfalt, es ist eine Beschäftigung, mit der man nie fertig wird», sagt Hans von Rotz.

Hinweis

Die Ausstellung «Ein Buch hat viele Gesichter» ist in der Kantonsbibliothek Obwalden im Lesesaal noch bis am 30. April zu sehen.

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